100. Geburtstag der US-Bürgerrechtlerin Rosa Parks - die Frau im Bus

Stand: 08.03.2019 13:03 Uhr

Es war einer der entscheidenden Momente in der US-Bürgerrechtsbewegung: 1955 weigerte sich Rosa Parks, im Bus Platz für einen Weißen zu machen. Es folgten ihre Verhaftung - und eine Protestwelle, die bis an die Stufen des Obersten Gerichtshof schwappte. Heute wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Von Timo Fuchs, SR-Hörfunkstudio Washington

Auch Busse zeigen Rosa Parks schon als Kind, dass es eine schwarze und eine weiße Welt gibt. Zur Grundschule in Alabama werden nur die weißen Kinder gefahren - die kleine Rosa muss laufen.

Auch noch Jahrzehnte später sorgt die Rassentrennung in den Bussen dafür, dass Rosa Parks für weiße Mitfahrer Platz zu machen hat - aber am 1. Dezember 1955 tut sie das nicht mehr. Die 42-Jährige fährt in Montgomery von der Arbeit nach Hause, der Bus füllt sich und alle Plätze für Weiße sind besetzt. Als weitere Weiße einstiegen, weigert sich Rosa Parks aufzustehen. Sie erinnert sich später wie Polizisten kommen, um sie festzunehmen. "Warum schubsen Sie uns so herum?", habe sie einen Beamten gefragt. "Ich weiß es nicht", habe der geantwortet, "aber Gesetz ist nun mal Gesetz. Sie sind verhaftet."

Rosa Parks auf einem für Weiße reservierten Platz in einem Bus in Montgomery | Bildquelle: picture alliance / AP Images
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Ein Busprotest, der die USA veränderte: Rosa Parks in einem Bus in Montgomery (Archiv)

Polizeifoto von Rosa Parks nach ihrer Verhaftung | Bildquelle: picture alliance / United Archiv
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Polizeifoto von Rosa Parks nach ihrer Verhaftung am 22. Februar 1956

"Ich hatte keine Ahnung, was ich auslösen würde"

Parks ist nicht die erste Schwarze, die auf diese Weise protestiert. Aber sie ist aktiv in der NAACP, einer Vereinigung für die Bürgerrechte der Afro-Amerikaner. Und dort begreift man schnell, dass Rosa Parks mit ihrem unbescholtenen Ruf die Richtige ist, um den Fall an die große Glocke zu hängen. "In dem Moment als ich verhaftet wurde, hatte ich keine Ahnung was ich auslösen würde", sagt sie später.

Nach einem Tag kommt sie auf Kaution wieder frei, drei weitere Tage später steht ihre Verhandlung vor Gericht an. Bis dahin druckt die NAACP Zehntausende von Pamphleten und ruft in Kirchen der Schwarzen dazu auf, Busse zu boykottieren. 75 Prozent der Passagiere sind Afro-Amerikaner und so bleiben die Fahrzeuge am Tag der Gerichtsverhandlung praktisch leer.

Ein Charismatiker mit einem Traum

Der Protest wird strategisch organisiert. Nach dem Erfolg des Boykott-Aufrufs gründen die Aktivisten eine neue Struktur: die Vereinigung für die Verbesserung Montgomerys. An ihre Spitze wählen sie einen Neuling in der Stadt, einen jungen Pastor namens Martin Luther King.

Der charismatische Mann wird in den nächsten Jahren Hunderttausende zur Protestbewegung bringen für seinen "Traum", eines Tages "wirklich gleich und frei zu sein".

US-Präsident Barack Obama sitzt im April 2012 im berühmten Rosa-Parks-Bus im Henry Ford Museum in Dearborn, Michigan.
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US-Präsident Barack Obama sitzt im April 2012 im berühmten Rosa-Parks-Bus im Henry Ford Museum in Dearborn, Michigan.

Juristischer Sieg, persönliche Schwierigkeiten

Der Bus-Boykott war ursprünglich nur für einen Tag geplant, tatsächlich hält er über ein Jahr. Noch wichtiger als der finanzielle Druck auf die Busgesellschaft ist der juristische, denn der Fall bringt verschiedene Klagen ins Rollen und am Ende entscheidet der Oberste Gerichtshof der USA, dass die Rassentrennung im Nahverkehr aufgehoben werden muss.

Rosa Parks allerdings hat von diesem Zeitpunkt an große Probleme, einen Arbeitsplatz zu finden. Diesen Preis muss sie für ihren Status als Ikone der Bürgerrechtsbewegung zahlen. Der Bewegung bleibt sie ihr Leben lang treu, bis sie 2005 mit 92 Jahren stirbt.

Zweifellos hat der erste schwarze Präsident der USA Rosa Parks viel zu verdanken. Im vergangenen Jahr setzte sich Barack Obama im Museum in den Bus, in dem alles begann. Und der mächtigste Mann der Welt erkannte an: "Es braucht die einfachen Bürger, um den Wandel herbeizuführen."

Dieser Beitrag lief am 4. Februar 2013 um 11:38 Uhr auf NDR Info.

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