Ruanda 20 Jahre nach dem Völkermord

Ruanda 20 Jahre nach dem Völkermord Noch lange nicht versöhnt

Stand: 07.04.2014 05:08 Uhr

20 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda sind die Narben in dem ostafrikanischen Land noch nicht verheilt. Von einem langen Prozess spricht Präsident Kagame. Er selbst war lange der Liebling des Westens. Doch sein Saubermann-Image hat Kratzer bekommen.

Von Antje Diekhans, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

Präsident Paul Kagame schwingt den Spaten. An jedem letzten Samstag im Monat ist in Ruanda Großreinemachen angesagt. Die Straßen werden gefegt, Gräben gesäubert. Der staatlich verordnete Putztag heißt "Umuganda" - das bedeutet auf Kinyarwanda zusammenhalten. Doch stehen die Ruander 20 Jahre nach dem Völkermord wirklich wieder beiander?

"Das müssen die Leute selbst beantworten", sagt Kagame. "Ich glaube, der Zusammenhalt ist Teil ihres Lebens geworden. Oder zumindest sind sie auf dem Weg, wieder eins zu werden. Es ist ein langer Prozess."

Ruanda heute - Neuanfang nach dem Vökermord?
A. Diekhans, ARD Nairobi
06.04.2014 18:04 Uhr

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Der Präsident lächelt in die Kameras. So sieht er sich gern - als Mann, der anpackt. Kagame war lange Zeit der Liebling des Westens. Mit seiner Tutsi-Befreiungsarmee RPF hatte er 1994 den Völkermord beendet. Das brachte ihm viel Anerkennung ein - vor allem von den Politikern, die selbst im Nachhinein damit umgehen mussten, zu wenig unternommen zu haben.

Wirtschaftliche und soziale Erfolge

Ruandas Präsident Kagame
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Kritik hört Ruandas Präsident Kagame nicht gern. Lieber sieht er sich als Macher und Mann, der anpackt.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton ist bis heute ein häufiger Gast im Hause Kagame. "Ich habe die Verantwortung dafür übernommen, dass ich den Ruandern nicht geholfen habe", sagt Clinton. Daher seien es nicht Schuldgefühle, die ihn nach Ruanda trieben. "Es lässt sich einfach nicht übersehen, dass die wirtschaftlichen und sozialen Erfolge unter Kagame absolut erstaunlich sind."

Das Land verzeichnet Wachstumsquoten von bis zu acht Prozent. Kagames Regierung hat es geschafft, die Korruption so gut wie auszurotten. Das Gesundheitssystem wird für afrikanische Verhältnisse als vorbildlich bezeichnet. Die Schulbildung ist kostenlos. Das alles steht auf der Habenseite. Doch gleichzeitig beschwert sich die Opposition in Ruanda über Unterdrückung und Wahlmanipulationen. Die Presse wird kontrolliert.

Kagame schmettert jede Kritik an seinem Regierungsstil ab. "Wir in Ruanda sind mit unseren Leistungen zufrieden", sagte er kürzlich in einem Interview mit dem britischen Sender BBC. "Natürlich gibt es einzelne Kritiker. Aber soll ich wegen dieser paar Personen sagen, dass unser Land am Boden liegt?"

Unterstützung für Tutsi-Miliz im Ostkongo?

Tiefe Kratzer bekam das Saubermann-Image Kagames vor zwei Jahren, als ein UN-Bericht seiner Regierung vorwarf, eine Tutsi-Miliz im Ostkongo zu unterstützen. Die so genannte M23 plünderte, mordete und terrorisierte die Bevölkerung im Nachbarland. Einige westliche Länder, darunter auch Deutschland, stellten ihre Hilfen für Ruanda wegen des Berichts ein oder reduzierten sie.

Kagame wies wieder alle Beschuldigungen von sich. "Wir haben damit überhaupt nichts zu tun. Wir liefern den M23 keine Waffen. Das hätte ja auch gar keinen Sinn. Denn unsere Beziehungen zum Kongo waren vor all diesen Ereignissen sehr gut."

Die M23 hat sich inzwischen offiziell aufgelöst. Doch in einem neuen UN-Bericht heißt es, dass schon wieder Kämpfer für eine Tutsi-Miliz im Ostkongo rekrutiert werden. Zwanzig Jahre nach dem Völkermord scheint der Konflikt nicht beendet - er hat sich nur verlagert.

Dieser Beitrag lief am 07. April 2014 um 06:27 Uhr im Deutschlandfunk.

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