Michal Rogalski | Bildquelle: Michal Rogalski

Junger Analytiker in Polen Michal rechnet besser als die Regierung

Stand: 25.01.2021 15:19 Uhr

Ein 19-Jähriger berechnet auf eigene Faust die Corona-Zahlen in Polen - und bemerkt "einen Fehler nach dem anderen" in den offiziellen Zahlen. Der laufenden Impfkampagne stellt er jedoch ein gutes Zeugnis aus.

Von Olaf Bock, ARD-Studio Warschau

Als es gerade so losging mit der Corona-Krise in Polen, entdeckte der junge Abiturient Michal Rogalski ein neues Hobby für sich: Im März 2020 begann er damit, die Corona-Infektions- und Erkranktenzahlen auf eigene Faust zu berechnen. "Ich wollte Corona verstehen und anhand von Daten meine eigenen Entscheidungen treffen", erzählt er. Das alles am heimischen Computer - mit Datensätzen aus rein öffentlich zugänglichen Quellen: Neuerkrankungen, Todesfälle und Zuwachs nach Region.

Häufig fielen seine Ergebnisse dann höher aus als die offiziellen Zahlen der Regierung. "Die Diskrepanzen zwischen meinen Zahlen und den Zahlen der Regierung kamen zustand, weil ich meine Daten auf verschiedenen administrativen Ebenen gesammelt habe, in Kreisen und Kommunen", berichtet er. Und so schaute er immer genauer hin und tat sich dann mit anderen zu einer Art Bürgerbewegung zusammen. "Wir haben einen Fehler nach dem anderen beobachten können, manchmal sogar in einfachen Matherechnungen, es war ein totales Chaos", erzählt Rogalski. Monatelang ermittelte er eigene Daten und veröffentlicht sie seitdem regelmäßig auf Twitter.

Auszeichnung vom polnischen Ombudsmann

Offenbar lag er mit seiner eigenen Datenbank und den darin enthaltenen Berechnungen richtig. Denn es führte dazu, dass "das Zusammenzählen im Ministerium geändert wurde", berichtet er. Sein Engagement sieht er als bürgerliche Pflicht an, anderen Menschen zu helfen, die richtige Entscheidung zu treffen - zum Beispiel nicht in eine stark vom Coronavirus betroffene Region zu reisen.

Rogalski sieht sich nicht als Held, aber er versteht, "dass die Geschichte um mich herum bei den Medien für viel Aufsehen sorgte. Ein Abiturient an seinem kleinen Computer gegen den Staat mit dem vielen Geld - und er zeigt, dass das System nicht funktioniert". Für seine Arbeit bekam er kürzlich sogar eine Auszeichnung vom polnischen Ombudsmann.

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Der 19-jährige Michal Rogalski rechnete die Corona-Zahlen nach, weil er klügere Entscheidungen treffen wollte, wie er sagt.

Impfung in 5000 Zentren nach Alter gestaffelt

Inzwischen hat in Polen hat die nächste Phase der Impfungen gegen das Corona-Virus begonnen. Waren zunächst seit Ende Dezember Menschen mit medizinischen Berufen wie Ärzte und Sanitäter dran, geht es jetzt weiter mit Senioren und chronisch Kranken. Dann sollen unter anderem Lehrer, Polizisten und Feuerwehrleute folgen. Die Senioren sollen nach Altersstufen drankommen: zuerst die Ältesten über 80-Jährigen und dann schrittweise die Jüngeren über 70 und 60 Jahren. Erst in der letzten Impfphase sollen dann alle über 18-Jährigen immunisiert werden. Nach der jüngsten Umfrage wollen sich 56 Prozent der Befragten impfen lassen, wenn es möglich ist. Es gibt keine Impfpflicht in Polen. 

Für die neue Phase der Impfungen wurden 5000 Impfpunkte eingerichtet. Jede der Stellen wird dann zunächst jeweils 30 Impfdosen erhalten. Die Termine für Impfungen seien schon für drei Millionen Menschen vergeben, sagte der Leiter der Kanzlei des Ministerpräsidenten, Michal Dworczyk.

Bei gleichem Tempo impft Polen noch fünf Jahre

Kritisiert wird vielfach das Tempo. Der Grund dafür sind Lieferengpässe bei den Impfstoff-Herstellern BioNTech/Pfizer und Moderna. "Das System, das geschaffen wurde, würde die Impfung von mehr als 11 Millionen Menschen ermöglichen, was bedeutet, dass uns nur die Impfstoffe fehlen", betont Dworczyk. Bis zum Sonntag wurden knapp über 700.000 Menschen geimpft. Polen hat bisher rund 1,26 Millionen Impfdosen erhalten.

Würde es in diesem Tempo weitergehen, könnte das Impfen noch etwa fünf Jahre dauern, befürchtet auch der Hobby-Analytiker Michal Rogalski. Doch "was das Tempo angeht, scheint mir im Moment alles logistisch gut gelöst zu sein. Das Tempo steigert sich auch", ist er sich sicher. Bis Ende März sollen etwa sechs Millionen Impfdosen ankommen. Dann könnten drei Millionen Menschen die notwendige zweimalige Impfung gegen das Virus erhalten.

Korrespondent

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