Ein Demonstrant in Minneapolis | Bildquelle: REUTERS

Polizeigewalt in den USA "Das muss aufhören"

Stand: 30.05.2020 08:54 Uhr

Es ist nicht nur die Wut über den Tod von George Floyd, die die Demonstranten auf die Straße treibt. Es ist auch die Wut über die alltägliche Diskriminierung von Schwarzen in den USA.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington, z. Zt. Minneapolis

Minneapolis am späten Nachmittag Ortszeit. Den ganzen Tag schon demonstrieren wieder Menschen. Friedlich, laut. Dass George Floyd mit dem Knie eines Polizisten auf dem Hals starb, war zu viel. "Hast Du jemals ein Video mit einem Weißen gesehen, dem jemand auf dem Hals kniet?", fragt eine Teilnehmerin.

Die Straße ist abgesperrt - hier hat in der Nacht zuvor die Polizeistation gebrannt. Geblieben ist ein schwarzes, noch immer leicht rauchendes Gerippe. "Ich war damit nicht so ganz einverstanden, aber ich kann es verstehen", so einer der Teilnehmer. "Das muss aufhören. Und wenn einer im Gefängnis sitzt, dann werden die anderen freigelassen. Darum sind wir hier", ergänzt er mit Blick auf das Verhalten der Polizei. "Das sind nicht wir, wir sind friedliche Demonstranten. Die Kräfte von draußen machen uns gewalttätig", sagt eine Demonstrantin zu den Krawallen.

Ausschreitungen in der Nacht

Tagsüber bleibt es meistens friedlich. Ein Kamerateam wird kurzzeitig verhaftet, dann wieder frei gelassen. Schwarze, Weiße, Latinos demonstrieren gemeinsam. Es gibt kostenlose Lebensmittel zum Mitnehmen.

In der Nacht aber brennt eine Tankstelle, gehen Autos in Flammen auf. Auf der anderen Seite: Bewaffnete Staatspolizisten. Männer und Frauen mit kurzen Ärmeln, aber deutlich sichtbaren kugelsicheren Westen, Gewehr im Anschlag. In Reih und Glied stehen sie, schauen nach vor, niemand spricht, keine Regung, auch wenn Demonstranten sie provozieren wollen.

Weiter hinten auf der Straße ist die Nationalgarde aufgefahren. Ihre wüstensandbraunen Panzerwagen versperren die Straße. Die Soldaten selbst: eher gelangweilt. "Man muss für das kämpfen, woran man glaubt, für das kämpfen, was richtig ist", erklärt einer der Teilnehmer.

Verhaftung brachte keine Beruhigung

Der Gouverneur hat für den Abend eine Ausgangssperre verhängt. Will so neue Ausbrüche von Gewalt verhindern. Am Nachmittag ist einer der beteiligten Polizisten verhaftet worden. Die gewünschte Beruhigung hat das noch nicht gebracht: "Die, die uns umbringen, werden freigesprochen", klagt ein Demonstrant.  

Das ist eine der Forderungen: Gerechtigkeit, dass die Polizisten vor Gericht gestellt werden. Und das kann nur der erste Schritt sein. Endlich zuhören. Endlich das hören, was so oft gesagt worden ist.

 "Jeden Tag spürst Du doch, welche Hautfarbe du hast. Sagen sie. Du bekommst die schlechteren Schulen, die schlechteren Krankenhäuser, und die Polizei hält dich an, weil du schwarz bist. Das muss aufhören."

Demonstrationen in Minneapolis - Eine Reportage
Arthur Landwehr, ARD Washington
30.05.2020 07:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Mai 2020 um 07:07 Uhr, 08:45 Uhr und 10:07 Uhr.

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