Trauernde Mitglieder der jüdischen Tree-of-Light-Gemeinde in Pittsburgh | Bildquelle: AP

Synagoge in Pittsburgh Mutmaßlichem Attentäter droht Todesstrafe

Stand: 29.10.2018 08:30 Uhr

Der mutmaßliche Attentäter von Pittsburgh wird heute zum ersten Mal vor Gericht erscheinen. Vor seinem Angriff auf eine Synagoge soll er antisemitische Parolen verbreitet haben. Ihm droht die Todesstrafe.

In Pittsburgh wehen die Fahnen auf Halbmast. Es sind zwei Tage vergangen, seit acht Männer und drei Frauen in der Tree-of-Life-Synagoge erschossen wurden. Die Stadt im US-Bundesstaat Pennsylvania versucht immer noch irgendwie zu fassen, was da am jüdischen Ruhetag, dem Sabbat, passiert ist.

Tausende Menschen gedachten der Opfer des antisemitischen Angriffs auf die Synagoge. In einem großen Saal im Zentrum von Pittsburgh wurde eine ökumenische Trauerfeier mit Hunderten Besuchern abgehalten, Tausende weitere Menschen verfolgten die über Lautsprecher übertragene Trauerfeier bei Regen im Freien.

"Worte des Hasses sind in Pittsburgh nicht willkommen", mahnte Rabbi Jeffrey Myers in seiner Rede - und nahm dabei insbesondere Politiker in die Verantwortung. "Meine Damen und Herren, das muss mit Ihnen, unseren Politikern, beginnen. Hören Sie auf mit den Worten des Hasses."

"Wir werden durch diesen dunkelsten Tag in der Geschichte von Pittsburgh kommen, indem wir zusammenarbeiten", sagt Bürgermeister Bill Peduto. Er beschwört den Zusammenhalt und bedankt sich für die guten Wünsche, die Pittsburgh und seine Bürger aus der ganzen Welt erreichen.

Pittsburghs Bürgermeister Bill Peduto | Bildquelle: AP
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Pittsburghs Bürgermeister Bill Peduto beschwört den Zusammenhalt

Anklage in 29 Punkten

Der mutmaßliche Täter, ein 46-jähriger weißer Mann, der zuvor in sozialen Netzwerken antisemitische Parolen verbreitet hatte, wurde angeklagt. Wieso er sich dazu entschlossen hat, in diese Synagoge zu gehen und um sich zu schießen, ist für die Ermittler bisher noch unklar. Während der Attacke brüllte er Hassparolen gegen Juden. Laut Haftbefehl sagte er später Polizisten, er wolle den Tod aller Juden, denn sie seien es, die einen Völkermord an seinem Volk verübten.

Der Tatverdächtige soll heute zum ersten Mal vor Gericht erscheinen. Er wurde in 29 Punkten angeklagt. Elfmal werde er angeklagt, eine Waffe genutzt zu haben, um Menschen zu töten. Dafür könnte ihm die Todesstrafe drohen, erklärt der zuständige Staatsanwalt Scott Brady.

Es ist die tödlichste Attacke auf Juden in der Geschichte der USA. Der Antisemitismus habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen in den USA, erklärt Jonathan Greenblatt, Chef der Anti-Defamation-League, die Antisemitismus und Hass bekämpft, im Interview mit NBC: "Im vergangenen Jahr haben wir eine Zunahme von Belästigung, Vandalismus, Gewalt gegen jüdische Gemeinden um 57 Prozent gesehen. Das ist der größte Anstieg, den wir je verzeichnet haben."

Polizeifahrzeuge auf der Straße vor der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh, an der ein Attentäter elf Menschen erschoss. | Bildquelle: dpa
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Polizeifahrzeuge auf der Straße vor der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh, an der ein Attentäter elf Menschen erschoss.

Die Stimmung im Land ist aufgeheizt

US-Präsident Donald Trump verurteilte den "bösen antisemitischen Angriff". Doch einige seiner Gegner sehen das gesamte politische Klima unter seiner Präsidentschaft als mitverantwortlich für eine Radikalisierung und Spaltung der Gesellschaft in den USA und damit letztlich auch für Taten wie die in Pittsburgh. "Wenn man Hasstiraden speit, handeln Leute danach. Ganz einfach. Und das ist das Ergebnis.", sagte Stephen Cohen, Co-Präsident der Glaubensgemeinschaft New Light, die einen Teil der Tree-of-Life-Synagoge gemietet hat.

Gut eine Woche vor der wichtigen Kongresswahl ist die Stimmung durch die Tat in Pittsburgh und die Paketbomben, die ein Trump-Anhänger an Kritiker des Präsidenten geschickt hatte, zusätzlich aufgeheizt. Es wird heftig darüber diskutiert, wieviel Anteil Trump mit seinen Worten und seinen Beleidigungen politischer Gegner daran hat, dass Menschen sich zu derartigen Taten ermutigt fühlen.

Welche Antwort die Amerikaner darauf finden, könnte durchaus Einfluss auf das Wahlergebnis und die künftige Besetzung des Kongresses haben.

Mit Informationen von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

 

Anschlag auf Synagoge: Mutmaßlichem Täter aus Pittsburgh droht die Todesstrafe
Martina Buttler, ARD Washington
29.10.2018 00:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Oktober 2018 um 06:13 Uhr.

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