Eine Passantin mit Mundschutz und Regenschirm, geht an Wahlplakaten vorbei, die das Gesicht von Malgorzata Kidawa-Blonska, Oppositionskandidatin, ziert.  | Bildquelle: dpa

Wegen Coronavirus Polen verschiebt Präsidentschaftswahl

Stand: 07.05.2020 03:39 Uhr

Das Tauziehen um die Wahl des Staatsoberhaupts in Polen ist vorbei. Am Abend gelang PiS-Chef Kaczynski eine Einigung mit abtrünnigen Fraktionsmitgliedern. Sie wollen einer reinen Briefwahl zustimmen - und der Urnengang wird verschoben.

Polen wird die für den kommenden Sonntag geplante Präsidentenwahl verschieben. Die Wahl solle an diesem Tag nicht stattfinden - und der Oberste Gerichtshof solle sie anschließend für ungültig erklären, teilte der Vorsitzende der nationalkonservativen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, laut der Nachrichtenagentur PAP am Abend in einem gemeinsamen Statement mit dem ehemaligen Vize-Ministerpräsidenten Jaroslaw Gowin mit. Danach solle die Parlamentspräsidentin einen neuen Termin festlegen.

Damit wurde offenbar eine Lösung für den seit Wochen tobenden Konflikt um die polnische Präsidentenwahl gefunden. Weil sich das nationalkonservative Regierungslager und die Opposition sehr heftig bekämpfen, hatten es beide Seiten beim Ausbruch der Coronavirus-Epidemie versäumt, sich gemeinsam Gedanken darüber zu machen, was mit der Wahl des Staatsoberhaupts unter diesen Bedingungen geschehen soll.

Streit um Briefwahl

Die Opposition verlangte die Verlegung der Abstimmung, da wegen der Stilllegung des öffentlichen Lebens kein Wahlkampf möglich sei. Die PiS beharrte darauf, den Wahltermin am 10. Mai zu retten. Alle Umfragen sehen den von ihr gestellten Kandidaten, Amtsinhaber Andrzej Duda, mit großem Vorsprung vor seinen Kontrahenten. Um das Gesundheitsrisiko zu minimieren, wollte die PiS die Präsidentenwahl ausschließlich per Post abhalten. Dafür musste das Wahlrecht geändert werden.

Einen entsprechenden Gesetzentwurf der PiS hatte am Dienstag der von der Opposition dominierte Senat, die zweite Kammer des Parlaments abgelehnt. Am Donnerstag soll die erste Kammer, der Sejm, darüber abstimmen. Hier hat die PiS die Mehrheit und könnte die Ablehnung des Senat überstimmen. Allerdings war das Regierungslager gespalten. Eine Gruppe von Abgeordneten um den ehemaligen Vize-Regierungschef Jaroslaw Gowin wollte diese Lösung nicht mittragen.

Offensichtlich gelang es Gowin und Kaczynski nun, einen Kompromiss zu finden. Die Gowin-Gruppierung "Porozumenie" innerhalb der PiS will nun dem Briefwahl-Gesetz zustimmen. Bedingung ist, dass die Wahl nicht am 10. Mai stattfinden wird. "Wenn der 10. Mai vorüber ist, und das Oberste Gericht die Wahl für nicht gültig erklärt, wird die Parlamentspräsidentin ein neues Wahldatum zum nächstmöglichen Termin verkünden", heißt es in der gemeinsamen Erklärung von Kaczynski und Gowin.

Polen wählt später
Jan Pallokat, ARD Warschau
07.05.2020 06:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Mai 2020 um 09:00 Uhr.

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