Andrzej Duda mit Unterstützern | Bildquelle: dpa

Stichwahl in Polen Duda baut knappen Vorsprung aus

Stand: 13.07.2020 05:35 Uhr

In der zweiten Runde der polnischen Präsidentenwahl liegt Amtsinhaber Duda laut Prognosen knapp vor seinem Rivalen Trzaskowski. Doch noch ist die Wahl nicht endgültig entschieden.

Von Michael Reinartz, ARD-Studio Warschau

Bei der Präsidentschaftswahl in Polen zeichnet sich der Sieg von Amtsinhaber Andrzej Duda ab. Die jüngsten Prognosen aus der Nacht sehen den von der Regierungspartei PiS unterstützten 48-jährigen knapp in Führung. Demnach liegt Duda mit 51 Prozent zu 49 Prozent der Stimmen vor seinem Herausforderer Rafal Trzaskowski.

Duda wird im polnischen Staatsfernsehen TVP schon seit kurz nach 21 Uhr als Sieger gefeiert. In seinen ersten Äußerungen zeigte er sehr versöhnlich: "An dieser Stelle will ich sagen, wenn sich jemand im Laufe der vergangenen fünf Jahre durch eine meiner Aktivitäten oder Aussagen gekränkt fühlte - also nicht nur im Wahlkampf - dann bitte ich, meine Entschuldigung entgegenzunehmen." Er wolle versichern, dass "ich ihn achte, so wie ich alle meinen Landsleute achte, unabhängig von ihren Ansichten. So wie ich im Wahlkampf gesagt habe, unter unserer weiß-roten Fahne, bei unserer nationalen Hymne gibt es und muss es Platz für jeden geben."

Tatsächlich war gerade die letzte Wahlkampfwoche von schrillen Tönen geprägt. Duda hatte speziell um seine Stammwählerschaft auf den Dörfern und in den Kleinstädten im Osten des Landes geworben. Die Mobilisierung scheint insoweit gelungen zu sein. Allerdings wurde so ein weiteres Mal die extreme Spaltung in der polnischen Gesellschaft deutlich.

Ein kleines bisschen weniger homophob

Dazu gehörten auch homophobe Äußerungen Dudas. "Ich bedaure keine im Wahlkampf ausgesprochenen Worte, denn ich habe gesagt, was ich denke. Ich sagte, was in der polnischen Verfassung steht und welche Werte für mich wichtig sind." Er habe aber auch erklärt, dass jeder Mensch Recht auf normales Leben habe und dass ihn gar nicht störe, was seine Nachbarn machen, wenn sie sich an die Sittennormen halten.

So habe es ihn nicht gestört, als er einmal herausfand, dass in seiner Nachbarschaft ein homosexuelles Paar wohnte, sagte Duda weiter. "Ich habe das überhaupt nicht bemerkt, mich hat das gar nicht gestört, denn das waren sehr nette, normale Männer. Sie waren sympathisch, kulturell, freundlich und keinesfalls provokativ. Normale Menschen, normale Menschen, volle Achtung."

Großer Erfolg für spät berufenen Kandidaten

Rafal Trzaskowski von der Bürgerplattform, einer Schwesterpartei von CDU und CSU, hat in jedem Fall innerhalb weniger Wochen seit seiner überraschenden Nominierung Mitte Mai ein sehr gutes Ergebnis erreicht. Er hatte kurzfristig die bisherige Kandidatin Malgorzata Kidawa-Blonska ersetzt. Vor allem jüngere und gut ausgebildete Menschen unterstützten Trzaskowskis Wahlkampf.

Auf seiner Wahlparty am Warschauer Weichselufer sagte der Bürgermeister der Hauptstadt: "Eigentlich überall, wo wir waren, habe ich davon gesprochen, dass Tausende oder Hunderte Stimmen entscheiden können. Und genau so wird es sein. Es ist wohl noch nie in der polnischen Geschichte so eng gewesen, und nie haben wir die Kraft unserer Stimme gespürt."

Andrzej Duda im Präsidentenpalast | Bildquelle: dpa
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Amtsinhaber Duda gab sich am Abend versöhnlicher als im Wahlkampf.

Rafal Trzaskowski mit Unterstützern | Bildquelle: dpa
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Herausforderer Trzaskowski kann noch auf einen Wahlsieg hoffen.

Auslandsstimmen noch nicht gezählt

Nach Mitternacht hatte der Privatsender TVN 24 von einer Differenz von rund 250.000 Stimmen gesprochen. Obwohl der Trend zur Stunde für Duda spricht, kann sich auch Trzaskowski weiter Hoffnungen machen. Denn die im Ausland lebenden Polinnen und Polen stimmen traditionell eher nicht für PiS oder einen der Partei nahestehenden Kandidaten. Und die Ergebnisse aus Großbritannien etwa, wo besonders viele Exil-Polen leben, werden erst im Laufe des heutigen Tages erwartet.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 12. Juli 2020 um 23:15 Uhr.

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