Die Air Force One startet von Hanoi. | Bildquelle: AP

US-Reaktionen auf Gipfel Taktische Fehler auf beiden Seiten

Stand: 22.03.2019 12:28 Uhr

Nach dem gescheiterten Gipfel in Hanoi spekulieren Kommentatoren in den USA darüber, welche Seite die größeren taktischen Fehler machte. Politiker warnen: Die Gefahr aus Nordkorea sei nicht gebannt.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

In Washington haben Politiker vor allem mit Erleichterung auf die Nachrichten aus Hanoi reagiert. Es ist die Erleichterung darüber, dass US-Präsident Donald Trump nicht darauf bestanden hat, ein Abkommen mit Nordkorea zu unterzeichnen.

Die frühere Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice sagte im Radiosender NPR, es sei richtig gewesen, die Gespräche ohne Ergebnis zu beenden. Nordkoreas Diktator habe verlangt, dass die USA alle Sanktionen aufheben solle - ohne auf sein Atomprogramm komplett zu verzichten. "Offenbar ist man auf Arbeitsebene nicht übereingekommen", sagte sie, "aber wenn die politischen Führer unter den Augen der Weltöffentlichkeit scheitern, ist es schwer, die Scherben wieder zu kitten."

Fehlte dem Präsidenten die Geduld?

Traditionell bereiten Diplomaten über Wochen eine Gipfelerklärung vor, bevor es zu einem Treffen kommt. Dafür fehlte dem Präsidenten offenbar die Geduld. Er glaubte, dass ein Durchbruch durch persönliche Beziehungen gelingt, schreibt Nicolas Kristof in der "New York Times". Und Trump wurde einmal mehr enttäuscht.

Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, und Donald Trump, Präsident der USA, machen während ihres Treffens einen Spaziergang. | Bildquelle: dpa
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Unvorbereitet zum Gipfel?: Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, und Donald Trump, Präsident der USA,

Einige Kommentatoren bemerken auch, dass Trump nach der Aussage seines früheren Anwalts Michael Cohen im US-Kongress öffentlich weiter unter Druck geraten sei. Cohen sagte aus, dass Trump zum Beispiel noch während des Wahlkampfes 2016 Geschäftsinteressen in Russland verfolgt habe. In dieser Situation hätte der Präsident versuchen können, mit einem außenpolitischen Erfolg davon abzulenken.

Unvorbereitet nach Vietnam?

Jetzt gibt es keine Einigung bei der Abrüstung, bei Sanktionen oder einer Erklärung zum Ende des Koreakrieges. Das vorzeitige Ende des Gipfels, sorgt in den USA aber für ebenso große Schlagzeilen. Spekuliert wird, dass auch die nordkoreanische Seite unvorbereitet nach Vietnam gereist war, weil Diktator Kim glaubte, er könne den US-Präsidenten, wie zuvor in Singapur zu Zugeständnissen überreden. Die Taktik wäre dann ebenso wenig aufgegangen.

Politiker in Washington betonen, dass noch nicht alles verloren sei: Nordkorea will offenbar weiter auf Tests ballistischer Waffen verzichten. Aber das bedeute nicht, dass Kim sein Atomprogramm einfriert, sagt Rice. "Sie stellen weiter spaltbares Material her. Sie erweitern ihr nukleares Arsenal oder zumindest das Material dazu. Und sie forschen weiter an ihrem ballistischen Raketenprogramm", sagt sie. "Die Gefahr bleibt bestehen." 

US-Präsident Trump könnte nach der Rückkehr aus Hanoi trotzdem versucht sein, den Gipfel als Erfolg zu verkaufen. Er habe nie Angst gehabt, kurz vor einem Abkommen den Verhandlungstisch zu verlassen, ist einer seiner Markensätze. Sein abrupter Aufbruch in Vietnam müsste nun Druck entfalten, um Nordkoreas Diktator Kim zum Einlenken zu bewegen. Es ist völlig unklar, ob das gelingt.

Hanoi-Gipfel gescheitert - erste Reaktionen aus Washington
Torsten Teichmann, ARD Washington
28.02.2019 17:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Februar 2019 um 12:00 Uhr und um 17:00 Uhr.

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