Spaniens designierter Ministerpräsident Pedro Sánchez umringt von Fotografen im spanischen Parlament. | Bildquelle: AP

Machtwechsel in Spanien Wer ist Pedro Sánchez?

Stand: 02.06.2018 12:15 Uhr

Der Sozialist Sánchez galt schon als politisch tot. Jetzt wurde er durch ein Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Rajoy zum Regierungschef. Keine leichte Aufgabe - ohne Mehrheit im Parlament.

Von Marc Dugge, ARD Studio Madrid

Pedro Sánchez ist das Stehaufmännchen der spanischen Politik. Mal galt er als Hoffnungsträger, mal als politisch tot, mal als Newcomer. Sicher ist, dass ihm noch vor kurzem keiner zugetraut hätte, einmal das Amt des spanischen Ministerpräsidenten zu bekleiden.

Der 46-jährige stammt aus Madrid und ist Hochschullehrer für Wirtschaftswissenschaften. Den Sozialisten tritt er mit 21 Jahren bei. 2004 wird er Stadtverordneter von Madrid, fünf Jahre später kommt er als Nachrücker ins spanische Parlament. Und nochmal fünf Jahre später wird Sánchez zum Generalsekretär seiner Partei gewählt. Er will den Sozialisten neuen Schwung verleihen, die Partei erneuern - und sie zu einer starken Alternative zur konservativen Partei von Rajoy machen.

Sie nennen ihn "El Guapo" - den Hübschen

Doch von Anfang an bringen ihm seine Parteifreunde viel Skepsis entgegen. Manchen ist er zu glatt, zu profillos, andere vermissen das Herzblut. Sie nennen ihn nur "El Guapo“" den Hübschen - was in diesem Fall nicht unbedingt positiv gemeint ist. Und bei den Altvorderen wie Felipe Gonzalez hat Sánchez sowieso einen schweren Stand. Doch seinen Aufstieg verhindert das nicht. 2015 tritt er bei den Parlamentswahlen als Frontmann der Sozialisten an. Sein Widersacher Nummer Eins: Mariano Rajoy, den er aus dem Amt jagen will.

Doch Sánchez fährt das schlechteste Ergebnis in der Geschichte seiner Partei ein. Weil Mariano Rajoy aber keine Regierung zustande bringen kann, beauftragt der König schließlich Sánchez damit. Doch auch er bekommt nicht die nötige Unterstützung. So müssen die Spanier im Sommer 2016 erneut wählen gehen.

Eskalation und Rücktritt

Sein Ergebnis verbessert Sánchez kaum. Dafür verhindert er über Monate hinweg, dass sein Widersacher Rajoy an die Macht kommt. Spanien muss ohne Regierung auskommen, weil Sánchez seinen Prinzipien treu bleiben will. Auch wenn die Kritik innerhalb der Partei immer mehr wächst, erklärt Sánchez sein Verhalten mit dem Willen der Wähler: "Die Millionen Wähler, die im Juni für die Sozialisten gestimmt haben, haben das nicht getan, um eine Regierung von Rajoy zu unterstützen, sondern, um sie zu vermeiden."

Bald eskaliert die Situation: Mehrere Mitglieder des Parteivorstands treten aus Protest gegen die Haltung von Sánchez zurück. Im Oktober 2016 ist Sánchez so isoliert, dass er in einer spannungsreichen Sitzung das Handtuch wirft. Während seine Anhänger ihm draußen vor der Parteizentrale ihre Unterstützung zeigen, tritt ein Parteisprecher vor die Presse und verkündet Sánchez' Rücktritt.

Zurück an der Spitze - zumindest für ein paar Monate

Mehr noch: Sánchez legt kurz darauf sogar sein Abgeordnetenmandat nieder. Als er das vor der Presse erklärt, kann er die Tränen nicht zurückhalten. Der Rest der Sozialisten macht für Rajoy jetzt den Weg frei: Dank ihnen kann er eine Minderheitsregierung bilden.

Die Regierungskrise ist vorbei, die der Sozialisten dagegen in vollem Gange. Sánchez scheint politisch im Aus - aber nur scheinbar. An der Parteibasis ist er so beliebt, dass er langsam aber sicher in die Politik zurückkehren kann. Ende Mai 2017, nur ein gutes halbes Jahr nach seinem Drama an der Spitze der Sozialisten, wird er wieder zum Parteichef gewählt.

Den Kampf gegen die konservative Partei von Rajoy hat er jetzt zunächst gewonnen. Pedro Sánchez hat es ganz an die Spitze gebracht. Zumindest für ein paar Monate.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 01. Juni 2018 um 21:45 Uhr.

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