Rui Pinto | Bildquelle: NDR

"Football-Leaks"-Hinweisgeber Pintos Flucht nach vorn

Stand: 27.01.2020 19:06 Uhr

Der Mann hinter den "Football Leaks" soll auch Hinweisgeber in der neuen Enthüllung "Luanda Leaks" sein. Die Offenbarung Pintos hat einen guten Grund.

Von Hendrik Maaßen, NDR

Rui Pinto hat als Hinweisgeber Korruption im Fußball offenbart. Doch seit seiner Enttarnung ermittelt die portugiesische Justiz gegen ihn. Nun gab er bekannt, dass er auch der Hinweisgeber hinter einer aktuellen weiteren, großen Enthüllung sei: den sogenannten Luanda Leaks.

Für Pinto scheint es die Flucht nach vorn: Denn die Offenbarung seiner Urheberschaft werten Beobachter als Versuch, seinen anstehenden Prozess positiv zu beeinflussen.

Erst vor zehn Tagen hatte ein Gericht in Lissabon entschieden, Pinto im Zusammenhang mit den "Football Leaks" in 90 Fällen anzuklagen. Ihm wird unter anderem versuchte Erpressung und Cyberkriminalität vorgeworfen. Die Richterin erklärte auch, dass sie Pinto nicht für einen Whistleblower halte.

Vermögen mit staatlichen Geldern

Die europäische Justizbehörde Eurojust ermittelt hingegen mit Daten aus den "Football Leaks" gegen Steuersünder und bezeichnete Pinto in der Vergangenheit als Whistleblower. Pinto sitzt seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft.

Unter dem Stichwort "Luanda Leaks" veröffentlichten Medien auf der ganzen Welt erst vor wenigen Tagen Details darüber, wie die reichste Frau Afrikas und Tochter des ehemaligen Präsidenten Angolas, Isabel Dos Santos, sich mit staatlichen Geldern ein immenses Vermögen anhäufte.

"Komplexe Geschäfte"

In einer Erklärung seiner Anwälte lässt Pinto nun mitteilen, er habe mit seinen Hinweisen dazu beitragen wollen, diese "komplexen Geschäfte" aufzudecken, die "unter Beihilfe von Banken und Juristen" zustande gekommen seien und nicht nur den "angolanischen Staat und seine Bevölkerung in die Armut trieben, sondern möglicherweise auch die allgemeinen Interessen Portugals ernsthaft beschädigten", so Pintos Anwälte. Auch deshalb sei er ein "sehr bedeutender europäischer Hinweisgeber".

Den Vorwürfen zufolge soll Dos Santos Geld in Angola unterschlagen und dieses in Portugal investiert haben. Dos Santos bestreitet die Vorwürfe.

In Portugal eröffnete die Justiz nach den Enthüllungen der "Luanda Leaks" ein Ermittlungsverfahren. Zahlreiche Banken distanzierten sich von der Ex-Präsidententochter. Die angolanische Generalstaatsanwaltschaft klagte die Beschuldigte wegen Betrugs und Geldwäsche an.

Lange Haftstrafe droht

Ob Pintos Offensive in eigener Sache Erfolg haben wird, ist derzeit schwer abzuschätzen. Die portugiesische Justiz bereitet aktuell den Prozess gegen ihn vor. Er soll in zwei bis drei Monaten beginnen. Sollte sich an seinem Status nichts ändern, droht Pinto eine langjährige Haftstrafe.

Die Dokumente der "Football Leaks" hatte der "Spiegel" erhalten und unter anderem mit dem NDR geteilt. An den Recherchen der "Luanda Leaks" waren NDR, WDR und die "Süddeutsche Zeitung" beteiligt.   

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