Demonstranten in Minsk mit den weiß-rot-weißen Fahnen der Opposition. | Bildquelle: AFP

Belarusische Opposition Sacharow-Preis - Signal der Solidarität

Stand: 16.12.2020 13:37 Uhr

Seit Monaten protestieren Tausende in Belarus gegen den autoritären Staatschef Lukaschenko. Aufgerufen von einer Opposition, die sich um einen friedlichen Machtwechsel bemüht. Dafür wurde sie nun vom Europaparlament mit dem Sacharow-Preis geehrt.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Auch am vergangenen Sonntag gingen sie wieder für ein freies, demokratisches Belarus auf die Straße. Tausende sind es noch immer. Und das nach mehr als vier Monaten des Dauer-Protests. Nach Zehntausenden Festnahmen. Trotz Folter und Prügelattacken. Trotz Todesopfern.  

"Ich will nicht in einem KZ leben. Ich will, dass wir uns äußern können, auch auf der Straße. Ich will, dass die Gesetze bei uns für alle gelten. Und ich will, dass es mit der Diktatur in unserem schönen, guten Land ein für alle Mal vorbei ist!" Es sind Leute wie dieser junge Mann, die nun mit dem Sacharow-Preis ausgezeichnet wurden, die Flagge zeigen - auf der Straße und auf Balkonen. Die mit ihren Handys dort drehen, wo es an Journalisten fehlt, die noch frei berichten können.

Stellvertretend für sie alle wurden Menschen geehrt, die dem Kampf gegen das Regime ein Gesicht gegeben haben. Und das nicht erst seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl im August.

Alexander Lukaschenko | Bildquelle: MAXIM GUCHEK/POOL/EPA-EFE/Shutte
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Hält an seiner Macht fest und lässt dafür Demonstranten verprügeln und festnehmen: Staatschef Lukaschenko

Angst um die Angehörigen

Da ist zum Beispiel Nikola Statkewitsch, der seit Monaten im Gefängnis sitzt. Der Sozialdemokrat engagiert sich seit Jahrzehnten für die Opposition. Dutzende Male wurde er festgenommen, weil er sich gegen Präsident Alexander Lukaschenko stellte. Jahrelang saß Statkewitsch in Lagerhaft. Seine Familie bat er, sich im Ausland in Sicherheit zu bringen. Seine Kinder haben Belarus seither nicht mehr betreten.

"Denn das ist das schmerzhafteste Druckmittel: Auch wenn man selbst keine Angst hat, hat man immer Angst um die Angehörigen."

Die Angst um die Sicherheit der eigenen Kinder, die Sorge um Ehemänner und Freunde, die zur Wahl antreten wollten, stattdessen aber im Gefängnis oder im Exil landeten, kennen auch Swetlana Tichanowskaja, Veronika Zepkalo und Maria Kolesnikowa, die inzwischen selbst im Gefängnis sitzt. Jene drei Frauen, die im Wahlkampf Präsident Lukaschenko unerwartet Paroli boten und die nun für ihren riskanten Einsatz für Veränderungen im Land geehrt wurden.

"Ich bin angetreten, weil ich Gerechtigkeit will. Mein Ziel ist es, echte Wahlen zu organisieren, an denen alle Oppositionskandidaten teilnehmen können", hatte Swetlana Tichanowskaja schon im Wahlkampf erklärt. Und dabei auch ihren Mann gemeint, den Blogger Sergej Tichanowski, der weiter in Haft sitzt und sich nun auch wegen Volksverhetzung verantworten muss.

 

Er wurde ebenso geehrt wie der Gründer des Telegramm-Kanals Nexta. Stepan Putilo gab der Demokratiebewegung eine Organisationsplattform, die inzwischen in Belarus als extremistisch eingestuft wurde.

Mit dabei auch Ales Bialjatzki, der Gründer der Menschenrechtsorganisation Wjasna. Er hat für seinen langjährigen Einsatz für Demokratie und Bürgerrechte zahlreiche Haftstrafen verbüßen müssen und engagiert sich doch weiter: "Trotz der Probleme, die es momentan bei uns gibt, trotz der erneuten schrecklichen Repressionen von Seiten Lukaschenkos, trotz Hunderter Opfer, zu denen jeden Tag neue dazu kommen, weiß ich, dass all die Jahre nicht umsonst waren."

Sacharow-Preis für belarusische Opposition
tagesthemen 22:30 Uhr, 16.12.2020, Ina Ruck, ARD Moskau

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Ehrung auch für den Koordinierungsrat

Auch nicht die Arbeit für den Koordinierungsrat, der zwischen der Staatsmacht und der Demokratiebewegung vermitteln wollte. Ihm gehören der Gewerkschafter Sergej Dylewskij, die Bürgerrechtlerin Olga Kowalkowa und Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch an. Auch sie wurden mit dem Preis geehrt.  

Für sie alle ist die Auszeichnung ein wichtiges Signal der Solidarität und der Unterstützung gegen ein System, das weiterhin nur auf Druck statt auf Dialog setzt.  

 

Sacharow-Preis für die belarusische Opposition
Christina Nagel, ARD Moskau
16.12.2020 09:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. Dezember um 11.00 Uhr sowie mdr Aktkuell am 16. Dezember 2020 um 11:10 Uhr.

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