Die Außenminister Russlands und Amerikas, Lawrow und Pompeo, beim Arktis-Rat. | Bildquelle: JOUNI PORSANGER/HANDOUT/EPA-EFE/

US-Außenminister in Russland Differenzen in fast allen Bereichen

Stand: 14.05.2019 09:57 Uhr

Venezuela, Iran oder fehlende Rüstungskontrollen - die Liste der Themen beim Besuch von US-Außenminister Pompeo in Russland ist lang. Doch in fast allen Bereichen liegen die Länder über Kreuz.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Eine Woche ist das letzte Treffen der Außenminister Russlands und Amerikas erst her. Mike Pompeo und Sergej Lawrow hatten sich am Rande einer Sitzung des Arktis-Rates zu Gesprächen zurückgezogen. Diese seien konstruktiv gewesen, wie der russische Außenminister im Anschluss konstatierte.

"Wir haben uns nicht auf öffentliche Statements konzentriert. Die haben zwar auf viele Dinge Einfluss, aber oft keinen Bezug zur realen Politik. Wir haben uns auf die reale Politik konzentriert und das ist uns gelungen." Man telefoniere häufig miteinander, erklärte Lawrow damals. Die Diskussionen seien immer professionell und direkt.

Viele Differenzen

Will sagen: Es wird offen über Differenzen gesprochen. Und von denen gibt es zurzeit reichlich. Ob es um die Krise in Venezuela geht, die zurzeit ganz oben auf der Agenda beider Länder steht, um Syrien oder die Ukraine: die Positionen Washingtons und Moskaus liegen weit auseinander. Und eine Annäherung ist nicht Sicht.

Das gilt auch für die Politik gegenüber dem Iran. Die russische Führung, die der iranischen Seite zuletzt immer wieder demonstrativ den Rücken stärkt, sieht mit einiger Sorge, wie die Amerikaner den militärischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Druck auf Teheran immer weiter erhöhen.

"Ich werde versuchen, von ihm zu erfahren, was die Amerikaner vorhaben, um diese Krise zu lösen, die sie selbst durch ihre einseitigen Entscheidungen ausgelöst haben", so Lawrow. Er hoffe auf ein offenes Gespräch, betonte der russische oberste Diplomat - auch bei Themen jenseits der globalen Konfliktherde, wie etwa Rüstungskontrollen, Handelsbeschränkungen und Energiesicherheit.

Donald Trump und Wladimir Putin | Bildquelle: AP
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Trump und Putin könnten sich am Rande des G20-Gipfels erneut zu bilateralen Gesprächen treffen.

Verhältnis liegt "in Trümmern"

Es gehe, wie Vize-Außenminister Sergej Rjabkow erläuterte, nämlich um ein grundsätzliches Problem: "Wir sind der Ansicht, dass die US-Administration in all diesen Bereichen handelt, ohne unsere Interessen zu berücksichtigen. Dass sie sich von ungenauen Vorstellungen leiten lässt und die Vorschläge der russischen Seite nicht angemessen zur Kenntnis nimmt."

Es geht um das Verhältnis an sich. Das liegt, wie Rjabkow es ausdrückt, in Trümmern. Es stelle sich die Frage, ob die Amerikaner zu einem echten Dialog bereit seien. 

Der erste Besuch Pompeos in Russland wird deshalb sehr genau beobachtet werden. Auch der Fakt, dass der Amerikaner zuvor überraschend seinen Besuch in Russland verschoben hatte und statt nach Moskau nach Brüssel gereist war, um sich dort mit den EU-Außenministern zu treffen, wurde in Moskau zur Kenntnis genommen.

Erneutes Treffen zwischen Trump und Putin?

Besonderes Augenmerk legen Beobachter auf das Zusammentreffen mit Präsident Wladimir Putin. Gut möglich, dass es bei den Gesprächen auch um einen Termin für ein erneutes Treffen zwischen den Präsidenten beider Länder gehen wird. Bislang hält sich Moskau in dieser Frage bedeckt. Vor einer Woche ließ sich Russlands Außenminister nur eines entlocken: "Unsere Präsidenten haben vereinbart, dass sie sich treffen, wenn es dazu eine gute Möglichkeit gibt."

Über eine Option wird in Moskau bereits diskutiert: Ende Juni findet in Japan das G20-Treffen in Japan statt. Dort könnte es dann zu bilateralen Gesprächen kommen.

Pompeos erster Besuch in Russland
Christina Nagel, ARD Moskau
14.05.2019 09:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Mai 2019 um 05:44 Uhr.

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