Der US-Rapper ASAP Rocky | Bildquelle: AFP

Der Fall ASAP Rocky Schweden kontert Trump-Tirade

Stand: 26.07.2019 13:49 Uhr

Seit Tagen übt US-Präsident Trump im Fall des inhaftierten US-Rappers ASAP Rocky Druck auf die schwedische Regierung aus. Diese reagiert nun betont nüchtern - mit einem Verweis auf den Rechtsstaat.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

"Schaut, was in der vergangenen Nacht in Schweden passiert ist!" Obwohl man vom US-Präsident Donald Trump ja so Einiges gewohnt ist, galt dieser Ausfall aber als mit der Schrägste: Im Februar 2017 wetterte Trump gegen die hohe Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge in Teilen Europas und ihre Folgen. Nur - in Schweden war noch gar nichts passiert.

Diesmal ist etwas passiert und es gibt zwei Sichtweisen dazu: Die des US-Präsidenten, der den Rapper ASAP Rocky und zwei seiner Begleiter für unschuldig hält. Und die der schwedischen Staatsanwaltschaft, die die drei Männer gestern wegen mutmaßlicher Körperverletzung angeklagt hat. Sie waren Anfang Juli in Stockholm in eine blutige Schlägerei verwickelt und dabei gefilmt worden.

Trump von Löfven "tief enttäuscht"

ASAP Rocky, bürgerlicher Name Rakim Mayers, hat in Vernehmungen die Beteiligung an der Schlägerei zugegeben, beruft sich aber auf Notwehr. Wegen Fluchtgefahr hatte ein Richter Untersuchungshaft angeordnet. Und um diese geht es Trump.

Er hatte am vergangenen Wochenende mit Schwedens Regierungschef Stefan Löfven telefoniert und Rockys Freilassung gefordert. Nun zeigt er sich nach der offiziellen Anklageerhebung von Löfven "tief enttäuscht": Schweden habe die afroamerikanische Gemeinschaft in den USA im Stich gelassen, twitterte er, und wörtlich weiter: "Wir tun so viel für Schweden, aber andersherum scheint das nicht so zu laufen."

Ein Mann hängt in Stockholm Plakate auf mit der Forderung, den US-Rapper ASAP Rocky freizulassen | Bildquelle: AP
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Auf Plakaten wird auch in Stockholm Freiheit für den inhaftierten Rapper gefordert.

"Jeder ist vor dem Gesetz gleich"

Die Reaktionen darauf sind schwedisch kühl. Löfven ließ schriftlich erklären, dass hier jeder vor dem Gesetz gleich sei und die Regierung sich nicht in laufende Gerichtsverfahren einmischen könne.

Trotzdem spürt man den Druck, besonders Karin Olofsdotter, schwedische Botschafterin in Washington. Sie musste ihren Urlaub abbrechen und versucht, in Gesprächen mit amerikanischen Politikern die Wogen zu glätten. Bisher ohne Erfolg, sagte sie im Fernsehsender SVT: "Es sieht so aus, als ob sie Probleme hätten mit unserem Rechtssystem. Dass es da keine Kaution gibt, keine Freilassung bei Hinterlegung des Reisepasses. Nichts, was man tun kann, wenn eine Person in Untersuchungshaft sitzt. Dieses Unverständnis ist immer noch da."

Ob die Amerikaner nach der neuesten Trump-Tirade alle Schweden für Rassisten hielten, wurde sie dann weiter gefragt: "Nein, das glaube ich nicht. Wir haben eines der besten Rechtssysteme der Welt und sind unter den ersten fünf, was Rechtssicherheit angeht."

Neues Filmmaterial als Beweis

Allerdings ist die schwedische Untersuchungshaft auch im Land umstritten. Verdächtige können jahrelang im Gefängnis sitzen und das in weitgehender Isolation. Die Vereinten Nationen, auch der Europarat kritisieren das immer wieder.

Aber das hat für Staatsanwalt Daniel Suneson nichts mit dem Fall ASAP Rocky zu tun. Er will im Prozess, der am Dienstag beginnt, neue Beweise vorlegen, darunter Filmmaterial, das laut Medienberichten zeigt, wie die drei Angeklagten einen Mann zu Boden reißen und ihn unter anderem mit einer zerbrochenen Flasche attackieren. Schwedische Sender zeigen Bilder des stark blutenden mutmaßlichen Opfers.

Trumps Tweet stößt deshalb hier überwiegend auf Unverständnis. Man sieht sie Sache eher wie der Staatsanwalt, der sich im Radio zum Druck aus den USA äußerte: "Natürlich lese ich Zeitungen und schaue Nachrichtensendungen. Aber diese Medienberichte beeinflussen mich nicht bei der Anklage der drei Männer in diesem Fall!"

Schweden reagiert kühl auf Trumps Tweet im Fall ASAP Rocky
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
26.07.2019 13:05 Uhr

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