Angehörige der Rohingya nach ihrer Ankunft in der Provinz Aceh | Bildquelle: AFP

Rohingya erreichen Indonesien Monatelange Irrfahrt auf See

Stand: 07.09.2020 13:52 Uhr

Ein halbes Jahr waren die etwa 300 Rohingya-Flüchtlinge nach eigenen Angaben in ihrem Boot unterwegs - bis sie nun in Indonesien an Land gehen konnten. In Malaysia und Thailand seien sie zuvor abgewiesen worden.

Etwa 300 Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar sind nach Monaten auf See auf der indonesischen Insel Sumatra angekommen. Einheimische halfen ihnen nahe der Stadt Lhokseumawe an der Nordküste an Land zu gehen, wie der Vorsteher des Dorfes Ujong Blang, Munir Cut Ali, berichtete. 

Es handelt sich um eine der bislang größten Gruppen der in Myanmar verfolgten muslimischen Rohingya, die über das Meer nach Indonesien gelangte. Die Flüchtlingsgruppe besteht nach Alis Angaben aus 102 Männern, 181 Frauen und 14 Kindern.

Ursprüngliches Ziel: Malaysia

Eigentlich hätten sie nach Malaysia gewollt, seien stattdessen aber mit ihrem Boot in der streng muslimischen, indonesischen Provinz Aceh gelandet, so der Chef des örtlichen Roten Kreuzes. Nach eigenen Angaben seien sie vor einem halben Jahr in Bangladesch aufgebrochen. "Sie sind schwach und einige von ihnen sind krank."

Die Menschen seien zunächst in provisorischen Unterkünften in Lhokseumawe untergebracht worden. Zudem wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation "Human Initiative" Corona-Schnelltests durchgeführt.

Anwohner stehen neben einem Boot, mit dem Angehörige der Rohingya in der Provinz Aceh ankamen | Bildquelle: dpa
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In diesem Holzboot erreichten die Flüchtlinge die indonesische Küste.

Von mehreren Ländern abgewiesen

Wie Chris Lewa, Chefin der Hilfsorganisation "Arakan Project", berichtete, waren die Geflüchteten zuvor von den Behörden in Malaysia und Thailand abgewiesen worden - wegen der Corona-Pandemie hätten die Länder ihre Grenzen dicht gemacht.

Das Flüchlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, teilte mit, dass mehr als 30 Mitglieder der Gruppe auf See gestorben seien. Die "kollektiv mangelnde Bereitschaft" verschiedener Staaten, die Rohingya aufzunehmen, habe deren Leidensweg dramatisch verlängert, so der UNHCR-Direktor für die Region Asien-Pazifik, Indrika Ratwatte. "Die Gruppe hat über einen Zeitraum von mehr als 200 Tagen auf See wiederholt versucht, irgendwo von Bord zu gehen - ohne Erfolg."

Immer wieder kommen Rohingya nach Aceh

Im selben Gebiet an der Küste von Sumatra war bereits im Juni eine Gruppe von etwa 100 Rohingya-Flüchtlingen an Land gegangen. Nach ihren eigenen Angaben hatten diese Flüchtlinge - überwiegend Frauen und Kinder - eine viermonatige gefährliche Reise über das Meer hinter sich, während der sie von Menschenhändlern geschlagen worden waren und ihren eigenen Urin trinken mussten, um zu überleben.

Diese Menschen waren nach ihren Angaben ebenfalls aus einem Lager in Bangladesch geflüchtet - und auch sie waren nicht die ersten. In den vergangenen Jahren erreichten Tausende Rohingya Aceh, weil ihre Boote auf dem Weg nach Malaysia und anderen Ländern der Region vom Kurs abgekommen waren oder dort abgewiesen wurden.

Ursprünglich ist Bangladesch das Hauptzielland fliehender Rohingya. Inzwischen leben dort etwa eine Million unter verheerenden Bedingungen in Lagern, weil sie vor Gewalt aus dem Nachbarland Myanmar geflüchtet sind.

Seit Jahrzehnten verfolgt

Im früheren Birma werden die Rohingya seit Jahrzehnten verfolgt und diskriminiert, viele verloren durch ein 1982 erlassenes Gesetz die Staatsbürgerschaft und sind staatenlos. Die UN bezeichnen die Verfolgung der Minderheit als Völkermord. Das Militär von Myanmar und die Regierung unter der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi stehen wegen der Verfolgung international in der Kritik.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. September 2020 um 09:00 Uhr.

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