Franz Ferdinand

Der 28. Juni 1914 - die Chronologie eines Tages Das Attentat, das zum Weltkrieg führte

Stand: 26.06.2014 10:54 Uhr

Nur zwei Schüsse fielen in Sarajevo - dann waren der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau tot. Einen Monat später erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Was passierte am 28. Juni in Sarajevo? Und wie führte der Anschlag zum Ersten Weltkrieg? Wir erzählen den Tag mit historischen Bildern und Dokumenten.

Von Anna-Mareike Krause und Judith Rönnau, tagesschau.de

Im Juni 1914 sind die Gebiete Bosnien und Herzegowina Spielbälle ihrer Nachbarn. Das Osmanische Reich stellt Ansprüche, ebenso Serbien, Kroatien und Österreich-Ungarn. Letzteres hält Bosnien und Herzegowina seit 1908 besetzt. Die Reise von Erzherzog Franz Ferdinand in die Hauptstadt Sarajevo gilt von vornherein als gefährlich. Seit der Annexion der Gebiete durch Österreich-Ungarn hat sich die anti-österreichische Stimmung in Bosnien ausgebreitet.

Dennoch sind die Sicherheitsmaßnahmen für den österreichischen Thronfolger und seine Frau, Herzogin Sophie von Hohenberg, völlig unzureichend. Nur eine Stunde nach ihrer Ankunft sind Franz Ferdinand und seine Frau tot. tagesschau.de zeichnet den Vormittag des 28. Juni 1914 nach.

Franz Ferdinand und Herzogin Sophie aufgebahrt
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Franz Ferdinand und Herzogin Sophie aufgebahrt, kurz nach ihrem Tod.

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9.42 Uhr - Abfahrt aus Bad Ildiza
 

10.07 Uhr - Ankunft in Sarajevo

10.15 Uhr - Die Fahrt durch die Stadt beginnt
 
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10.07 Uhr - Ankunft in Sarajevo
 

10.15 Uhr - Die Fahrt durch die Stadt beginnt

10.25 Uhr - Die Bombe wird gezündet
 
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10.15 Uhr - Die Fahrt durch die Stadt beginnt
 

10.25 Uhr - Die Bombe wird gezündet

10.30 Uhr - Empfang im Rathaus
 
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10.25 Uhr - Die Bombe wird gezündet
 

10.30 Uhr - Empfang im Rathaus

10.45 Uhr - Gavrilo Princip schießt
 
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10.30 Uhr - Empfang im Rathaus
 

10.45 Uhr - Gavrilo Princip schießt

11.15 Uhr - Die Festnahme
 
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10.45 Uhr - Gavrilo Princip schießt
 

11.15 Uhr - Die Festnahme

Politische Folgen: Julikrise und Kriegsausbruch
 
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11.15 Uhr - Die Festnahme
 

Politische Folgen: Julikrise und Kriegsausbruch

Titelseite der New York Times vom 29. Juni 1914
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Die Titelseite der New York Times...

Artikel in der London Times am 29. Juni 1914
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...und die Berichterstattung in der London Times vom 29. Juni 1914

Am 29. Juni 1914 war die Welt geschockt über den Anschlag.

Die englische Times schreibt:

"Dieses Verbrechen wird politische Folgen nach sich ziehen, deren Tragweite noch nicht abzuschätzen ist. Was in Sarajevo geschah, ist kein Mord wie irgendein anderer. Es ist ein Anschlag auf den Frieden. Nichts wird in Zukunft mehr so sein, wie es bisher war. Hoffen wir, dass sich in dieser für alle Betroffenen äußerst schwierigen Situation die Besonnenen durchsetzen. Andernfalls gehen in Europa die Lichter aus."

Die folgenden Wochen waren geprägt von Verhandlungen einerseits und Machtdemonstrationen andererseits. Bereits vor dem Attentat war die Situation in Europa angespannt. Industrialisierung und Militarisierung hatten die Länder stärker gemacht, alle Staatsoberhäupter rechneten mit einem baldigen Kriegsausbruch.

Vor allem Österreich-Ungarn drängte schon lange auf einen Angriff des annektierten Serbien, denn das Land versuchte die Macht des Kaisers zu unterminieren. Da war das Attentat von österreichisch-ungarischer Seite eine willkommener Anstoß zum Militärschlag, sagt der Historiker Gerd Krumeich: "Die Regierungen und Militärs der europäischen Länder waren ohnehin für einen Krieg bereit und suchten eine Gelegenheit, diesen zu beginnen."

Die militärische Situation im Jahr 1914 war geprägt von Allianzen, mit denen die Länder sich gegenseitig absicherten. So stand das Deutsche Reich dem Nachbarn Österreich-Ungarn mit uneingeschränkter Bündnistreue bei. Ein Anfang Juli ausgesprochener "Blankoscheck" der deutschen Regierung an Österreich-Ungarn signalisierten den übrigen europäischen Staaten Kriegsabsicht. Dem gegenüber stand die Triple Entente, ein Militärbündnis zwischen dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Russland.

Grafik: Militärbündnisse im Juni 1914
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Militärbündnisse im Juni 1914

"Serbien wurde international für das Attentat an dem Thronfolger-Ehepaar verantwortlich gemacht", so Krumeich. "Unter anderem auch deswegen, weil die Attentäter nach ihrer Verhaftung unglaublich viel über ihre politischen Ideen erzählten. Das half den Österreichern, Material gegen Serbien zu sammeln."

Österreich-Ungarn setzte nun gezielte Provokationen gegen Serbien: In einem 48-Stunden-Ultimatum vom 23. Juli wurde das Land dazu aufgefordert, die noch freien Mitglieder der Attentätergruppe festzunehmen und alle radikalen Vereine aufzulösen. Diese und weitere Forderungen waren so formuliert worden, dass sie für Serbien nicht annehmbar waren.

Daraufhin stellte Russland sich für den Fall militärischer Aggression von Österreich-Ungarn unmissverständlich an die Seite Serbiens.

Am 24. Juli forderte England die Regierungen von Russland, Frankreich, Deutschland und Italien zu Verhandlungen auf. Am 25. Juli antwortete Serbien auf das gestellte Ultimatum, erfüllte aber nicht alle von Österreich gestellten Bedingungen. Serbien begann mit einer Teilmobilmachung des Militärs.

Am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn Serbien noch während den Verhandlungen den Krieg, Russland machte ebenfalls teilmobil. Am 30. Juli waren sowohl Russland als auch Österreich-Ungarn im Kriegszustand.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Juni 2014 um 14:00 Uhr.

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