Feuerwehr- und Rettungsleute rücken mit Sicherheitsausrüstung in einem Wohngebiet in Amesbury an. | Bildquelle: REUTERS

Neuer Nowitschok-Fall Suche nach Giftbehälter geht weiter

Stand: 06.07.2018 13:48 Uhr

Nach dem jüngsten Vergiftungsfall in Südengland sucht die britische Polizei nach einem Behälter, der Reste des Nervengifts Nowitschok enthalten könnte. Mehr als 100 Beamte durchkämmten Salisbury und Amesbury.

Experten suchen nach den jüngsten Vergiftungsfällen durch das Kampfmittel Nowitschok fieberhaft nach einem kontaminierten Gegenstand in Südengland.

Die Ermittler gehen davon aus, dass ein 45-jähriger Mann und seine 44-jährige Freundin am vergangenen Wochenende vermutlich nach Kontakt mit der Substanz zusammengebrochen waren. Die beiden Briten wurden am vergangenen Samstag bewusstlos ins Krankenhaus gebracht und befinden sich in einem kritischen Zustand.

Die Polizei sperrt eine Straße von Salisbury ab. | Bildquelle: RICK FINDLER/EPA-EFE/REX/Shutter
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Die Polizei sperrte Straßen in Salisbury und Amesbury ab.

Experten raten zur Vorsicht

Die Polizei sperrte sechs Areale in Amesbury und im 13 Kilometer entfernten Salisbury ab, in denen sich das Paar kurz vor den ersten Symptomen aufhielt. Dazu zählen eine Apotheke, eine Kirche und das Wohnhaus des 45-Jährigen.

Das Hostel, in dem seine Freundin lebte, wurde evakuiert. Sie hat dem Sender BBC zufolge drei Kinder. Die Polizei rief die Einwohner beider Orte dazu auf, vorsichtshalber keine Gegenstände vom Boden öffentlicher Plätze aufzuheben.

Nervengift Nowitschok

Die Sowjetunion hat unter der Bezeichnung Nowitschok (zu deutsch Neuling) zwischen den 1970er- und 1980er-Jahren eine Serie neuartiger Nervenkampfstoffe entwickelt. Die rund 100 Varianten gehören zu den berüchtigsten Nervenkampfstoffen, die jemals hergestellt wurden. Sie können über die Haut und die Atmung in den Körper gelangen.

Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen der Opfer sind gering. Selbst übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten. Die englische Schreibweise der Kampfstoffe lautet Novichok.

Kontaminierter Gegenstand womöglich Spritze?

Laut den Ermittlern könnte das Paar aus Amesbury etwa ein Fläschchen oder eine Injektionsspritze mit Resten des Gifts gefunden haben, das beim Attentat auf auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter im März verwendet wurde. Sie haben jedoch keine bekannten Verbindungen zu Russland.

Im Gegensatz zum Fall Skripal gehen die britischen Ermittler jüngsten Fall deshalb zunächst nicht von einem gezielten Anschlag gegen das Paar aus. Die Skripals wurden wochenlang in Salisbury behandelt, im selben Krankenhaus, in dem jetzt auch das am Wochenende im benachbarten Amesbury verletzte Paar in kritischem Zustand liegt. Sie entkamen nur knapp dem Tod und leben inzwischen an einem geheimen Ort.

Armeeoffiziere entfernen am 23. März 2018 die Bank, auf der Sergej Skripal und seine Tochter gefunden wurden. | Bildquelle: WILL OLIVER/EPA-EFE/REX/Shutters
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Auch bei Skripal und seiner Tochter wurde das Nervengift Nowitschok nachgewiesen - daher entsorgte man auch die Bank, auf der die beiden gefunden wurden.

Spannungen verschärft

Der Vorfall hat die Spannungen zwischen Großbritannien und Russland weiter verschärft. Der britische Innenminister Sajid Javid kritisierte im Parlament Russland. Moskau müsse nun erklären, was da genau vor sich gehe.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, forderte Premierministerin Theresa May hingegen auf, "Intrigen und Spiele mit chemischen Kampfstoffen" zu beenden. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, Russland sei wegen des jüngsten Vorfalls besorgt, habe aber damit ebenso wie im Fall Skripal nichts damit zu tun.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Juli 2018 um 12:00 Uhr.

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