Italiens Innenminister Matteo Salvini mit Blumenstrauß bei einer Wahlkampfveranstaltung in Giussano. | Bildquelle: NICOLA MARFISI/EPA-EFE/REX

Lega-Chef Salvini Wahlkampf vom Mussolini-Balkon

Stand: 17.05.2019 13:08 Uhr

Salvini dominiert Italiens Europawahlkampf: Die rechte Lega betreibt einen regelrechten Personenkult um ihren Parteichef. Doch das könnte ihm noch auf die Füße fallen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Sie beschimpfen ihn, sie bejubeln ihn - und er selbst gefällt sich in der Rolle des Protagonisten des Europawahlkampfes in Italien. Auf der Zielgeraden hat Matteo Salvini auf Facebook sogar einen Wettbewerb "Vinci Salvini" ("Gewinne Salvini") ausgerufen, den er - weil er im Wahlkampf seiner Lega alles selbst macht- auch persönlich im Netz ankündigt.

Das Prinzip von "Gewinne Salvini": Wer besonders viele Likes für den Chef der rechten Lega in den sozialen Netzwerken platziert, kann ein Telefongespräch oder einen Kaffee mit ihm gewinnen. Seine Gegner überschütten ihn für die Aktion mit Häme, Salvini aber weiß, wie die soziale Netzwerke funktionieren: Die zusätzlichen Likes auf seinen Seiten vergrößern die Reichweite seiner Botschaften.

Salvini weiß, wie er die Zeitungen füllt

Tabubrüche und Provokationen sind ein Stilmittel Salvinis im Wahlkampf auch jenseits der sozialen Netzwerke. In Forlì sprach er von einem Balkon, den seit dem Ende des Faschismus vor 75 Jahre kein Politiker mehr betreten hat. Denn es ist der Platz, von dem der in der Nähe geborene faschistische Diktator Benito Mussolini häufig und gerne gesprochen hat.

Salvini nutzte ohne Zögern den Mussolini-Balkon bei seiner Wahlkampfveranstaltung in der heute sozialdemokratisch regierten Stadt, um sich seinen draußen im Regen wartenden Anhängern zu zeigen. "Ich habe drinnen zu einigen hundert Menschen gesprochen, aber ich will hier mit euch nass werden, weil wir diese Stadt und dieses Land befreien werden", rief er ihnen zu. "Und je mehr sie mir drohen, desto mehr will ich weiter durchziehen wie ein Zug."

Der Jubel der rund 2000 Salvini-Unterstützer übertönte die kleine Gruppe der Demonstranten. Salvini weiß, dass er mit solchen Aktionen am nächsten Tag die Zeitungen füllen wird. Seine Anhänger verehren ihn für seine Verstöße von rechts gegen die politische Korrektheit.

"Salvini, du und deine Wähler sind Schmutz!" steht auf einem Transparent, das an einem Balkon in Neapel hängt. | Bildquelle: AFP
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"Salvini, du und deine Wähler sind Schmutz!" steht auf einem Transparent, das an einem Balkon in Neapel hängt.

Knallhart rechts, gegen Europa, populistisch

Der Lega-Wahlkampf ist ein Salvini-Wahlkampf. Im Personenkult um ihren Parteiführer hat die Lega sogar ein eigenes Wahlkampflied für ihn komponieren lassen.

Es ist eine Personalisierungsstrategie, die polarisiert, die eigenen Anhänger aber mobilisiert. Sogar im südlichsten Teil des Landes, den Salvini und seine Lega bis vor ein paar Jahren noch von Italien abtrennen wollten, sind die Kundgebungsplätze voll, wenn Salvini kommt.

Die Zuhörer wissen, was sie von ihm bekommen: Knallhart rechte Botschaften, Attacken auf Europa, populistische Vereinfachungen. In Bagherìa auf Sizilien machte Salvini deutlich, welchen Ton seine Partei und ihre Verbündeten künftig in Brüssel anschlagen wollen.

"Dieses Mal gilt: Entweder wir retten Europa oder Europa stirbt und wir bekommen ein islamisches Kalifat. Europa ist unser Zuhause, Sizilien ist unser Zuhause, Italien ist unser Zuhause."

"Hass schafft keine Arbeitsplätze"

Wie Salvini mit seinen Parolen den Wahlkampf in Italien dominiert, zeigt sich auch bei den Auftritten des Oppositionsführers. In den Reden Nicola Zingarettis, des Chefs der Demokratischen Partei, ist Salvini der meistgenannte Name: "Hat Matteo Salvini eine starke Sache gemacht? Ja!", meint er. "Er hat eine lokale Bewegung des Nordens in eine nationale Bewegung verwandelt. Indem er Angst schürt, sichert er sich einfache Zustimmung. Aber Hass schafft keine Arbeitsplätze."

Möglicherweise, sagt Buchautor und Politikprofessor Gianluca Passarelli, könnte der von Salvini betriebene Personenkult ihm in der Schlussphase des Wahlkampfes noch auf die Füße fallen: "Ich glaube, er übertreibt, weil er angesichts des Höhenflugs und des sich vermeintlich abzeichnenden Wahlerfolgs alles auf sich konzentriert."

Ein Sieg der Lega in der Europawahl, sagt Passarelli, wäre ein Sieg Salvinis. Aber auch ein Misserfolg würde seinen Namen tragen.

Die letzten Umfragen sehen die Lega in Italien immer noch mit rund 30 Prozent als stärkste Partei - aber um ein paar Prozentpunkte schwächer als noch vor ein paar Wochen.

Anmerkung der Redaktion: Der Wettbewerb "Vinci Salvini" wurde in einer früheren Version dieses Beitrags falsch mit "Salvini, siege!" übersetzt.

Protagonist Salvini: Europawahlkampf in Italien
Jörg Seisselberg, ARD Rom
16.05.2019 20:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Mai 2019 um 08:22 Uhr.

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