Frauen frühstücken auf der Brücke von Bessieres während des Frauenstreiks. | Bildquelle: dpa

Streik in der Schweiz Frauen legen ihre Arbeit nieder

Stand: 14.06.2019 12:19 Uhr

Frauen in der Schweiz protestieren heute gegen Diskriminierung in Wirtschaft und Gesellschaft und legen dazu die Arbeit nieder. Der entscheidende Moment des landesweiten Streiks wird um 15.24 Uhr sein.

Frauen in der Schweiz streiken für bessere Bezahlung, mehr Gleichberechtigung und weniger sexuelle Belästigung. Um 15.24 Uhr sollen sie ihren Arbeitsplatz verlassen - denn ab dann arbeiteten sie nach Angaben der Organisatoren gerechnet auf einen durchschnittlichen achtstündigen Arbeitstag im Gegensatz zu Männern umsonst. Das Motto der Aktion: "Lohn. Zeit. Respekt". Geht es nach den Organisatoren, sollen die Teilnehmerinnen auch keine Einkäufe machen und Restaurantbesuche absagen, um die wirtschaftlichen Folgen zu verstärken.

Frauen klettern auf Kathedrale

Es ist der erste derartige Protest in der Schweiz seit 28 Jahren. Er geht mit Unzufriedenheit wegen Sexismus und nicht vorhandener Gleichberechtigung am Arbeitsplatz einher. Schon gegen Mitternacht versammelten sich Hunderte an der Kathedrale der Stadt Lausanne und marschierten in die Innenstadt. Sie machten Feuer und warfen Gegenstände wie Krawatten und Büstenhalter in die Flammen. Mehrere Frauen kletterten auf die Kathedrale, um die Stunde auszurufen.

Frauen zünden im Rahmen ihrer Demonstration in Lausanne Gegenstände wie Krawatten und Büstenhalter an. | Bildquelle: AP
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Frauen zünden im Rahmen ihrer Demonstration in Lausanne Gegenstände wie Krawatten und Büstenhalter an.

Probleme mit Familie und Job

Auch woanders stehen große Demonstrationen an: So ist in Bern ein Umzug mit Kinderwagen geplant. In Schaffhausen wollen Frauen mit pinkfarbenen Strickmützen, sogenannten Pussyhats, im Rhein schwimmen. Und in Luzern wollen sich Frauen zum Kickboxen treffen.

Vorbild für den heutigen Streiktag bildet eine ganz ähnliche Aktion im Jahr 1991. Damals beteiligten sich eine halbe Million Frauen. Danach wurde in der Schweiz unter anderem ein Gleichstellungsgesetz beschlossen, eine Mutterschaftsurlaubsregelung eingeführt und Erziehungszeiten bei der Rentenversicherung anerkannt.

Auch wenn in der Schweiz die Gleichstellung seit 1981 gesetzlich verankert ist, werden Frauen in verschiedenen Bereichen nach wie vor benachteiligt. So werden sie oft schlechter bezahlt als Männer. Die Arbeitswelt macht es zudem schwierig, Familie und Job unter einen Hut zu bekommen. Und Frauen sind stärker als Männer von Armut betroffen.

Mit Informationen von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Über dieses Thema berichtete NDR Info in den Nachrichten am 14. Juni 2019 um 12:45 Uhr.

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