Polizeifahrzeuge auf der Straße vor der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh, an der ein Attentäter elf Menschen erschoss. | Bildquelle: dpa

Nach Angriff in Pittsburgh Mutmaßlicher Attentäter vor Gericht

Stand: 29.10.2018 20:46 Uhr

Der mutmaßliche Attentäter auf eine Synagoge in Pittsburgh ist vor Gericht erschienen. Der 46-Jährige bleibt zunächst in Untersuchungshaft. Mit einem Besuch will Trump die jüdische Gemeinde unterstützen.

Zwei Tage nach dem antisemitischen Angriff auf die Synagoge von Pittsburgh mit elf Toten ist der mutmaßliche Täter erstmals vor Gericht erschienen. Der bei seiner Festnahme angeschossene Robert Bowers wurde in einem Rollstuhl in den Saal geschoben und antwortete nur mehrmals kurz mit "Ja", als er nach seinen Daten gefragt wurde. Er bleibt ohne Kaution in Haft.

Am Donnerstag soll die Staatsanwaltschaft in einer ersten vorläufigen Anhörung zu Wort kommen. Sie fordert die Todesstrafe für den 46-Jährigen.

Vor der Synagoge "Tree of Live" in Pittsburgh stehen mehrere bewaffnete Sicherheitsbeamte. | Bildquelle: REUTERS
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Bowers soll in der Synagoge "Tree of Live" elf Menschen getötet haben.

Hassparolen gegen Juden

Bowers wird beschuldigt, am Samstag in der Tree-of-Life-Synagoge acht Männer und drei Frauen erschossen zu haben. Während der Tat soll er Hassparolen gegen Juden gebrüllt und nach seiner Festnahme zu Polizisten gesagt haben, er wolle alle Juden töten. Auch in Online-Foren soll sich Bowers antisemitisch geäußert haben.

Ein Posting, das von ihm stammen soll, legt nahe, dass ein besonderes Feindbild für ihn die jüdische Organisation HIAS war, die sich für Flüchtlinge einsetzt. Erst kürzlich hatte HIAS auch zur Debatte um die Migrantenkarawane Stellung bezogen, die von Mittelamerika auf dem Weg Richtung USA ist.

Die Organisation bat US-Präsident Donald Trump, jedem Migranten eine faire Asyl-Anhörung zu gewähren. Trump aber sagte, er werde die Grenzen notfalls mit Hilfe des Militärs schützen, denn in den Reihen der Tausenden Migranten seien auch viele Kriminelle.

Ein Schild mit der Aufschrift "Hass und Gewalt sind nicht die Antwort" auf einer Trauerandacht für die Getöteten von Pittsburgh. | Bildquelle: AP
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Ein Schild mit der Aufschrift "Hass und Gewalt sind nicht die Antwort" auf einer Trauerandacht für die Getöteten von Pittsburgh.

"Ich gehe rein."

Auf der Online-Plattform Gab, die von vielen Rechtsextremen genutzt wird, schrieb eine Person mit dem Benutzernamen Robert Bowers nur wenige Minuten vor der Tat: "HIAS will Invasoren hereinbringen, die unsere Leute umbringen. Ich kann nicht rumsitzen und zusehen, wie meine Leute geschlachtet werden. Scheiß auf eure Optik, ich gehe rein."

Bowers stürmte die Synagoge mit einem Gewehr und drei Handfeuerwaffen und war 20 Minuten ihm Gebäude, bevor die Polizei ihn überwältigen konnte. Er wurde angeschossen und musste operiert werden - überlebte aber und konnte am Montagmorgen das Allegheny General Hospital verlassen, wie eine Sprecherin sagte.

Trump besucht Pittsburgh

Das Weiße Haus kündigte für Dienstag einen Besuch von Trump in Pittsburgh an. Begleitet werden soll er dann von seiner Frau Melania. Die Tat hatte die USA tief erschüttert. In den Tagen zuvor hatte zudem eine Serie von Briefbomben an Trump-Kritiker das Land in Atem gehalten.

Vor den wichtigen Zwischenwahlen in der kommenden Woche hatten die beiden Verbrechen eine Debatte darüber ausgelöst, ob das vergiftete politische Klima in Washington - und vor allem Präsident Trump - mit seiner radikalen Sprache für die Gewalt mitverantwortlich seien.

Melania und Donald Trump | Bildquelle: SHAWN THEW/EPA-EFE/REX/Shutterst
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Zusammen mit First Lady Melania will US-Präsident Trump bei dem Besuch seine "Unterstützung für die jüdische Gemeinde" zum Ausdruck bringen, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Oktober 2018 um 21:00 Uhr in den Nachrichten.

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