Wladimir Putin

Russischer Präsident Putin Rede an die Nation - und gegen die Türkei

Stand: 03.12.2015 15:04 Uhr

Russlands Präsident Putin hat die Türkei erneut scharf kritisiert. In seiner Rede an die Nation warf er Erdogan erneut vor, Geschäfte mit dem IS zu machen. Zugleich drohte er, Ankara werde den Abschuss eines russischen Jets noch "bereuen".

Von Hermann Krause, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Bei früheren Reden zur Lage der Nation stand die innenpolitische Lage in Russland immer im Vordergrund - doch diesmal war alles anders. Gleich zu Beginn erhob Wladimir Putin schwere Vorwürfe gegen die Türkei und bezichtigte Ankara, den internationalen Terrorismus zu unterstützen.

"Wir wissen, wer sich in der Türkei die Taschen vollstopft mit dem aus Syrien geschmuggelten Öl", so der russische Präsident. "Mit diesem Geld werben die Terroristen Söldner an, kaufen Waffen und führen Anschlage durch, gegen die Menschen in Frankreich, im Libanon, Mali oder anderen Ländern."

Kritik an türkischer Regierung

Das türkische Volk bezeichnete er als gutmütig und arbeitsfreudig, man dürfe es nicht mit der jetzigen Regierung gleichstellen. Diese Regierung trage die volle Verantwortung für den Tod russischer Soldaten in Syrien. Verrat habe Russland schon immer als beschämend betrachtet, so die scharfen Worte des Präsidenten.

Putin sprach vor beiden Kammern des Parlaments im Kreml, mehrfach applaudierten die Abgeordneten und Gäste im Georgssaal, besonders als er sagte: "Und gerade Allah hat sich entschieden die türkische Clique zu bestrafen, indem er ihnen den Verstand und die Vernunft nahm." Russland habe nicht vor, militärisch zu reagieren, aber wenn die Türkei glaube, sie komme mit ein paar sanktionierten Tomaten und Gemüse und Beschränkungen im Baubereich davon, dann irre sich Ankara.

Vorwürfe an den Westen

Wladimir Putin hält seine Rede zur Lage der Nation
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Putin sprach vor gut 1000 ausgewählten Zuhörern. Die Rede wurde live im Fernsehen übertragen.

Begonnen hatte Putin mit einer Schweigeminute, in Erinnerung an die in Syrien Gefallenen; die Witwe des erschossenen Piloten war ebenfalls anwesend. Indirekt richtete er aber auch Vorwürfe an die USA, ohne die allerdings beim Namen zu nennen. Sie - gemeint war der Westen - hätten die Schwierigkeiten selbst verursacht, indem sie den Staat in den betroffenen Ländern - gemeint waren Irak und Syrien - zerstört und so dem Terrorismus den Nährboden bereitet hätten.

"Eine besondere Gefahr geht von den Kämpfern in Syrien aus", so Putin weiter. "Deshalb habe ich den Militäreinsatz auf Bitte der legitimen Regierung Syriens gestartet. In Syrien kämpfen unsere Streitkräfte von allem für Russland, für die Sicherheit unserer Bürger."

Ukraine kein Thema

Die Krim erwähnte Putin nur ganz am Schluss, die Ukraine, die in vorherigen Reden stets von ihm verurteilt worden war, überhaupt nicht. Am Ende zitierte Putin den Chemiker Dimitri Mendelejew, der vor ca.100 Jahren gesagt hatte, die Stärke Russlands sei "der Zusammenhalt, die Armee, die Familie, der innere Reichtum und die Friedfertigkeit". Worte, die auch heute für Russland besondere Gültigkeit haben.

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