Putin

Fernsehsprechstunde mit Putin Ukraine, Wirtschaft und eine Anekdote

Stand: 16.04.2015 18:08 Uhr

Einmal im Jahr lädt Russlands Präsident Putin zur Fernsehsprechstunde: Vier Stunden stellte er sich den Fragen der Nation - und verbreitete viel Optimismus. Von russischen Soldaten in der Ukraine wollte er nichts wissen. Und dann gab es noch eine Anekdote.

Von Hermann Krause, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Es war wieder einmal eine Veranstaltung der Superlative: zwei Millionen Telefonanfragen, eine Million SMS an Wladimir Putin. Zuerst  noch sichtlich angestrengt, entwickelte der Präsident dann sein Redetalent und zeichnete ein rosiges Bild von der wirtschaftlichen Situation Russlands. Der Tiefpunkt sei überstanden, die verhängten Sanktionen des Westens hätten die Selbstheilungskräfte Russlands geweckt. "Ich habe unseren Unternehmern gesagt, dass die Sanktionen bleiben. Mit den Ereignissen in der Ukraine haben sie nichts zu tun. Es ist eine politische Entscheidung gegen Russland. Aber wir werden sie nutzen. Vieles hängt jetzt von uns ab."

Die Bauern, die dann per Video-Konferenz aus Sibirien zugeschaltet wurden, zeigten ein Stück russische Realität. Im Dreck stehend erklärten sie, dass sie für ihre Milch nicht einmal die Produktionskosten erhielten. Rentner schilderten, dass ihre Pension nicht mehr reichte, andere klagten, über ständig steigende Preise. Eine Frau, die bei den Waldbränden in Sibirien ihr Haus verloren hatte, weinte bitterlich - und Putin versprach Hilfe.

Das wichtigste außenpolitisches Thema war natürlich die Ukraine. "Zu der Frage, ob unsere Truppen in der Ukraine stehen, kann ich hier direkt und offen sagen: Es gibt keine russische Armee  in Ukraine. Das hat auch der Chef des ukrainischen Generalstabs bestätigt. Was soll ich noch hinzufügen?" Scharf kritisierte Putin, dass in den umkämpften Städten Donezk und Lugansk Menschen isoliert seien. Dort lebten Rentner, die Anspruch auf ihre Rente hätten, aber diese nicht bekämen.

Dennoch fiel auf, dass sich der Präsident zurückhielt mit Angriffen gegen die Regierung in Kiew und auch gegen den Westen. Russland sei eine Atommacht und betrachte niemanden als seinen Feind, umgekehrt empfehle er dies aber auch keinem Land.

Russlands Partner

Auf die Frage, warum er persönlich die Lieferung eines umstrittenen Raketensystems an den Iran genehmigt habe, antwortete er: Die Raketen stünden nicht auf der Sanktionsliste. "Wir verstoßen also nicht gegen UN-Sanktionen. Aber natürlich werden wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten."

Als Verbündete bezeichnete Putin aber nicht Europa und die USA, sondern die Brics-Staaten, also Brasilien, Indien, China und Südafrika.

Die Themen von Putins Fernsehsprechstunde wechselten laufend, plötzlich ging es um den ermordeten Boris Nemzow. "Ich halte so einen Mord für eine absolute Schande", betonte Putin. "Was die Ermittlungen betrifft: Die Behörden arbeiteten bisher schnell und effektiv. Ob es Auftraggeber gibt, wird sich im Laufe der Ermittlungen feststellen lassen."

Am Ende dann war Zeit für eine Anekdote: Er sei mit dem deutschen Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder einmal in der Sauna gewesen, als ein Feuer ausbrach. "Er hatte sich gerade ein Bier eingeschenkt", erzählte Putin. "Ich sagte: 'Gerd wir müssen raus.' Er antwortete: 'Ich trinke erst mein Bier aus, dann gehen wir.' Er ist eben ein Mann mit Charakter."

Darstellung: