Protest der Orange-Westen in Rom | Bildquelle: MASSIMO PERCOSSI/EPA-EFE/Shutter

Proteste in Italien Rechte fordert Rücktritt der Regierung

Stand: 02.06.2020 17:49 Uhr

Monatelang war es in Italien politisch ruhig. Doch mit der geplanten Grenzöffnung wächst auch der Protest - angeführt von der italienischen Rechten. Sie ging heute in Rom auf die Straße.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

An der Spitze in der Via del Corso geht Giorgia Meloni. Seit einigen Wochen führt sie die Liste der beliebtesten Politiker des Landes an - noch vor Matteo Salvini. Italiens Rechte hat zum Nationalfeiertag im Zentrum Roms mobilisiert, um die Regierung für ihren Umgang mit der Corona-Krise anzuprangern.

Protest der Orange-Westen in Rom | Bildquelle: MASSIMO PERCOSSI/EPA-EFE/Shutter
galerie

Zum Nationalfeiertag forderten Demonstranten in Rom den Rücktritt der Regierung.

Umfragehoch für die italienische Rechte

"Wir haben das Fest der Republik für diese Demonstration gewählt, um dem Italien, das sich nicht geschlagen geben will, eine Stimme zu geben", sagt die Chefin der ultrarechten Partei Fratelli d’Italia, die in Umfragen während der Corona-Krise auf mehr als 14 Prozent geklettert ist. Mehrere tausend Menschen sind gekommen, dicht an dicht ziehen sie durch Roms Haupteinkaufsstraße. Viele Teilnehmer tragen eine Atemschutzmaske in den italienischen Nationalfarben.

Auch Matteo Salvini trägt so eine Maske. Der Führer der rechten Lega geht neben Meloni an der Spitze des Demonstrationszuges. Endlich, sagt Salvini, fielen jetzt die Anti-Corona-Beschränkungen in Italien, die bislang Reisen zwischen Regionen untersagten: "Morgen fallen die Mauern zwischen Städten, Provinzen und Regionen. Die Italiener entdecken, dass sie geschlossener denn je sind." Der Abbau der Bürokratie und die Senkung der Steuern, seien die Rezepte der Lega, um "dieses wunderbare Land" wieder aufzubauen.

Salvini greift an

In den vergangenen drei Monaten, seit Beginn der Corona-Krise in Italien, war Salvini weitgehend aus dem politischen Rampenlicht verschwunden. In Italien hatte sich, wie bei ähnlichen Krisen in der Vergangenheit, ein Klima der nationalen Einheit durchgesetzt. Auch der Führer der rechten Lega verzichtete auf aggressive Attacken. Unter anderem deswegen gab es in Italien, anders als in anderen europäischen Ländern, kaum öffentliche Proteste gegen die Anti-Corona-Politik der Regierung. Jetzt, mit dem inoffiziellen Ende der akuten Notphase, will die politische Rechte aus dem Unmut vieler Menschen politisch Kapital schlagen.

Verärgert sind unter anderem mehrere Millionen Kurzarbeiter, die in der Corona-Krise wochenlang das versprochene Geld nicht bekamen, weil ihre Anträge in der italienischen Bürokratie feststeckten.

Protest gegen Beschränkungen

"Libertà", Freiheit, war der Ruf, mit dem bereits über Pfingsten in mehreren Städten jeweils hunderte Menschen auf die Straße gegangen sind, um gegen die Beschränkungen in der Corona-Krise zu protestieren. Viele trugen orangefarbene Warnwesten, italienische Medien sprechen von einer Bewegung der "gilet arancioni", der orangenen Westen - in Anlehnung an die Proteste der Gelbwesten in Frankreich.

Auf der Kundgebung in Mailand forderte der ehemalige Carabinieri-General Antonio Pappalardo den Rücktritt der Regierung Conte. Unter anderem griff er eine international verbreitete Verschwörungstheorie auf und behauptet, das Coronavirus würde über das 5G-Mobilfunknetz übertragen.

Regierungsgegner jeglicher Couleur drängen dieser Tage auf die Straßen. Mit dem bevorstehenden Ende der Corona-Reisebeschränkungen scheint auch die Phase der nationalen Einheit in Italien zu Ende zu gehen.

Italiens Rechte geht gegen Anti-Corona-Politik auf die Straße
Jörg Seisselberg, ARD Rom
02.06.2020 17:14 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Juni 2020 um 16:30 Uhr.

Darstellung: