Eine Polizeiabsperrung nach einer Schießerei in Los Angeles. | Bildquelle: ETIENNE LAURENT/EPA-EFE/Shutters

Debatte über Polizeigewalt Polizisten schießen auf Schwarzen in Los Angeles

Stand: 02.09.2020 04:22 Uhr

In Los Angeles wird ein Schwarzer von Polizisten angeschossen und stirbt. Nun sind viele Fragen offen. Vor dem Hintergrund anhaltender Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus sorgt der Fall für Aufsehen.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Montagabend in Los Angeles: Kurz nachdem bekannt wurde, dass der 29-jährige Dijon Kizzee durch Schüsse von Polizisten verletzt wurde, versammeln sich knapp hundert Menschen im Stadtteil Westmont. Die Demonstranten wollen Antworten in einem Fall, der noch viele Unklarheiten bereithält.

Nach Polizeiangaben hatten Beamte Kizzee auf seinem Fahrrad angehalten, weil er gegen Regeln im Straßenverkehr verstoßen haben soll. Welche? Diese Details gab die Polizei bisher noch nicht heraus. Dann soll der 29-jährige davongerannt sein und einem Beamten, der hinterhereilte, ins Gesicht geschlagen haben - dabei habe er Gegenstände verloren, auch eine halbautomatische Waffe. Daraufhin habe die Polizei geschossen.

Videos von Polizei-Bodycams gibt es nicht

Augenzeugen berichtendem Lokalsender ABC7, er habe keine Waffe, sondern ein Telefon dabeigehabt. Er sei "wegen Nichts" gestorben, sagt eine Anwohnerin.

20 Schüsse seien insgesamt abgefeuert worden, hieß es vom Anwalt der Familie, der nun eingeschaltet wurde. Die Polizei bestreitet das.

Eine Autopsie soll Klarheit bringen. Bodycams, also Kameras, die das Geschehene aus Polizistensicht mitfilmen, gibt es nicht. Zwar sind die Kameras zum Teil schon verbreitet, in Los Angeles aber eben nicht überall.

Ein Handyvideo kursiert im Netz, zeigt aber nicht den Vorfall selbst, sondern den am Boden liegenden Kizzee. Menschen ringsum auf der Straße befragen und beschimpfen die Polizei.

Kizzees Familie geht von rassistischer Polizeigewalt aus

Westmont ist eine Gegend im südlichen Los Angeles, in der mehrheitlich Latinos und Schwarze wohnen. Für viele Menschen dort scheint schon klar zu sein, was passiert ist: rassistisch motivierte Polizeigewalt. Die Schüsse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Stimmung in den USA aufgeladen ist. Die Schüsse auf Jacob Black in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin hatten zuletzt für Proteste und Ausschreitungen gesorgt.

Auch die Familie des toten Kizzee glaubt, dass Vorurteile und Rassismus dazu beigetragen hätten, dass die Polizisten auf ihn geschossen haben. Seine Familie hat bereits den Anwalt eingeschaltet, der beispielsweise auch die Familien von Jacob Blake und George Floyd oder Breonna Taylor vertritt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass der Schwarze Jacob Blake in Kenosha von Polizisten erschossen wurde. Das ist falsch. Er wurde angeschossen und schwer verletzt.

Wieder Rassismus? Polizeischüsse auf Schwarzen in Los Angeles
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
02.09.2020 06:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2020 um 05:41 Uhr.

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