Der mexikanische Drogenboss Joaquin "El Chapo" Guzman (Archiv) | Bildquelle: dpa

Prozessauftakt in New York "El Chapo" droht lebenslänglich

Stand: 05.11.2018 08:08 Uhr

Lange war "El Chapo" Guzmán einer der meistgesuchten Verbrecher der Welt. Jetzt steht der Ex-Drogenboss in New York vor Gericht. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen wird zunächst nach Geschworenen gesucht.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

20. Januar 2017: Ein Mann namens Donald Trump tritt sein Amt als US-Präsident an. Und ein Mann namens Joaquín Guzmán ist pünktlich tags zuvor von Mexiko an die USA ausgeliefert worden. Nun stehen also über ein Dutzend Staatsanwälte, Drogenfahnder und Ermittler im Gericht im Stadtteil Brooklyn. Lange haben sie auf diesen Moment gewartet. Und auf diesen Mann. Nun haben sie ihn bekommen.

Der mexikanische Drogenboss Joaquin "El Chapo" Guzman | Bildquelle: AFP
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Nach mehreren Ausbrüchen fasste die mexikanische Polizei Guzmán im Januar 2016 endgültig.

Unterbringung im "Guantánamo von New York"

Seit den 1990er-Jahren wollten die USA die Auslieferung von Guzmán, genannt "El Chapo", aber auch "El Rapido" oder "Shorty", der "Kurze". In der 33 Seiten umfassenden Anklageschrift, die Staatsanwalt Robert L. Capers vorlegt, heißt es, "Guzmans zerstörerischer und mörderischer Aufstieg als ein internationaler Drogenhändler entspricht dem von einem kleinen Tumor hin zu einem Flächenbrand".

Fast zwei Jahre ist das her. Seitdem sitzt "El Chapo" im so genannten "Guantánamo von New York", dem Hochsicherheitsgefängnis nur wenige Schritte von der Brooklyn Bridge entfernt. Die wurde regelmäßig gesperrt, damit der Angeklagte zu Anhörungen vor Gericht in den Nachbarstadtteil gebracht werden konnte. Polizei- und Rettungswagen, Spezialeinheiten und Hubschrauber sollten keine Schlupflöcher für den Ausbrecherkönig lassen.

"Self-Made-Man" und Familienmensch?

Eine Vorverurteilung sei das, beklagten Guzmáns Anwälte und wollten eine Prozessverlegung. Sie beklagten auch die Haftbedingungen. Und sie beklagten schließlich mangelnde Zeit für die Vorbereitung auf den aktenschweren Fall.

"Er war nur bis zur dritten Klasse in der Schule", sagt sein Verteidiger William Purpura der Zeitung "Baltimore Sun" über seinen außergewöhnlichen Klienten. "Ein Self-Made-Man. Er sagt selbst, er war 'im Geschäft' - aber das ist lange her. Er ist Vater von zwei kleinen Kinder, unkompliziert im Umgang, intelligent. Daran gewöhnt, dass die Leute ihm zuhören."

Zwölf Geschworene aus bis zu 1000 Kandidaten

Zuhören und dann grausamste Straftaten begehen - so sehen es jedenfalls die Ankläger. Zugleich hat Richter Brian Cogan klar gemacht, in Brooklyn gehe es um einen Drogenfall, der auch Mord beinhalte. Nicht umgekehrt. Belege für mehr als 30 Verschwörungen zu Morden will dagegen die Staatsanwaltschaft haben. Fraglich ist, wie viel der Richter davon im Prozessverlauf zulässt.

Im Fall einer Verurteilung drohe "El Chapo" zwingend lebenslänglich, sagt Staatsanwalt Capers. "Sein Leben steht ausschließlich für Kriminalität, Gewalt, Tod und Zerstörung. Jetzt bekommt er die Antwort darauf."

Die Eröffnungsplädoyers sind für den 13. November angesetzt. Die Geschworen sollen zum Schutz ihrer eigenen Sicherheit während des Prozesses anonym bleiben, so hat Richter Cogan entschieden. Heute beginnt vorerst "nur" die Auswahl der Geschworenen aus immerhin 800 bis 1000 Kandidaten. Ein kleiner Vorgeschmack, nicht nur auf einen Angeklagten wie keinen anderen, sondern auch auf einen Prozess wie keinen anderen.

Höchste Sicherheitsstufe: Auswahl der Geschworenen im Fall "El Chapo" beginnt
Kai Clement, ARD New York
05.11.2018 08:03 Uhr

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