Das Maschinengewehr AK47 wurde als metallischer Anhänger einer Kette nachgebildet. | Bildquelle: AFP

Verdachtsmomente Sind russische Söldner in Libyen?

Stand: 21.01.2020 14:44 Uhr

Die Libyen-Konferenz gilt auch in Russland als Erfolg. Aber was ist mit den russischen Söldnern, von denen immer wieder behauptet wird, sie kämpften im libyschen Bürgerkrieg? Eine Spurensuche.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte kürzlich von rund 2000 russischen Söldnern gesprochen, die in Libyen an der Seite von General Chalifa Haftar aktiv seien. Vertreter der international anerkannten Regierung unter Premierminister Fayez al-Sarraj gehen von 600 bis 800 russischen Kämpfern aus, die zur sogenannten "Wagner-Truppe" gehören sollen.  

Russisches Gesetz verbietet Privatarmeen

Die russische Führung ihrerseits bestreitet jedweden Einsatz von russischen Söldnern. Und das aus gutem Grund: Die russische Gesetzgebung verbietet Privatarmeen. Auf Söldnertum stehen hohe Haftstrafen. Und so verwundert es nicht, dass Präsident Wladimir Putin im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel unlängst klarstellte:

"Wenn es dort russische Bürger gibt, dann vertreten sie keine Interessen des russischen Staates. Und sie bekommen auch kein Geld vom russischen Staat."

Von Bodenschätzen bis zu militärischer Ausbildung

Das alles heiße nun aber nicht, dass sich nicht doch Angehörige der "Wagner-Truppe" in Libyen aufhalten könnten, meinen russische Experten. Denn "Wagner" gilt als privates Sicherheitsunternehmen, das auf eigene Rechnung und, wie gern betont wird, im eigenen Interesse arbeitet.

Und das scheint breit gestreut zu sein: Mal geht es um Zugang zu Bodenschätzen, mal um den Schutz von strategisch wichtigen Infrastrukturobjekten, mal um die Ausbildung und Schulung von Militärs und Milizen.

Sorgsam zusammengetragene Fakten einiger investigativ arbeitender russischer Journalisten belegen, dass sich die "Wagner-Einheiten" auch aktiv an Kampfhandlungen beteiligen. Vor allem dort, wo der Einsatz regulärer russischer Truppen sicherheitspolitisch kritisch oder aber international umstritten wäre.

Nähe zu russischem Geheimdienst?

Interessanterweise könnten die Kämpfer dabei auch auf schweres Gerät zurückgreifen, erklärt der Journalist Denis Korotkow in einem Telefoninterview: "Bei Bedarf bekommen sie Artillerie, Panzer, Raketenwerfer, Drohnen und Mörser."

Kein Material, auf das ein normaler Sicherheitsdienst oder Militärdienstleister zurückgreifen kann. Wohl aber das russische Verteidigungsministerium. Und dem scheint die "Wagner-Truppe" nicht nur in Sachen Ausrüstung nahe zu stehen. Ihr Trainingsgelände befindet sich auf einem Truppenübungsplatz des russischen Militärgeheimdienstes GRU.

Keinerlei Bildbeweis

Dass die Truppe in der Ost-Ukraine und in Syrien in Kämpfe involviert war, gilt für Korotkow und seinen Kollegen, den Leiter des "Conflict Intelligence Team", Ruslan Lewijew, als gesichert: "Was Libyen angeht, ist aber noch vieles unklar. Auch wenn viele sagen, dass sie dort sind. Wir haben noch keine eindeutigen Foto- und Videobeweise gesehen."

Es gibt inzwischen Meldungen von Kämpfern, die im Einsatz für Haftar gefallen sein sollen. Das Nachrichtenportal "Meduza" spricht von bis zu 35 russischen Staatsbürgern.

Angeblich Financier aus Putins Umfeld

Videoaufnahmen belegen zudem, dass der Unternehmer Jewgenij Prigoschin, der als Putins Koch bekannt ist und die "Wagner-Truppe" angeblich finanzieren soll, bei einem Treffen zwischen Haftar und dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu vor gut einem Jahr in Moskau dabei war.

Prigoschin bestreitet, etwas mit "Wagner" zu tun zu haben. Und von offizieller Seite hieß es, er sei für das Catering der Veranstaltung zuständig gewesen. Was viele zu der Frage brachte, was das wohl für ein Süppchen sei, das die russische Führung da koche.

Es geht - so viel ist klar - um Öl, um strategische Punkte, um Einfluss in der Region. Um vieles also, was im Interesse von "Wagner" und auch im Interesse der russischen Führung ist, die nun alles dafür tun will, damit der Waffenstillstand in Libyen hält.

Russische Söldner in Libyen?
Christina Nagel, ARD Moskau
21.01.2020 13:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Januar 2020 um 06:16 Uhr.

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