Samizelt mit Hundeschlitten | Bildquelle: imago stock&people

Urteil in Schweden Samen kämpfen um Jagdrechte

Stand: 23.01.2020 04:31 Uhr

Seit über zehn Jahren kämpfen die indigenen Samen in Schweden um ihre Fischerei- und Jagdrechte. Doch bei dem langen Kampf, über den nun das Oberste Gericht entscheidet, geht es um mehr.

Von Alina Sölter, ARD-Studio Stockholm

Wer darf die Fischerei- und Jagdrechte im Gebiet des Girjas Sameby vergeben? Über diese Frage wollen die Rentierzüchter im schwedischen Lappland selbst entscheiden. Seit Tausenden von Jahren haben die Samen hier gejagt, gefischt und das Land als Weideland genutzt. Bis der schwedische Staat kam. Oder wie es Matti Berg, der Vorsitzende des Girjas Sameby ausdrückt: "Bis im Zuge der Industrialisierung und Kolonalisierung andere hierher kamen und damit anfingen, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören." Man hört ihm seine Verbitterung deutlich an. Etwa 12.000 Rentiere weiden auf dem samischen Gebiet zwischen dem schwedischen Gällivare und Kiruna.

2009 reichte die Gemeinschaft der Samen von Girjas Klage gegen den schwedischen Staat ein. Sie wollte klären lassen, wer das Recht hat, Jagd- und Fischereilizenzen auf ihrem Gebiet zu vergeben. Erst fünf Jahre später entschied das Bezirksgericht in Gällivare zugunsten der Samen. Doch ein Ende des Rechtsstreites war damit nicht in Sicht: Der schwedische Staat legte Berufung gegen das Urteil ein.

Leute der indigenen Samen treiben in der Nähe von Dikanaess eine Rentierherde zusammen. | Bildquelle: AFP
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Das indigene Volk der Samen (früher auch Lappen genannt) lebt in Schweden, Norwegen, Finnland und Russland - in einem Gebiet, das meist als Lappland bezeichnet wird, tatsächlich aber weit darüber hinaus geht. Die meisten Samen leben von der Rentierzucht.

Unklarheiten nach erster Urteilsverkündung

Während der Rechtsstreit zwischen Schweden und dem Girjas Sameby in die nächste Runde ging, zogen die Samen und der Schwedische Jägerverbund unterschiedliche Schlussfolgerungen aus dem Urteil - denn die Frage, wie das Land in der Praxis verwaltet wird, wurde nicht eindeutig geklärt.

Das Jagen und Fischen gehört neben der Rentierzucht zur samischen Lebensweise. Eine Tradition, die weit in jene Zeit zurückgeht, als noch keine festen Staatsgrenzen existierten. Für den schwedischen Staat geht es inzwischen aber um weit mehr als Fischerei- und Jagdlizenz. Es geht ihm um die Entwicklung der dünnbesiedelten Landesteile im Norden. "Der Staat sagt, man sei formaler Besitzer des Landes und habe damit auch das Recht, Jagd- und Fischlizenzen zu vergeben", erklärt Matti Berg. "Die Samen sagen aber: 'Wir hatten diese Rechte schon, bevor der Staat anfing zu existieren. Er kann diese Rechte also gar nicht besitzen.'"

Sami-Frau beim Eislochfischen im lappländischen Wildniscamp Vuotisjärvi
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Das Jagen und Fischen (wie hier an einem Eisloch) gehört zur Lebensweise der Samen. Die Tradition gab es schon, als noch keine festen Staatsgrenzen existierten.

Rechtsstreit dauert schon zehn Jahre

Schweden ist völkerrechtlich dazu verpflichtet, die Rechte seiner samischen Urbevölkerung zu schützen. Doch im Gegensatz zu den Nachbarn Norwegen und Dänemark hat das Land die dafür entscheidende Konvention 162 der Vereinten Nationen bis heute nicht unterzeichnet.

"Die Art, auf die die Samen seit langer Zeit das Land nutzen, ist nur schwer mit dem heutigen Bedarf an Windkraftanlagen, Bergbau oder auch Tourismus zu vereinbaren. Das gibt immer wieder Konflikte. Und deshalb ist es wichtig, dass wir Klarheit bekommen, wo hier die Rechte liegen", sagt Mari Heidenborg, Vertreterin des schwedischen Staates in dem Verfahren.

Für die Samen geht es um viel mehr

Doch für die Samen geht es im Prozess um weitaus mehr. Die Art und Weise wie Schweden mit den Sami umgeht, sei doch ein Wegweiser für den Rest der Welt. Es gehe auch um die Frage: "Wie wollen wir mit diesem Planeten umgehen, damit er auch in Zukunft bewohnbar bleibt? Wie schützen wir unsere natürlichen Ressourcen?", sagt Matti Berg, der Sami-Vorsitzende.

Nun hat der Fall nach zehn Jahren die letzte Instanz in Schweden erreicht - möglich jedoch, dass sich auch noch der Europäische Gerichtshof damit befasst. Das Urteil ist ein Präzedenzfall für die übrigen Sami-Gemeinschaften und dafür, welche Rolle die Urbevölkerung im Norden Schwedens in Zukunft spielen wird.

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