Polizeieinsatz in Amesbury | Bildquelle: AFP

Polizeieinsatz in Salisbury Ein neuer Fall Skripal?

Stand: 04.07.2018 16:03 Uhr

Im englischen Salisbury ermittelt die Anti-Terror-Polizei, nachdem ein Mann und eine Frau bewusstlos in einem Wohnhaus aufgefunden wurden. Sie waren zuvor mit einer "unbekannten Substanz" in Kontakt gekommen.

Nach dem Auftreten einer "unbekannten Substanz" in der Nähe des britischen Städtchens Salisbury ermittelt die britische Terrorabwehr. Ein und eine Frau waren bereits am Samstag im wenige Kilometer entfernten Dorf Amesbury bewusstlos aufgefunden worden. Sie schweben nach wie vor in Lebensgefahr. Beide seien Briten.

Beamte der Anti-Terrorismus-Polizei untersuchten den Fall nun gemeinsam mit der örtlichen Polizei, erklärte Scotland Yard. Britische Medien berichten außerdem, dass Proben einer unbekannten Substanz ins Labor des Verteidigungsministeriums nach Porton Down gebracht worden seien, um dort analysiert zu werden.

Der neue Fall weist Parallelen zum Mordanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter auf. Amesbury liegt nur wenige Kilometer von dem Ort entfernt, an dem im März der Giftanschlag auf die Skripals verübt worden war.

"Schwerwiegender Vorfall"

Die Polizei bewertet den Vorfall als "schwerwiegend". Die Beamten sperrten ein Wohnhaus, eine Kirche, eine Apotheke und andere Orte ab, die der Mann und die Frau zuvor besucht hatten.

Dennoch glauben die Behörden nicht an eine akute Gefährdung der Öffentlichkeit. "Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht einmal klar, ob es sich überhaupt um ein Verbrechen handelt", heißt es bei der Polizei. Die Ermittlungen gingen in alle Richtungen. Man sei zunächst davon ausgegangen, dass das Paar mit kontaminierten Drogen in Berührung gekommen sei. Es würden aber weitere Tests vorgenommen.

Premierministerin Theresa May und hochrangige Minister werden laufend über die Fortschritte der Ermittlungen informiert. Laut Mays Büro gab es schon eine Dringlichkeitssitzung.

"Er wirkte wie aus einer anderen Welt"

Die Betroffenen, die beide etwa 40 Jahre alt sind, liegen nun im Krankenhaus in Salisbury - dort, wo auch die Skripals behandelt worden waren. Die Polizeibeamten waren zunächst davon ausgegangen, dass sie verunreinigte Drogen genommen hatten. Wie das britische Boulevard-Blatt "Sun" unter Berufung auf Geheimdienstkreise berichtet, sollen die beiden ähnliche Symptome zeigen wie die Skripals.

Ein Nachbar der beiden, der laut eigenen Angaben auch mit ihnen befreundet ist, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Frau habe zuerst Krankheitsanzeichen gezeigt, der Mann etwas später. Ihm zufolge wirkte der Mann durch die Symptome, als sei er "in einer anderen Welt". "Er hat extrem viel geschwitzt, der Schweiß tropfte", sagte der Nachbar weiter. "Man konnte nicht mit ihm reden, er hat seltsame Geräusche gemacht und ist vor und zurück gewippt."

Skripal und seine Tochter waren am 4. März bewusstlos auf einer Bank in Salisbury gefunden worden und lagen danach wochenlang im Krankenhaus. Die britische Regierung macht Russland für den Giftanschlag verantwortlich und geht davon aus, dass dabei ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. Russland weist die Vorwürfe vehement zurück. Der Fall führte zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen Russland und Großbritannien.

"Unbekannte Substanz" nahe Salisbury: Britische Anti-Terror-Polizei ermittelt
Thomas Spickhofen, ARD London
04.07.2018 18:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Juli 2018 um 16:00 Uhr und 17:00 Uhr.

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