Wütend stürmt Moussa Marega vom FC Porto nach den Beleidigungen vom Feld. | Bildquelle: AP

Spieler rassistisch beleidigt "Ein Tiefpunkt für Portugals Fußball"

Stand: 17.02.2020 16:01 Uhr

In Portugal sorgt ein rassistischer Zwischenfall im Fußball für Empörung: Moussa Marega vom FC Porto verließ das Spielfeld, nachdem er mit Affenlauten beleidigt worden war. Sogar der Staatspräsident schaltete sich ein.

Die Ansage war deutlich: "Kein Mensch sollte einer solchen Erniedrigung ausgesetzt werden“, twitterte der portugiesische Ministerpräsident Antonio Costa. Der Politiker, dessen Vater aus dem indischen Goa stammt, betonte nach dem Vorfall beim Liga-Spiel zwischen Vitoria Guimaraes und dem FC Porto am Sonntagabend, Rassismus sei "ein Verbrechen" und "inakzeptabel". Moussa Marega habe bewiesen, dass er nicht nur ein großer Spieler, sondern auch großer Bürger sei. Staatspräsident Rebelo de Sousa verurteilte den Vorfall ebenfalls scharf.

Marega hatte bei dem Auswärtsspiel in der 60. Minute das entscheidende Tor geschossen. Daraufhin beleidigten Fans der gegnerischen Mannschaft den französisch-malischen Spieler - unter anderem mit Affengeräuschen. Maregas Teamkollegen versuchten zwar, ihn zum Bleiben zu bewegen, doch der Spieler marschierte entschlossen und sichtlich sauer in Richtung Kabine.

Mittelfinger für "diese Idioten"

Dabei streckte Marega beide Daumen nach unten. Als die Beleidigungen nicht aufhörten, zeigte er beide Mittelfinger. Von versöhnlichen Worten wollte der Profi, der am Donnerstag in der Europa League bei Bayer Leverkusen antritt, nichts wissen. Auf Instagram schrieb er: "Diesen Idioten, die ins Stadion gehen, um rassistische Schreie auszustoßen, möchte ich sagen ... fick dich."

Marega ärgerte auch der Umstand, dass der Schiedsrichter ihn nach dem Tor verwarnte, weil er beim Jubeln einen der Sitze über dem Kopf gehalten hatte, die von Fans aufs Feld geworfen worden waren. "Und ich bedanke mich bei den Schiedsrichtern, dass sie mich nicht verteidigt und mir die Gelbe Karte gezeigt haben, weil ich meine Hautfarbe verteidigt habe." Den Unparteiischen Luis Miguel Godinho bezeichnete er als "eine Schande", er wolle ihn "nie wiedersehen".

"Wir sind alle Marega"

Der FC Porto bezeichnete den Vorfall als einen Tiefpunkt des Fußballs in Portugal und zeigte sich mit seinem Spieler solidarisch. Und die Sportzeitung "A Bola" titelte heute "Wir sind alle Marega". Beim Konkurrenzblatt "Record" hieß es: "Marega 5:0 gegen Rassismus". Auch im Ausland sorgte das Handeln für Aufsehen. "Vorbildhafte Aktion", schrieb die spanische Sportzeitung "AS". Der Bundesligist Werder Bremen forderte via Twitter "klare Kante gegen Rassismus".

Der Schiedrichter zeigt Marega die gelbe Karte. | Bildquelle: AP
galerie

Das Fass zum Überlaufen brachte für Marega die gelbe Karte, die ihm der Schiedsrichter für eine Geste Richtung Fans verteilte.

Kritik am Verhalten der Teamkollegen Maregas kam vom früheren Weltklasse-Fußballer Ruud Gullit. "Die anderen Spieler hätten ihn beschützen sollen und für ihn eintreten müssen. Diese Entscheidung, den Platz zu verlassen, sollte nicht nur bei dem Spieler liegen", sagte Gullit am Rande der Laureus World Sports Awards in Berlin. Er sei enttäuscht. "Wenn es Affengeräusche sind, dann ist das einfach viel zu viel. Diese Leute sind keine Fans."

Trainer-Legende Fabio Capello forderte bei einem Podiumsgespräch ein härteres Durchgreifen der Verbände gegen die Täter. "Man müsste diese Leute ein Leben lang vom Fußball ausschließen, nicht nur zwei oder vier Jahre", sagte der Italiener. "Die Spiele müssen gestoppt werden. Es muss insgesamt mehr getan werden, um das zu stoppen."

Immer wieder auch in Deutschland

In Deutschland hatte es am Freitagabend einen ähnlichen Vorfall gegeben. Bei der Drittliga-Partie zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers wurde der Spieler Leroy Kwadwo von einem Mann rassistisch beleidigt. Anders als in Portugal konnte der Mann dank anderer Fans aber schnell identifiziert werden. Gegen ihn laufen jetzt Ermittlungen wegen Volksverhetzung.

Mit Informationen von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid.

Empörung nach rassistischem Vorfall bei Fußballspiel
Marc Dugge, ARD Madrid
17.02.2020 18:33 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: