Charles Michel, Abiy Ahmed und Jean-Claude Juncker nehmen an der Gedenkfeier zum 25. Jahrestag des Völkermords in Ruanda teil. | Bildquelle: REUTERS

25 Jahre nach dem Genozid Ruanda erinnert an den Horror

Stand: 07.04.2019 12:52 Uhr

Mehr als 800.000 Menschen kamen ums Leben - heute wird der Opfer gedacht: In Ruanda erinnern die Menschen an den Völkermord vor 25 Jahren. Eine Augenzeugin von damals übergab schockierende Fotos.

In Ruanda haben die Gedenkveranstaltungen zum 25. Jahrestag des Völkermords begonnen. Daran nehmen in der Hauptstadt Kigali zahlreiche afrikanische Staats- und Regierungschefs teil. Deutschland wird durch Altbundespräsident Horst Köhler vertreten. Sie gedenken der mehr als 800.000 Toten des Genozids im Jahr 1994.

Am Völkermord-Denkmal von Gisozi entzündete Ruandas Präsident Paul Kagame eine Flamme - gemeinsam mit anderen Politikern wie EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Die große Gedenkfeier findet im Nationalstadion statt. Dorthin hatten sich vor 25 Jahren Tausende Menschen mit Hilfe der UN in Sicherheit gebracht. Mit den heutigen Veranstaltungen beginnt eine landesweite Gedenkwoche. Bis Juli gilt zudem Staatstrauer.

"Fotos der Opfer lügen nicht"

Die Journalistin Gunilla von Hall übergab unveröffentlichte Fotos des Völkermordes an das Justizministerium und die Gedenkstätte in Kigali. Die Schwedin hatte die Bilder nach eigenen Angaben im April 1994 gemacht. Sie habe sich für eine Reportage im benachbarten Tansania aufgehalten. Als sie treibende Leichen in einem Fluss gesehen habe, sei sie mit Begleitern nach Ruanda gefahren.

Dort habe sie in dem Ort Nyarubuye Hunderte verwesende Leichen entdeckt. "Es war die Hölle auf Erden", sagte Hall der Nachrichtenagentur epd. Viele Schädel hätten Löcher von Kugeln oder Machetenhieben aufgewiesen. "Die Leichenfelder waren das Schlimmste, das ich je gesehen habe", sagte die Journalistin.

Die Fotos der Leichen müssten den Menschen in Ruanda nun zugänglich gemacht werden und könnten auch bei der Identifizierung von Getöteten helfen. "Die Fotos mit den Opfern des Genozids lügen nicht".

"Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes"

"Der Völkermord in Ruanda muss eine Mahnung für zukünftige Generationen sein", hatte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) gesagt. Er sprach von einem "Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes". Extremisten der Hutu-Mehrheit hatten damals innerhalb von rund 100 Tagen mehr als 800.000 Angehörige der Tutsi-Minderheit und moderate Hutu getötet.

Frankreich plant einen eigenen Gedenktag zum Völkermord in Ruanda. Er soll künftig am 7. April begangen werden, wie es aus dem Élyséepalast hieß. Ruanda warf Frankreich mehrfach vor, durch die engen Kontakte zur damaligen Regierung eine aktive Rolle beim Völkermord gespielt zu haben. In einer Mitteilung sprach Präsident Emmanuel Macron dem ruandischen Volk seine Solidarität aus.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. April 2019 um 12:00 Uhr.

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