Ein Polizist überwacht einen abgesperrten Bereich in Salisbury. | Bildquelle: AP

Neue Nowitschok-Fälle Waren die Vergiftungen zufällig?

Stand: 05.07.2018 12:41 Uhr

Laut Experten ist das mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftete Paar aus Südengland vermutlich nicht Opfer eines gezielten Anschlags geworden. Zwischen Großbritannien und Russland flammt Streit auf.

Nach den zwei weiteren Nowitschok-Vergiftungsfällen in England erheben Großbritannien und Russland erneut schwere Anschuldigungen. Die britische Regierung forderte die Regierung in Moskau auf, Details über den Einsatz des Nervengiftes gegen den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter im März zu übermitteln. Sicherheitsminister Ben Wallace sagte der BBC, die Russen könnten Hinweise liefern, um die Sicherheit der Menschen zu bewahren.

Offenbar will Großbritannien dadurch klären, ob das am Samstag nahe der Stadt Salisbury entdeckte vergiftete Paar zufällig mit der Substanz in Berührung kam. In Salisbury waren auch Skripal und seine Tochter gefunden worden. Russland hat wiederholt erklärt, nichts mit dem Angriff auf den Ex-Agenten zu tun zu haben, und wies auch jeden Beteiligung an dem neuen Fall zurück.

Die russische Botschaft in den Niederlanden schrieb auf Twitter, die britische Regierung sei "dumm", wenn sie glaube, dass Russland während der Fußball-WM einen erneuten Nervengiftangriff starten würde.

May kündigt umfassende Untersuchung nach erneuter Nowitschok-Vergiftung an
tagesschau 17:00 Uhr, 05.07.2018, Hanni Hüsch, ARD London

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Opfer sind britische Staatsbürger

Bei den neuen Vergiftungsopfern, die in Lebensgefahr schweben, handelt es sich den Behörden zufolge um einen 45-jährigen Mann und eine 44-jährige Frau, die britische Staatsbürger seien. Sie werden in einer Klinik behandelt. Nach Angaben der britischen Anti-Terror-Behörde kamen sie mit Nowitschok in Berührung. Unklar sei aber, ob sich jemals feststellen lasse, ob das Gift aus derselben Charge wie im Fall Skripal stamme.

Sicherheitsstaatssekretär Wallace berichtete, Experten gingen davon aus, dass das Paar jedoch nicht Opfer eines gezielten Anschlags geworden sein. Eher seien die beiden mit einem kontaminierten Gegenstand in Kontakt gekommen, der beim Anschlag auf die Skripals genutzt worden war. "Die Priorität liegt für die Ermittler jetzt darin, zu klären, wie diese beiden Leute in Kontakt mit diesem Nervengift gekommen sind", sagte er Leiter der britischen Terrorabwehr, Neil Basu. Bislang gebe es keine Beweise, dass die beiden "kürzlich einen der dekontaminierten Orte" nach der Vergiftung der Skripals aufgesucht hätten.

In Amesbury und Salisbury wurden die Orte abgeriegelt, an denen sich das vergiftete Paar aufgehalten hatte, darunter ein Park, eine Unterkunft für Obdachlose, eine Apotheke, eine Kirche und das Haus in Amesbury. Die Polizei rief die Bevölkerung zur Ruhe auf, riet aber zugleich Menschen, die sich am Freitag und Samstag an denselben Orten wie das vergiftete Paar aufgehalten hätten, ihre Kleidung zu waschen und persönliche Gegenstände abzuwischen.

Armeeoffiziere entfernen am 23. März 2018 die Bank, auf der Sergej Skripal und seine Tochter gefunden wurden. | Bildquelle: WILL OLIVER/EPA-EFE/REX/Shutters
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Auch bei Skripal und seiner Tochter wurde das Nervengift Nowitschok nachgewiesen - daher entsorgte man auch die Bank, auf der die beiden gefunden wurden.

Britisches Sicherheitskabinett tagt

Der Fall Skripal hatte schwere diplomatische Spannungen zwischen Russland und Großbritannien ausgelöst, das von seinen Verbündeten Rückendeckung erhielt. Heute kam das britische Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung unter dem Vorsitz von Innenminister Sajid Javid zusammen, um über den aktuellen Fall zu beraten. Ein Sprecher von Premierministerin Theresa May hatte zuvor gesagt, die Regierung behandle den Fall mit "äußerster Ernsthaftigkeit".

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den berüchtigsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen der Opfer sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

May trifft Merkel

Am Mittag will der britische Innenminister Sajid Javid eine Erklärung im Unterhaus abgeben. Premierministerin Theresa May wird am Nachmittag zu einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin erwartet.

Die britische Polizei hat vorsorglich mindestens fünf verschiedene Zonen abgesperrt, darunter einen Park und ein Grundstück in Salisbury, eine Apotheke und ein Gemeindehaus der Baptisten in Amesbury.

Das Forschungslabor für Chemiewaffen im nahe gelegenen Porton Down wurde mit den Untersuchungen befasst. Dort war auch das Nervengift Nowitschok im Fall Skripal identifiziert worden. Unabhängige Untersuchungen der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) bestätigten damals das Ergebnis.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Juli 2018 um 14:00 Uhr.

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