Hunderte Menschen protestieren inder Nacht in Philadelphia gegen Polizeigewalt und stehen Polizisten gegenüber. | Bildquelle: AP

Nach tödlichen Schüssen auf Schwarzen Protest gegen Polizeigewalt in Philadelphia

Stand: 28.10.2020 06:59 Uhr

Ein weiterer Fall von tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA sorgt für Aufruhr: Nachdem Polizisten in Philadelphia einen 27-Jährigen erschossen, haben Hunderte demonstriert. Es kam zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften.

Nach dem Tod eines Schwarzen durch Polizeischüsse in Philadelphia haben in der US-amerikanischen Stadt die zweite Nacht in Folge Menschen gegen Polizeigewalt demonstriert. Es kam zu Zusammenstößen zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften sowie zu Plünderungen.

Die Polizei teilte per Twitter mit, "eine große Menge" von rund 1000 Menschen plündere Geschäfte. Aus einem Hubschrauber aufgenommene Bilder zeigten, wie Menschen in ein Sportgeschäft und andere Läden einbrachen.

Das Büro des Gouverneurs des Bundesstaates Pennsylvania, Tom Wolf, kündigte die Entsendung von mehreren hundert Angehörigen der Nationalgarde in die Stadt an, "um das Recht auf friedliche Versammlungen und Protest zu schützen und die Sicherheit der Menschen zu wahren".

Handyvideo zeigt Schüsse der Polizei

Auslöser der Proteste war ein Vorfall am Montagnachmittag: Zwei weiße Polizisten hatten einen mit einem Messer bewaffneten Schwarzen erschossen. Der Vorfall ist auf einem Handyvideo festgehalten. Dort ist zu hören, wie die Beamten den 27-Jährigen auffordern, das Messer wegzuwerfen. Als der als Walter Wallace identifizierte Mann seine Mutter wegstößt und auf die Polizisten zuläuft, eröffnen die Beamten das Feuer.

Der 27-jährige Wallace litt nach Angaben seiner Familie unter psychischen Problemen. Wallace habe sich in einer seelischen Krise befunden: Sein Bruder habe deshalb einen Rettungswagen zu Hilfe rufen wollen und nicht die Polizei, teilte der Anwalt der Familie mit. Wallace' Eltern zufolge wussten die Polizisten, dass ihr Sohn eine psychische Krise hatte, da sie am Montag bereits dreimal im Haus der Familie gewesen waren. Der Anwalt der Familie kritisierte, dass die Polizei von Philadelphia für den Umgang mit psychischen Krisen nicht ausgebildet sei.

Mit Blick auf den von Passanten gefilmten Vorfall erklärte Bürgermeister Jim Kenney: "Ich habe das Video dieses tragischen Vorfalls gesehen. Es wirft schwierige Fragen auf, die beantwortet werden müssen." Polizeichefin Danielle Outlaw versprach eine gründliche Untersuchung des Falls.

Zweite Nacht mit Demonstrationen

Nach den tödlichen Polizeischüssen waren bereits am Montagabend Hunderte Demonstrierende auf die Straße gegangen. Es kam zu Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei. Dabei wurden mehr als 90 Menschen festgenommen, 30 Polizisten wurden verletzt.

In den USA ist es nach dem Tod des unbewaffneten Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai in Minneapolis immer wieder zu Protesten der Black Lives Matter-Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt gekommen. Am Rande der meist friedlichen Demonstrationen kam es wiederholt zu Ausschreitungen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Oktober 2020 um 07:00 Uhr.

Darstellung: