Fussball Port Said Urteil

Urteil zu Fußballkrawallen in Port Said Wütende Proteste gegen den Richterspruch

Stand: 09.03.2013 20:09 Uhr

Nach dem Urteil gegen die Beteiligten der Fußballkrawalle von Port Said ist es in Kairo zu Ausschreitungen gekommen. Fans des Vereins Al-Ahli, dessen Anhänger im Februar 2012 von Anhängern des Erzrivalen Al-Masri angegriffen worden waren, stürmten in Kairo die Zentrale des ägyptischen Fußballverbands und setzten sie in Brand. Dabei kam nach Angaben von Ärzten ein Mensch ums Leben, mindestens 14 wurden verletzt.

Fans des ägyptischen Vereins Al-Ahli in Kairo
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Anhänger von Al-Ahli demonstrieren in Kairo.

Die Demonstranten sind empört über die ihrer Meinung nach zu milden Urteile gegen die Sicherheitskräfte, die den Ausschreitungen in Port Said tatenlos zugesehen hatten. Damals waren 74 Menschen ums Leben gekommen - viele von ihnen Al-Ahli-Fans. Sieben den neun angeklagten Sicherheitsleute wurden am Morgen freigesprochen. Der damalige Polizeichef muss für 15 Jahre ins Gefängnis.

Auch Al-Masri-Fans gehen auf die Straße

Das Urteil, das live im ägyptischen Fernsehen übertragen wurde, löste nicht nur bei den Al-Ahli-Fans Proteste aus. In Port Said, der Stadt des Klubs Al-Masri, wurden Journalisten angegriffen. Ziel der Angriffe waren vor allem Fernsehteams, die dort Reaktionen nach der Urteilsverkündung einfangen wollten.

Eine wütende Menge zog vor ein Verwaltungsgebäude, das von Militäreinheiten abgeriegelt wurde. Ein Offizier der ägyptischen Armee warnte die Demonstranten. Sollte es zu Gewaltausbrüchen kommen, sei man dazu bereit in Port Said einzumarschieren und die Stadt zu übernehmen und zu kontrollieren.

Haftstrafen und Freisprüche

Insgesamt mussten sich vor Gericht 73 Angeklagte verantworten. Fünf Angeklagte wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Neben dem Polizeichef müssen fünf weitere Männer für 15 Jahre ins Gefängnis. 28 Angeklagte wurden freigesprochen. Außerdem bestätigte das Gericht die Todesurteile gegen 21 Männer, die bereits im Januar gefällt worden waren.

Gericht in Kairo bei der Urteilsverkündung
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Das Urteil wurde aus Sicherheitsgründen in Kairo gesprochen.

Im Februar 2012 waren Al-Masri-Anhänger nach dem Spielende auf das Feld gestürmt und hatten die Gästefans von Al-Ahli angegriffen. Offenbar wurden die Notausgänge im Block der Al-Ahli Anhänger versperrt. Der Angriff im Fußballstadion gilt als politisch motiviert. Während die Fans von Al-Ahli aus Kairo als Unterstützer der Revolution bekannt sind, stehen die Anhänger von Al-Masri aus Port Said in dem Ruf, hinter dem ehemaligen Machthaber Hosni Mubarak zu stehen.

Bereits das Todesurteil gegen 21 Angeklagte im Januar hatte massive Ausschreitungen in der Region zur Folge, bei denen Dutzende Menschen ums Leben kamen.

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