Wahlplakat Timoschenko und Poroschenko | Bildquelle: www.imago-images.de

Vor der Wahl in der Ukraine Drei Kandidaten und viele Hoffnungen

Stand: 28.03.2019 15:03 Uhr

Am Sonntag wird in der Ukraine ein neuer Präsident gewählt. Die meisten Chancen haben Amtsinhaber Poroschenko, Oppositionspolitikerin Timoschenko und der Komiker Selenskij.

Von Sabine Stöhr, ARD-Studio Moskau

Präsident Petro Poroschenko

Den Amtsinhaber Poroschenko sah man im Fernsehen bisher oft im graugrünen Tarnanzug. Darin tritt er auf, um zu verdeutlichen: Die Ukraine ist im Krieg. Und obwohl er diese Stimmung auch für seinen Wahlkampf nutzt, trägt der 53-Jährige lieber Anzug und Krawatte, um Vertrauen zu gewinnen.

In seinen Spots wirbt er für sich als "Der einzige, der unser Land beschützen kann!" Und: "Es gibt viele Kandidaten, aber nur einen Präsidenten." Damit ist Poroschenkos Botschaft klar. Nur er kann die Ukraine vor Russland retten. "Ich oder Putin", ruft er auch gern.

Damit spitzt er nochmal deutlich zu, wofür ihn die Ukrainerinnen und Ukrainer 2014 nach den Maidan-Protesten ins Präsidentenamt gewählt haben. Die Annäherung an den Westen. Damals wollte er aber auch der Korruption an den Kragen gehen, sein Schokoladenimperium verkaufen und den Krieg im Osten beenden. Davon ist kaum etwas Wirklichkeit geworden - trotzdem schätzen seine Anhänger Poroschenko, weil er die Ukraine näher an die EU und zur NATO gebracht hat.

Petro Poroschenko | Bildquelle: dpa
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Der amtierende Präsident Petro Poroschenko setzt auf Nationalismus und darauf, das Land nach außen hin abzugrenzen.

Und gerade Männer sehen in ihm einen Garanten für Stabilität. Weil die Ukraine schließlich ein Land im Krieg sei, dürfe es bei der Führung keine Experimente geben, sagen viele.

Der amtierende Präsident setzt auf Nationalismus und darauf, das Land nach außen hin abzugrenzen. Dazu hat er den Slogan "Armee, Sprache, Glauben" gesetzt - als Pfeiler einer neuen Identität. Seine Kampagne verfängt aber nicht. In verschiedenen Umfragen heißt es: Wenn sie auch noch nicht genau wissen wo, etwa die Hälfte der Wähler wird das Kreuz sicher nicht bei ihm machen.

Ein Großteil davon lebt auf dem Land. Bei den älteren und weniger Ausgebildeten dort ist nämlich eine andere Kandidatin stark.

Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko

Die frühere Ministerpräsidentin Timoschenko tritt zum dritten Mal für das Präsidentschaftsamt in der Ukraine an. Ihre Partei sei darauf bestens vorbereitet, sagt sie. Tatsächlich gibt es ein ausführliches Programm, und ihre Partei ist gut vernetzt. In Ihrem Wahlkampf setzt die Frau mit den blonden langen Haaren auf Emotionen. Sie will vermitteln, dass sie die einzige ist, die sich gegen das der Korruption bezichtigte Establishment und gegen Russland stemmen kann - für die wahren Interessen der Bevölkerung.

Timoschenko bei ihrer Kandidatur | Bildquelle: dpa
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Die Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko will sich gegen Korruption und gegen Russland einsetzen.

Sie verspricht, die Gaspreise zu senken und die Gehälter zu erhöhen. Für ihre Kritiker ist das reiner Populismus. Sie gehöre ja selbst seit Jahren zur Politelite, die eng verstrickt mit Oligarchen ist, so deren Argument. Dem setzt sie entgegen, dass sie "aus dem Big Business" kommt und deshalb sehr genau wisse, was getan werden müsse, um das post-sowjetische Management, die Clan-Oligarchie zu einem demokratischen, europäischen Modell umzuwandeln. Ihre Anhänger und vor allem Anhängerinnen auf dem Land jubeln ihr dabei kräftig zu. Trotzdem sehen Beobachter Timoschenko nicht in der Stichwahl.

Fragt man vor allem die jungen Menschen in der Ukraine, trauen sie es eher einem anderen zu, die Ukraine in bessere Zeiten zu führen.

Comedystar und Schauspieler Wladimir Selenskij

Der 41-Jährige Selenskij ist gerade gut im Geschäft als Hauptdarsteller einer Serie im ukrainischen Fernsehen. Darin ist er ein furchtloser Geschichtslehrer, der überraschend zum Präsidenten gewählt wird. Denn er kritisiert die Politikerelite und macht es besser. Besser für das Volk, anschaulich in jeder Folge.

Mittlerweile glauben viele Ukrainerinnen und Ukrainer dem Überraschungskandidaten auch im echten Leben, wenn er für den Fall seiner Wahl sagt: Zuerst müsse er sich um sein Land kümmern und um dessen Probleme. Es gebe sehr viele Menschen, die ums Überleben kämpften, und noch mehr, die darüber nachdächten, das Land zu verlassen.

Wladimir Selenskij, Komiker und Kandidat für die Präsidentenwahl in der Ukraine | Bildquelle: dpa
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Der Comedystar Wladimir Selenski hat keine Politikerfahrung und will sich um sein Land kümmern und um dessen Probleme. Viele Menschen glauben dem Überraschungskandidaten.

Der sportliche Mann im lässigen weißen Hemd ohne Politikerfahrung verbreitet Leichtigkeit. Anders als die Politelite hängt ihm nicht der Vorwurf an, in postsowjetische Strukturen verstrickt zu sein und mit Oligarchen Geschäfte zu machen. Seine Umfragewerte steigen ständig. Das katapultierte ihn weit vor die anderen beiden Favoriten.

Trotzdem: Alle drei Kandidaten treffen mit ihrem Programm nicht wirklich den Nerv der Bevölkerung. Die sucht stattdessen nach einer gemeinsamen Identität und hofft auf nachhaltig bessere Lebensbedingungen.

Situation in der Ukraine vor Auftakt der Präsidentschaftswahl
nachtmagazin 00:15 Uhr, 29.03.2019, Birgit Virnich, ARD Moskau

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 26. März 2019 um 18:30 Uhr.

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