Proteste im Gazastreifen | Bildquelle: AFP

Proteste in Gaza Rauch, Tränengas, Schüsse

Stand: 06.04.2018 17:25 Uhr

Die Lage im Gazastreifen eskaliert: Bei Protesten an der Grenze zu Israel fallen erneut Schüsse. Palästinensern zufolge sollen drei Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden sein.

Erneut haben Hunderte Palästinenser im Gazastreifen an der Grenze zu Israel protestiert. Die israelische Armee setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. In der Nähe von Fernsehteams landeten Kanister, der ausströmende Reizstoff schlug viele Umstehende in die Flucht. Vereinzelt gaben israelische Soldaten auch Schüsse auf Palästinenser ab, die sich dem Grenzzaun näherten. Das Militär teilte mit, die Soldaten hätten sowohl Gummigeschosse als auch scharfe Munition eingesetzt.

Palästinensische Demonstranten verbrannten Autoreifen, um sich mit einer "Rauchmauer" aus schwarzem Qualm Deckung vor den Blicken israelischer Sicherheitskräfte zu verschaffen. Nach palästinensischen Angaben wurden drei Menschen getötet und etwa 150 verletzt. Mehrere Menschen seien dabei lebensgefährlich verletzt worden.

Israels Armee erklärte die Grenzzone entlang des Gazastreifens zum militärischen Sperrgebiet. Gegen die Ausschreitungen würden Mittel zur Bekämpfung von Unruhen eingesetzt, hieß es in einer Mitteilung.

Proteste in Gaza drohen zu eskalieren
tagesschau 17:00 Uhr, 06.04.2018, Mike Lingenfelser, ARD Tel Aviv

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Neuer Gewaltausbruch befürchtet

Hunderte Palästinenser hatten sich schon tagelang an der Grenze zu Israel versammelt, um für ein Rückkehrrecht in das heutige Staatsgebiet Israels zu demonstrieren. Zu den Protesten hatte die radikal-islamische Hamas aufgerufen, die im Gazastreifen an der Macht ist.

Vor einer Woche war es an der gleichen Stelle in Gaza zum schwersten Gewaltausbruch seit mehreren Jahren gekommen: Nachdem palästinensische Demonstranten am Karfreitag den Grenzzaun zu Israel überwinden wollten, hatten israelische Scharfschützen in die Menge geschossen und zahlreiche Palästinenser getötet. Nach Armeeangaben hatten die Schützen dabei auf militante Rädelsführer in den Reihen der Palästinenser gezielt.

Reifen und Spiegel gegen die israelische Armee

Im Vorfeld der heutigen Proteste hatten beide Seiten scharfe Drohungen ausgesprochen. Die israelische Armee will an ihrer Taktik vom vergangenen Freitag festhalten: Man werde nicht zulassen, dass der Grenzzaun durchbrochen wird, bekräftigte das Militär. "Ich denke, dass auch die andere Seite versteht, dass es sich nicht lohnt, weiterzumachen und ich warne sie davor, die Provokationen fortzuführen", erklärte Verteidigungsminister Avigdor Liebermann. "Wir haben klare Spielregeln festgelegt und wir haben nicht vor, diese zu ändern. Jeder, der sich dem Zaun nähert, bringt sein Leben in Gefahr."

Viele junge Palästinenser, die sich in den Protestlagern versammelt hatten, gaben sich furchtlos: "Ich habe keine Angst, und wenn sie Raketen schießen - es ist mir egal. Ich werde solange Steine werfen, bis ich zu meinem Recht gekommen bin. Ich fürchte mich vor nichts", sagte ein junger Mann der ARD. Der Rettungsdienst Roter Halbmond hat die Bewohner des Gazastreifens bereits zu Blutspenden aufgerufen.

Neben den angezündeten Reifen wollen die Palästinenser auch Spiegel einsetzen, um die israelischen Soldaten zu blenden. Israels Armee wirft der Hamas vor, sie wolle im Schutz der Rauchschwaden Anschläge an der Grenze verüben.

Palästinensische Demonstranten fliehen vor Tränengas, das die israelische Armee im Gazastreifen einsetzt. | Bildquelle: AFP
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Palästinensische Demonstranten fliehen vor Tränengas, das die israelische Armee im Gazastreifen einsetzt.

UN: Schusswaffen nur als letztes Mittel einsetzen

Die Vereinten Nationen warnten Israel unterdessen vor exzessiver Gewalt gegen die Palästinenser: Schusswaffen sollten nur als letztes Mittel eingesetzt werden, teilte das Büro des UN-Kommissars für Menschenrechte mit. Ihr ungerechtfertigter Einsatz könne den Tatbestand der vorsätzlichen Tötung von Zivilisten erfüllen - dies wäre eine Verletzung der Genfer Konvention.

Die Bundesregierung zeigte sich angesichts der Unruhen besorgt. Alle Verteidigungsmaßnahmen von Israels Sicherheitsinteressen müssten "verhältnismäßig" sein, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin: "Demonstranten dürfen nicht beschossen werden." Auf palästinensischer Seite dürfe das Recht auf freie Meinungsäußerung und friedlichen Protest nicht missbraucht werden. Auch die USA erklärten, sie verurteilten "Anführer und Demonstranten, die zur Gewalt aufrufen oder Protestierende - Kinder eingeschlossen - Richtung Zaun schicken, in dem Wissen, dass sie verletzt oder getötet werden können."

Der Hamas-Sprecher Hazem Qassem rief die Demonstranten dazu auf, friedlich zu bleiben. Die Palästinenserproteste, zu denen die Hamas aufgerufen hat, sollen insgesamt sechs Wochen andauern - bis zum 15. Mai. Dieses Datum ist der 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels und für Hunderttausende Palästinenser zugleich Symbol ihrer Vertreibung aus dem Land.

Massenproteste im Gaza-Streifen
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
06.04.2018 19:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. April 2018 um 11:00 Uhr.

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