Ein Laborarbeiter arbeitet an "Remdesivir" bei Eva Pharma in Kairo Ägypten | Bildquelle: REUTERS

Corona-Mittel Remdesivir erhält Zulassung in Europa

Stand: 03.07.2020 13:06 Uhr

Bislang gibt es gegen das Coronavirus keinen Impfstoff und kein zugelassenes Medikament. Nun hat die EU-Kommission einem vielversprechenden Wirkstoff unter Auflagen die Zulassung für den europäischen Markt erteilt.

Der Wirkstoff Remdesivir wird in Europa unter Auflagen als erstes Mittel zur Therapie von Covid-19 zugelassen. Das gab die EU-Kommission bekannt. Es gehe darum, "einen ungedeckten medizinischen Bedarf" im Zusammenhang mit der Pandemie zu decken.

"Die heutige Zulassung eines ersten Medikaments zur Behandlung von Covid-19 ist ein wichtiger Fortschritt im Kampf gegen das Virus", erklärte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Die Zulassung sei im Schnellverfahren weniger als einen Monat nach dem Antrag ergangen.

Wirkstoff kann Covid-19-Verlauf mildern

Remdesivir gilt als eines von wenigen wirksamen Mitteln bei der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA empfiehlt die Behandlung für Patienten ab zwölf Jahren, die eine Lungenentzündung haben und mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden müssen. Das Mittel wird per Infusion verabreicht und hemmt ein Enzym der Viren, das für deren Vermehrung nötig ist. Remdesivir wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt, zeigte hier aber eine zu geringe Wirkung.

Wettstreit um Produktionsmengen

Ärzte sehen Remdesivir auch bei Covid-19 nicht als Allheilmittel, wohl aber als Lichtblick für Patienten. Eine internationale Studie mit mehr als 1000 Teilnehmern hatte Ende April gezeigt, dass Remdesivir bei Corona-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier Tage verkürzen kann - von 15 auf 11 Tage. Die USA hatten bereits Anfang Mai eine Ausnahmegenehmigung für den begrenzten Einsatz des Wirkstoffes in Krankenhäusern erteilt. Auch in Deutschland war das Mittel bislang schon innerhalb eines Arzneimittel-Härtefallprogrammes zugänglich und wurde in klinischen Studien getestet.

Um die Wirksamkeit und Sicherheit von Remdesivir besser belegen zu können, muss der US-Hersteller Gilead Sciences bis Dezember die Abschlussberichte der Remdesivir-Studien bei der EMA einreichen.

Ringen um Impf-Dosen

Längst ringen viele Staaten um ausreichende Mengen des Arzneimittels. Die US-Regierung hatte diese Woche eine Vereinbarung mit dem Hersteller Gilead Sciences bekannt gemacht, wonach sie praktisch die gesamte Produktionsmenge des Mittels für die nächsten Monate aufgekauft hat.

Allerdings haben einige weitere Länder, zum Beispiel Deutschland, bereits Vorräte angelegt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte am Donnerstag, der Bedarf für die kommenden Wochen sei gesichert. In der Zentralapotheke des Bundes gebe es entsprechende Reserven. Spahn forderte vom Hersteller des Medikaments aber trotz des Großeinkaufs der USA weiterhin Lieferfähigkeit. Er erwarte von Gilead, "dass Deutschland und Europa versorgt werden, wenn es um ein solches Medikament geht", sagte der CDU-Politiker im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Die EU-Kommission verhandelt ebenfalls mit dem Hersteller, um sich ausreichende Mengen des Wirkstoffs zu sichern. Der CDU-Europapolitiker Peter Liese betonte, Bedingung für die Zulassung in Europa sei, dass der Hersteller auch nach Europa liefere. Eine mögliche Lösung für Engpässe wäre, dass Gilead seine Kenntnisse mit anderen Herstellern teile und diese gegen Lizenzgebühren produzieren lasse. Auch damit könne Gilead sehr viel Geld verdienen, sagte Liese.

Mit Informationen von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Juli 2020 um 13:00 Uhr im Mittagsmagazin.

Darstellung: