Blick auf das Zentrum von Riad | Bildquelle: REUTERS

Verurteilt wegen Terrorismus Saudi-Arabien exekutiert 37 Menschen

Stand: 23.04.2019 19:44 Uhr

Saudi-Arabien hat 37 Menschen hingerichtet. Sie wurden wegen Terrorismus verurteilt. Amnesty International zweifelt an den Gründen und vermutet politische Interessen hinter den Exekutionen.

In Saudi-Arabien sind nach Angaben des Innenministeriums 37 Staatsbürger wegen Straftaten mit Terrorismus-Bezug hingerichtet worden. Das berichteten der Sender Al-Echbarija und andere staatliche Medien. Die Hingerichteten seien alle für schuldig befunden worden, sich "terroristisches, extremistisches Denken angeeignet zu haben", hieß es. Sie hätten Chaos verbreiten und religiöse Konflikte provozieren wollen.

Mord an Regierungskritikern?

Amnesty International kritisierte die "Massenhinrichtung" und sprach von einer alarmierenden Eskalation von Todesurteilen in dem arabischen Königreich. "Es ist ein weiteres, grauenvolles Anzeichen dafür, wie die Todesstrafe als politisches Instrument missbraucht wird", teilte Lynn Maalouf von Amnesty International mit. Die Mehrheit der Hingerichteten komme aus der schiitischen Minderheit des Landes. Die Männer seien in Scheinverhandlungen verurteilt worden, die jeglichen internationalen Standards widersprächen.

Die Todesstrafen seien in der Hauptstadt Riad, den heiligen Städten Mekka und Medina, in der Provinz Kassim sowie in der Ost-Provinz vollstreckt worden, teilte das Innenministerium in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur SPA veröffentlichten Erklärung mit. Die Exekutierten hätten aus verschiedenen Landesteilen gestammt.

Der Al-Safah-Platz in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad erlangte traurige Berühmtheit, weil er für öffentliche Hinrichtungen genutzt wird. | Bildquelle: dpa
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Der Al-Safah-Platz in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad erlangte traurige Berühmtheit, weil er für öffentliche Hinrichtungen genutzt wird.

Unter den Hingerichteten seien elf Männer, die wegen Spionage für den Iran verurteilt worden seien, berichtete Amnesty. Mindestens 14 weitere Menschen seien wegen ihrer Teilnahme an Anti-Regierungsprotesten im Osten Saudi-Arabiens in den Jahren 2011 und 2012 verurteilt worden. Zu den Verurteilten zählte demnach auch ein junger Mann, der zum Zeitpunkt der Proteste erst 16 Jahre alt war. Nach internationalem Recht ist die Todesstrafe gegen Minderjährige verboten, wie Amnesty betonte.

Köpfen die häufigste Hinrichtungsmethode

Laut Nachrichtenagentur AFP wurde einer der Verurteilten gekreuzigt. Das ist eine Hinrichtungsart, die nur für besonders schwere Verbrechen vorgesehen ist. Die Nachrichtenagentur AP berichtete, alle Verurteilten seien enthauptet worden. Das Köpfen mit einem Säbel ist die häufigste Hinrichtungsmethode in Saudi-Arabien. Eine Leiche sei darüber hinaus mehrere Stunden lang öffentlich auf einem Pfahl zur Schau gestellt worden. Beide Agenturen beriefen sich auf Angaben aus dem Innenministerium.

Dass Hingerichtete öffentlich zur Schau gestellt werden, kommt in Saudi-Arabien zwar immer wieder vor, ist aber nicht die Regel. Menschenrechtler kritisieren ein solches Vorgehen. Die Regierung sieht darin hingegen eine effektive Abschreckung.

IS reklamierte zuvor Angriff in Al-Sulfi für sich

Offenbar stehen die Exekutionen in Zusammenhang mit einem Anschlag in Saudi-Arabien. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hatte gestern mitgeteilt, sie sei für einen Angriff auf ein Gebäude der Sicherheitskräfte in der saudischen Stadt Al-Sulfi am Sonntag verantwortlich. Dabei waren alle vier Angreifer getötet und drei Sicherheitsleute verletzt worden.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden 2018 in Saudi-Arabien 149 Menschen hingerichtet. Das ist ist die zweithöchste Anzahl nach dem Iran mit 253 Hinrichtungen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. April 2019 um 17:00 Uhr.

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