Demonstrantin in Rotterdam | Bildquelle: REUTERS

Europaweite Solidarität Tausende bei George-Floyd-Protesten

Stand: 04.06.2020 02:44 Uhr

Auch in Europa drücken viele ihre Wut über den gewaltsamen Tod George Floyds aus. In London, Rotterdam und Frankfurt gingen Tausende auf die Straße, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren.

Europaweit solidarisieren sich Menschen mit den Protesten in den USA: In London gingen Tausende gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße. Die Demonstranten zogen in einem Protestmarsch vom Hyde Park zum britischen Parlament. Viele trugen Schilder mit Slogans wie "no justice, no peace" (keine Gerechtigkeit, kein Frieden). Aufgerufen zu der Demonstration hatte die Initiative "Black lives matter" (Schwarze Leben zählen) als Reaktion auf den gewaltsamen Tod des Schwarzen George Floyd bei einem Polizeieinsatz in der US-Metropole Minneapolis Ende Mai.

In Athen kam es zu schweren Ausschreitungen. Eine Gruppe junger Demonstranten bewarf nahe der US-Botschaft in der griechischen Hauptstadt die Polizei mit Molotow-Cocktails, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP beobachtete. Einige Demonstranten zündeten auch Mülleimer an. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Rund 3000 Menschen hatten an dem Protestmarsch in der griechischen Hauptstadt teilgenommen. Auf einem Transparent an der Spitze des Marsches wurden "Rassismus" und der "mörderische amerikanische Staat" angeprangert. 

Britische Polizei signalisiert Solidarität

Zuvor hatten sich britische Polizeichefs solidarisch erklärt mit der Empörung über den gewaltsamen Tod. "Wir stehen an der Seite derer, die auf der ganzen Welt abgestoßen und entsetzt sind von der Art, wie George Floyd sein Leben verloren hat", hieß es in einer Mitteilung verschiedener britischer Polizeiorganisationen. Nun müsse Gerechtigkeit geübt und Rechenschaft abgelegt werden.

Protest in London | Bildquelle: REUTERS
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Offiziell hat sich die britische Polizei mit den Protesten gegen Rassismus solidarisch erklärt.

Gleichzeitig verurteilten die Polizeichefs jedoch auch Gewalt und Zerstörung bei den Protesten in vielen US-Städten. Auch die Demonstranten in Großbritannien mahnten sie dazu, die wegen der Coronavirus-Pandemie eingeführten Abstandsregeln einzuhalten.

Polizei stoppt Demo in Rotterdam

In Rotterdam, wo ebenfalls Tausende auf die Straße gegangen waren, forderte die Polizei die Demonstranten auf, nach Hause zu gehen. Die Demonstrationen seien zu groß, der nötige Abstand von 1,50 Meter könne nicht eingehalten werden, so die Polizei. Viele Demonstranten kamen den Forderungen nach, nur einige kleinere Gruppen blieben auf der zentral gelegenen Erasmus-Brücke.

In Deutschland schlossen sich in Frankfurt am Main einige hundert Menschen dem Protest der "Black lives matter"-Bewegung an.

Protest in Rotterdam | Bildquelle: AFP
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Auch in Rotterdam gingen Tausende auf die Straße.

Nach Protesten gegen übermäßige Polizeigewalt in Frankreich hat die Regierung mögliche Konsequenzen angekündigt. Innenminister Christophe Castaner sagte, "jeder Exzess" und jede rassistische Äußerung eines Polizisten würden eine Untersuchung und Sanktionen nach sich ziehen. Zugleich verurteilte er die Ausschreitungen nach den Kundgebungen mit mehr als 20.000 Teilnehmern.

Die Polizei und die Gendarmerie müssten vor Fehlern Einzelner geschützt werden, sagte Castaner weiter. "Im Alltag bekämpft die Polizei der Republik den Rassismus und den Antisemitismus", betonte er. Der Vorsitzende des französischen Verbands SOS Racisme, Dominique Sopo, erklärte dagegen: "Rassismus durchdringt die Polizei hier genauso wie in den Vereinigten Staaten".

Fall Floyd erinnert an Tod in Paris

Unter dem Eindruck der Proteste in den USA waren am Dienstagabend in Frankreich zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Anlass für eine nicht genehmigte Kundgebung in Paris mit 20.000 Teilnehmern waren neue medizinische Befunde zum Tod eines schwarzen jungen Mannes 2016. Der 24-Jährige aus der Pariser Vorstadt Beaumont-sur-Oise war in Polizeigewahrsam gestorben, nachdem er Widerstand gegen die Festnahme seines Bruders geleistet hatte. Eine neue Untersuchung im Auftrag der Familie geht davon aus, dass der junge Schwarze erstickte, weil er von der Polizei bäuchlings am Boden fixiert wurde - ähnlich wie Floyd in den USA.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Juni 2020 um 23:00 Uhr.

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