Medizinisches Personal in einem Krankenhaus in Stockholm | Bildquelle: AFP

Corona-Pandemie Schweden überprüft seinen Sonderweg

Stand: 02.07.2020 22:44 Uhr

Die Corona-Pandemie hat Schweden hart getroffen - das Land verzeichnet eine wesentlich höhere Sterberate als seine Nachbarländer. Auch viele Schweden hadern mit dem Sonderweg der Regierung. Die lässt das Corona-Krisenmanagement jetzt überprüfen.

Schweden ist in der Corona-Pandemie einen Sonderweg gegangen - und steht deswegen in der Kritik. Jetzt hat die Regierung eine Überprüfung des Krisenmanagements angekündigt. Sie beauftragte die staatlich finanzierte Schwedische Agentur für Verteidigungsforschung (FOI) mit der Analyse.

Bereits am Mittwoch hatte die Agentur einen Bericht vorgelegt, in dem eine mangelnde Vorbereitung Schwedens auf die Corona-Krise beklagt wurde - obwohl es mehrere "Warnschüsse" gegeben habe. Trotz der Erfahrung anderer Epidemien wie SARS, der Vogelgrippe und der Schweinegrippe habe es in Schweden wie auch in anderen Ländern "eine unvollständige Vorbereitung gegeben, als die Corona-Pandemie einschlug", stellten die FOI-Experten fest. Die Corona-Pandemie habe Schwächen im schwedischen Krisenmanagement und der "Robustheit der Bevölkerung ans Licht gebracht". 

Die Autoren des Berichts kritisierten auch unzureichende Schutzbekleidung sowie einen Mangel an medizinischer Ausrüstung. Unterbrechungen in den Lieferketten deuteten demnach zudem auf einen Mangel an "Planung auf oberster Ebene" hin.

Empfehlungen für die Bürger

Anders als die meisten anderen europäischen Staaten verhängte Schweden keine Ausgangsbeschränkungen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Schulen, Cafés, Bars, Restaurants und die meisten Unternehmen blieben geöffnet. Inzwischen verzeichnet das nordeuropäische Land mit seinen 10,2 Millionen Einwohnern eine wesentlich höhere Sterberate als seine skandinavischen Nachbarländer.

Nach offiziellen Angaben wurden seit Beginn der Pandemie mehr als 70.000 Infektionen nachgewiesen, mehr als 5400 Menschen starben. In Norwegen starben bislang 250 Menschen, in Dänemark 600 und in Finnland 325.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Juli 2020 um 10:08 Uhr.

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