Bei einer Demonstration in Valletta halten Menschen das Porträt der ermordeten Journalistin Daphne Caruana Galizia in die Höhe. | Bildquelle: REUTERS

Nach Mord an Journalistin Rücktritte im Stundentakt

Stand: 26.11.2019 12:10 Uhr

In Malta überschlagen sich die Ereignisse. Zwei Jahre nach dem Mord an einer Journalistin trat erst der Büroleiter von Premier Muscat zurück, Stunden später auch der Tourismus- und der Wirtschaftminister.

In Zusammenhang mit dem Mord an der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia ist nun auch der Tourismusminister des Landes, Konrad Mizzi, zurückgetreten. Er bestritt aber eine Verwicklung in den Fall. Zudem entband sich Wirtschaftsminister Chris Cardona selbst von seinen Aufgaben, bis die Vorwürfe gegen ihn geklärt seien.

Cardona ließ erklären, er habe "absolut keine Verbindung mit dem Fall. Da die Polizei aber weiteren Klärungsbedarf sieht, betrachte ich es als meine Pflicht, im nationalen Interesse diesen Schritt zu tun."

Zuvor war bereits der Büroleiter von Maltas Regierungschef Joseph Muscat, Keith Schembri, zurückgetreten. Das teilte der Premierminister selbst mit.

Schembri soll Ermittlerkreisen zufolge von der Polizei verhört werden, weil sein Name in Verbindung mit einem Hauptverdächtigen in dem Mordfall genannt wurde. Die Ermittler versuchen derzeit unter Hochdruck, den Drahtzieher des Mordanschlags auf die Journalistin ausfindig zu machen.

Am Freitag war auch Wirtschaftsminister Cardona von der Polizei vernommen worden.

Schmiergeld-Vorwürfe um "17 Black"

Die 53-jährige Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 bei einem Bombenanschlag getötet worden - ein Vorfall, der europaweit Erschütterung ausgelöst hatte. Die Journalistin hatte regelmäßig über Korruption, Geldwäsche, Vetternwirtschaft und andere illegale Geschäfte in Malta berichtet. In manche der Skandale waren auch Mitglieder der Regierung verwickelt.

Erst vergangene Woche war der Geschäftsmann Yorgen Fenech auf seiner Jacht vor der Küste Maltas festgenommen worden. Er ist Mitbesitzer unter anderem des Energieunternehmens Electrogas und Besitzer der in Dubai ansässigen Firma "17 Black", über die Caruana Galizia vor ihrem Tod berichtet hatte. Der Journalistin zufolge stand die Firma in Beziehung zu maltesischen Politikern.

Caruana Galizias Recherchen zeigten: Über Briefkasten-Firmen sollten Muscats Stabschef Schembri und der damalige Energie- und heutige Tourismusminister Konrad Mizzi offenbar monatliche Zahlungen in Höhe von 150.000 Euro erhalten - und zwar von "17 Black". Beide Männer bestreiten, jemals Geld von "17 Black" kassiert zu haben.

Muscats Rücktritt gefordert

Die Regierung des kleinsten EU-Landes gerät wegen des Falls zunehmend unter Druck. Der Enthüllungsjournalist Manuel Delia forderte das maltesische Parlament auf, Muscat abzusetzen. "Feuert Joseph Muscat. Heuert einen neuen Premierminister an", schrieb Delia in seinem Blog.

Die Familie der Ermordeten schloss sich den Rücktrittsforderungen an. "Joseph Muscat garantierte den Männern, die die Mörder meiner Mutter anheuerten, Straffreiheit wegen Korruption. Jetzt hält er die Schlüssel zur Gerechtigkeit. Er sollte sie jemand anderem geben", schrieb Daphnes Sohn Andrew auf Twitter.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2019 um 11:30 Uhr in den Nachrichten.

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