Der ehemalige bosnische General Praljak nimmt Gift vor dem UN-Tribunal in Den Haag  | Bildquelle: AP

Fall Praljak Gifttod vor Gericht bleibt unaufgeklärt

Stand: 02.11.2018 11:46 Uhr

Als sich der Kriegsverbrecher Praljak Ende 2017 vor dem UN-Tribunal mit Zyankali umbrachte, war das Entsetzen groß. Wie kam er an das Gift? Die Ermittler schlossen den Fall jetzt ab - unaufgeklärt.

Niederländische Ermittler haben den dramatischen Selbstmord des verurteilten Kriegsverbrechers Slobodan Praljak vom vergangenen Jahr nicht aufklären können. Es sei weiterhin unklar, wie und wann Praljak an das von ihm verwendete Zyankali gelangt sei, erklärte die Staatsanwaltschaft in einer schriftlichen Stellungnahme.

Demnach hatte der 72-Jährige keine Hilfe von anderen Personen. Es seien keine Hinweise auf Helfer gefunden worden, heißt es in dem Abschlussbericht der Staatsanwaltschaft. "Man kann nicht ausschließen, dass Praljak das Gift schon (sehr) lange Zeit in seinem Besitz hatte."

Gift in der Toilette oder im Warteraum?

Ex-General Slobodan Praljak | Bildquelle: AP
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In der Zelle von Praljak war ein Abschiedsbrief gefunden worden.

Kaliumzyanid kann man in trockener Form als Tablette oder Pulver lange aufbewahren. Bereits eine sehr geringe Menge ist tödlich. Bei Durchsuchungen der Gebäude und auf Kamera-Aufnahmen seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Vor seiner Tat war Praljak allerdings kurz in zwei Räumen ohne Kameras gewesen - in einer Toilette und in einem Warteraum. In der Zelle des Mannes war ein Abschiedsbrief gefunden worden. Darin gab er an, dass er die Entscheidung zum Suizid bereits lange Zeit zuvor getroffen habe.

Der Ex-General hatte im November 2017 im Gerichtssaal in Den Haag Zyankali eingenommen und war wenig später gestorben. Zuvor hatte das UN-Gericht Praljak wegen Kriegsverbrechen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 01. Dezember 2017 um 21:45 Uhr.

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