Die Premierminister von Polen und Israel, Morawiecki und Netanyahu | Bildquelle: REUTERS

Holocaust-Debatte Morawiecki sagt Israel-Reise ab

Stand: 18.02.2019 08:34 Uhr

Polens Premierminister Morawiecki hat kurzfristig eine Reise zu einem Visegrad-Treffen in Israel abgesagt. Grund dürften jüngste Äußerungen von Israels Premier Netanyahu zur Rolle Polens im Holocaust sein.

Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat seine Teilnahme an einem Visegrad-Treffen in Israel abgesagt. Die Absage sei telefonisch beim israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu erfolgt, teilte ein Sprecher mit. Ursprünglich sollte er von Außenminister Jacek Czaputowicz vertreten werden. Morawieckis Büro erklärte jedoch am Morgen, möglicherweise würde die gesamte polnische Delegation ihre Reise komplett absagen.

Grund dürfte ein Streit mit Israel über die Rolle Polens im Dritten Reich sein. Polnische Regierungsmitarbeiter hatten bereits mit einer Absage der Reise gedroht, nachdem Netanyahu am Donnerstag in Warschau einen umstrittenen Kommentar über den Holocaust gemacht hatte. Während der Nahostkonferenz hatte der israelische Ministerpräsident gesagt, dass Polen im Zweiten Weltkrieg mit den Nationalsozialisten kooperiert hätten. Mit der Formulierung legte er nahe, dass einige Polen im Zuge der deutschen Besetzung Polens bei der Tötung von Juden mitwirkten.

Teilnehmer einer Nahost-Konferenz in Polen | Bildquelle: AP
galerie

An der Nahost-Konferenz in Warschau nahm neben Israels Premierminister auch US-Vizepräsident Pence teil.

Falsch zitiert

Die Zeitung "Jerusalem Post" zitierte Netanjahu ursprünglich mit der Formulierung "die Polen", was als Schuldzuweisung für die gesamte polnische Nation verstanden werden könnte. Netanyahus Büro sowie die Zeitung erklärten anschließend, der Ministerpräsident sei falsch zitiert worden. Es handele sich um einen redaktionellen Fehler.

Die polnische Regierung berief dennoch die israelische Botschafterin ein und teilte mit, nicht zufrieden mit der Erklärung zu sein.

Streit über Holocaust-Gesetz

Im vergangenen Jahr hatten sich die beiden Regierungen bereits über ein neues polnisches Gesetz gestritten, laut dem es verboten ist, die polnische Nation für eine Kollaboration im Holocaust verantwortlich zu machen. Heute soll Netanyahu die Regierungschefs der sogenannten Visegrad-Gruppe in Israel treffen. Neben Polen gehören dazu Ungarn, Tschechien und die Slowakei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Februar 2019 um 11:00 Uhr.

Darstellung: