Isabel dos Santos | Bildquelle: imago images/ITAR-TASS

Reichste Frau Afrikas Dos Santos wegen Betrugs angeklagt

Stand: 23.01.2020 16:28 Uhr

Die Justiz in Angola hat gegen die reichste Frau Afrikas Anklage erhoben: Isabel dos Santos werden Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. Ein enger Mitarbeiter wurde tot aufgefunden.

Die angolanische Justiz hat gegen Isabel dos Santos Anklage wegen Betrugs und Geldwäsche erhoben. Der Tochter des ehemaligen angolanischen Präsidenten José Eduardo dos Santos würden unter anderem Missmanagement, unerlaubte Einflussnahme und Urkundenfälschung während ihrer Zeit an der Spitze des staatlichen Ölkonzerns Sonangol vorgeworfen, sagte der angolanische Generalstaatsanwalt Helder Pitta Gros.

Dos Santos lebt in London und Dubai

Der frühere Präsident dos Santos hatte Angola, das zu den ärmsten und korruptesten Ländern der Welt gehört, von 1979 bis 2017 autokratisch regiert. Seine Tochter lebt seit dem Rücktritt ihres Vaters im August 2017 in London und Dubai. Die Justiz in Angola will nach eigenen Angaben alle möglichen Mittel einsetzen, um die 46-Jährige in ihr Heimatland zurückzubringen und sie vor Gericht zu stellen.

Die am Sonntag veröffentlichten Recherchen des Internationalen Konsortiums Investigativer Journalisten (ICIJ), zu dem auch "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR gehören, legen den Verdacht nahe, dass dos Santos erheblich von der Hilfe ihres Vaters profitierte. Für die Recherchen zu den "Luanda Leaks" werteten rund 120 Journalisten aus 20 Ländern mehr als 700.000 Dokumente aus, die zuerst der afrikanischen Journalistengruppe PPLAAF zugespielt wurden.

400 Firmen und öffentliche Aufträge

Eine Firma, die dos Santos gegründet hatte, erhielt laut "SZ" von der Regierung eine Mobilfunklizenz. Dann bekam ihr Ingenieurbüro einen Planungsauftrag für die Modernisierung Luandas. Weiterhin ließ sich der staatliche Ölkonzern Sonangol von einer Firma beraten, die dos Santos gehörte - später übernahm sie selbst die Führung des Konzerns.

Dos Santos, ihr Ehemann Sindika Dokolo und weitere Vertraute haben den Dokumenten zufolge in den vergangenen Jahren mehr als 400 Firmen gegründet, fast hundert davon in Steueroasen wie Malta, Mauritius und Hongkong. Immer wieder hätten diese Firmen von öffentlichen Aufträgen in Angola, von Beratertätigkeiten und von Darlehen profitiert. Dos Santos bestreitet alle Vorwürfe und spricht von einer politischen Kampagne gegen ihre Familie.

Ein Verdächtiger tot in Lissabon aufgefunden

Nach Angaben der portugiesischen Kriminalpolizei wurde ein enger Mitarbeiter von dos Santos in Lissabon tot aufgefunden. Auch gegen ihn hatte die Staatsanwaltschaft in Angola Anklage erhoben.

Die Leiche des Mannes, die mehrere Verletzungen aufweise, sei am späten Mittwochabend in einer Garage gefunden worden. Alles deute zwar auf einen Freitod durch Erhängen hin. Es werde aber auch ein Tötungsdelikt nicht ausgeschlossen.

Bei der portugiesischen Bank Eurobic, an der Isabel dos Santos 42,5 Prozent des Kapitals hält, war der 45-Jährige Private-Banking-Direktor - und Kontoführer der Milliardärin.

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