Sicherheitskräfte untersuchen den Tatort in Davao.

14 Tote bei Explosion auf den Philippinen Abu Sayyaf bekennt sich zu Anschlag

Stand: 03.09.2016 11:21 Uhr

Die Islamistengruppe Abu Sayyaf hat sich zu dem jüngsten Anschlag auf den Philippinen bekannt. Bei der Explosion in der Heimatstadt von Präsident Duterte kamen mindestens 14 Menschen ums Leben. Die Detonation ereignete sich in der südlichen Hafenstadt Davao.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Glasscherben, zerborstene Tische und Plastikstühle, ein einzelner Turnschuh - auf dem Marktplatz von Davao werden am Tag nach dem Anschlag die Trümmer zusammengekehrt, die Blutflecken vom Asphalt gewaschen. Kurz vor 23 Uhr Ortszeit war der Sprengsatz gestern in der südphilippinischen Millionenstadt Davao explodiert - mitten im geschäftigen Treiben eines Marktes; Touristen und Einheimische flanierten zwischen Verkaufsständen und Zelten in einer schwülen Tropennacht. Nun sind 14 Menschen tot und 71 zum Teil schwer verletzt.

Angst unter Händlern

Unter den Händlern des Nachtmarktes von Davao herrscht die Angst: "Es ist eine gefährliche Situation", sagt einer. "Wir sind traumatisiert und haben alle Angst vor der nächsten Explosion. Ich glaube nicht, dass wir viel verkaufen werden in der nächsten Zeit."

Die islamistische Terrorgruppe Abu Sayyaf, die mit dem "Islamischen Staat" verbündet ist, hat sich zu dem Anschlag bekannt und droht mit weiteren Terrorakten. Abu Sayyaf kämpft in der Region Mindanao - zu der auch die Millionenmetropole Davao gehört - für die Loslösung von den Philippinen. Die Terrorgruppe ist berüchtigt für die Entführung von Touristen - mit dem Lösegeld finanziert sie ihren bewaffneten Kampf.

Dutertes Heimatstadt

Philippinischer Präsident Duterte
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War lange Bürgermeister von Davao, bevor er Präsident wurde: Rodrigo Duterte

Nach der Enthauptung mehrerer Geiseln hatte Präsident Rodrigo Duterte einen Militäreinsatz gegen Abu Sayyaf angeordnet. Duterte sprach im Morgengrauen in Davao von einem Zustand der Gesetzlosigkeit. Er war während der Explosion in Davao - es ist seine Heimatstadt, er war hier fast 20 Jahre lang Bürgermeister, hatte gestern feierlich eine Fabrik eröffnet. Deshalb hatte es anfangs Vermutungen gegeben, dass der Anschlag ihm gegolten haben könnte. Der 71-Jährige hält häufig Konferenzen im Luxushotel "Marco Polo" im Zentrum Davaos ab, dort wo die Bombe explodierte. "Sicher gibt es in unserem Lande eine Menge Elemente, die wütend auf den Präsidenten sind", hatte sein Sprecher erklärt.

Duterte war im Mai mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten gewählt worden wegen seines Versprechens, gnadenlos gegen die Drogenkriminalität vorzugehen. Seit seiner Amtsübernahme im Juni dieses Jahres wurden bereits 2000 Verdächtige von der Polizei und von Killerkommandos erschossen. Zugleich hat der neue Präsident Friedensgespräche mit den beiden größten Rebellengruppen im Süden der Philippinen initiiert.

120.000 Tote seit 1968

Der Krieg dieser kommunistischen und islamistischen Guerillagruppen hat seit 1968 etwa 120.000 Menschen das Leben gekostet. Wie es mit den Friedensgesprächen nun weitergeht, ist nach dem Anschlag in Davao völlig unklar. Duterte will das Militär einsetzen, um Durchsuchungen durchzuführen und für Ordnung zu sorgen. An Flughäfen und Grenzübergägen wurden die Kontrollen verschärft.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. September 2016 um 09:00 Uhr.

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