Bewerber der Demokraten, Bernie Sanders, bei einer Wahlkampfrede in Seattle | Bildquelle: AP

Neues Buch von Bernie Sanders Wahlprogramm für 2020?

Stand: 27.11.2018 03:52 Uhr

Fast hätte sich Bernie Sanders vor zwei Jahren im Vorwahlkampf der US-Demokraten durchgesetzt. Sein neues Buch heizt die Spekulationen um eine erneute Präsidentschaftsbewerbung an.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Eine Frage wird Bernie Sanders in diesen Tagen immer wieder gestellt: Ist sein Buch "Where do we go from here: Two years in resistance" - "Wie es nach zwei Jahren im Widerstand weitergeht" - nur eine Agenda für die progressiven Demokraten im US-Kongress? Oder ist es auch das Programm eines Präsidentschaftsbewerbers für 2020?

Beides sei denkbar, antwortete Bernie Sanders im Sender MSNBC. Eine erneute Präsidentschaftsbewerbung will er jedenfalls nicht ausschließen. "Ich werde diese Entscheidung zu einem passenden Zeitpunkt treffen", sagte er. "Wir prüfen das. Aber dafür muss ich zu dem Ergebnis kommen, dass ich wirklich der stärkste Kandidat bin, der Donald Trump schlagen kann."

Bernie Sanders | Bildquelle: AP
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Bei den Wahlen Anfang November wurde Sanders für eine dritte Amtszeit als Senator wiedergewählt.

Demokraten übernehmen Sanders' Positionen

In seinem neuen Buch schildert Sanders, wie sehr seine anfangs belächelte "Revolution" schon jetzt die Demokratische Partei verändert hat. Zwei seiner wichtigsten Forderungen wurden mittlerweile vom Mainstream der Demokraten übernommen: ein steuerfinanzierter Krankenversicherungsschutz für alle Amerikaner sowie die Abschaffung der Studiengebühren an staatlichen Universitäten. Beides galt vor Sanders als "Sozialismus pur" und politisch in den USA kaum durchsetzbar.

Weitere zentrale Forderungen in dem Buch: Mindestlöhne auf 15 US-Dollar pro Stunde anheben, also umgerechnet gut 13 Euro, gleiche Löhne für Frauen und Männer und Arzneimittelpreise senken. "Es gibt heute Zigmillionen Arbeiter, die ihre Familien mit einem Stundenlohn um die zehn Dollar nicht ernähren können", argumentiert Sanders. "30 Millionen haben keine Krankenversicherung, und viele können sich die verschriebenen Medikamente nicht leisten."

"Zeit, um aufzustehen"

Im Schlusskapitel seines Buches schreibt Sanders: "Bei meiner politischen Revolution gilt: 'Think Big! - Denkt in großen Dimensionen!'" Und all jenen, die sich über Trumps Politik ärgern, will Sanders Mut machen. Dies sei "nicht die Zeit für Verzweiflung", schreibt er. "Jetzt ist die Zeit, um aufzustehen und sich zu wehren."

"Wir müssen uns mit der hässlichen Seite von Trump auseinander setzen", sagt Sanders. "Sein Autoritarismus, sein Rassismus, sein Sexismus. Wir müssen die Fundamente unserer Demokratie vor einem autoritären Präsidenten beschützen." All das klingt nach einer Einladung, eine erneute Bewerbung von Sanders zu unterstützen.

Kandidatur mit 79 Jahren?

Tatsächlich fühlt er sich nach den Kongresswahlen gestärkt. Mit großer Mehrheit wurde er für eine dritte Amtszeit von weiteren sechs Jahren als unabhängiger Senator von Vermont wiedergewählt. Ob all dies jedoch für eine erneute Präsidentschaftsbewerbung reicht?

Sanders wäre 2020 bereits 79 Jahre alt: ein weißer alter Mann aus einem Bundesstaat, in dem kaum Minderheiten leben.

Sanders will progressive Kandidaten unterstützen

Für Matt Viser von der "Washington Post" spricht noch etwas gegen Sanders: "Der Unterschied diesmal ist die Fülle der Kandidaten", sagt Viser. "Zu Hillary Clinton war Sanders die einzige Alternative. Jetzt aber bekommen die Demokraten die gleichen Probleme wie die Republikaner mit ihren vielen Kandidaten 2016."

Und bei Minderheiten und afroamerikanischen Wählern tut sich Sanders immer noch schwer, auch wenn sein neues Buch ein Kapitel über Martin Luther King enthält. Sollten erfolgversprechendere Kandidaten antreten, die seine progressive Agenda teilen, verspricht Sanders, dann werde er sie gerne unterstützen.

Vielleicht passt die Rolle des progressiven Vordenkers tatsächlich besser zu Sanders als die des Trump-Herausforderers.

Bernie Sanders neues Buch: Spekulation um 2020
Martin Ganslmeier, NDR Washington
27.11.2018 06:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 27. November 2018 um 05:44 Uhr.

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