Der Schauspieler Pawel Ustinow während einer Gerichtsverhandlung in Moskau, bei der er zur dreieinhalb Jahren Arbeitslager verurteilt wurde. | Bildquelle: REUTERS

Nach Protesten gegen Urteil Russischer Schauspieler kommt vorerst frei

Stand: 20.09.2019 13:35 Uhr

Der russische Schauspieler Ustinow war wegen angeblicher Protestteilnahme und Gewalt gegen Polizisten zu Lagerhaft verurteilt worden. Nach öffentlichem Druck Zehntausender Bürger kommt er auf freien Fuß - vorerst.

Nach massiven Protesten gegen Justizwillkür in Russland hat ein Moskauer Gericht den zu dreieinhalb Jahren Straflager verurteilten Schauspieler Pawel Ustinow aus der Haft entlassen. Der 23-Jährige kommt zunächst frei, darf aber die Stadt nicht verlassen.

Ustinows Anwalt Anatoli Kutscherena sprach von einer "gerechten Entscheidung" des Gerichts. Zuvor hatte die Generalstaatsanwaltschaft eine Kehrtwende vollzogen: Sie forderte das zuständige Gericht auf, das Urteil wegen Teilnahme an ungenehmigten Oppositionsprotesten und wegen Verletzung eines Polizeibeamten zu mildern und "eine Strafe zu verhängen, die eine wirkliche Haft ausschließt". Um den Schuldspruch selbst soll es erst am 26. September in einem Berufungsverfahren gehen.

Video der Festnahme entlastet Ustinow

Ustinow war unter den Hunderten Festgenommenen während der friedlichen Proteste gegen den Ausschluss oppositioneller Kandidaten von den russischen Regionalwahlen. Ihm wurde vorgeworfen, bei seiner Festnahme einen Polizisten an der Schulter verletzt zu haben. Videoaufnahmen zeigen jedoch, wie Ustinow am Tag der Festnahme unbeteiligt auf dem Platz vor einem Metroausgang steht und telefoniert, als er von Uniformierten gepackt, zu Boden geworfen und mit dem Schlagstock verprügelt wird.

Ustinows Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Straflager hatte in Russland breite Empörung ausgelöst: Neben Zehntausenden Bürgern und Schauspielgrößen hatten sich auch russisch-orthodoxe Geistliche mit ihm und anderen Festgenommenen solidarisiert, die zu ähnlich harten Strafen verurteilt worden waren.

In den sozialen Netzwerken organisierten Unterstützer eine Kampagne, die auf den Fall des Investigativjournalisten Iwan Golunow anspielte - er war ebenfalls unter fingierten Vorwürfen festgenommen und mit einer langen Haftstrafe bedroht worden, kam jedoch nach massivem öffentlichem Druck frei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. September 2019 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.

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