Das schwimmende Atomkraftwerk mit dem Namen Akademik Lomonossow liegt am in einem Hafen in der Stadt Murmansk.  | Bildquelle: dpa

"Akademik Lomonossow" in Murmansk Schwimmendes AKW in See gestochen

Stand: 23.08.2019 14:28 Uhr

Das erste schwimmende Atomkraftwerk der Welt - die "Akademik Lomonossow" - hat den Hafen von Murmansk verlassen und eine 5000 Kilometer lange Reise angetreten. Ziel ist eine kleine Stadt in Ostsibirien.

Von Sabine Stöhr, ARD-Studio Moskau

Die "Akademik Lomonossow" ist bereit für die 5000 km lange Reise durch das Nordpolarmeer in den äußersten Nordosten Russlands. Eine schwimmende Plattform mit einem großen Kasten drauf. Strahlend weiß gestrichen mit Streifen in Rot und Blau, den Farben Russlands. Die beiden kleinen Reaktoren sind im Hafen von Murmansk mit Brennstäben bestückt worden. Ihre Leistung zusammen: 70 Megawatt, das ergibt Strom für eine Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern.

Schwimmendes Atomkraftwerk in Russland auf dem Weg nach Ostsibirien
tagesschau 16:00 Uhr, 23.08.2019, Ina Ruck, ARD Moskau

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Industriegebiete mit Strom versorgen

Russland habe da großen Bedarf, erklärt einer der stellvertretenden Direktoren des Projektes bei einer kleinen Pressekonferenz an Bord: In fast drei Viertel des Staates gäbe es keine zentrale Energieversorgung, deshalb seien solche Projekte von entscheidender Bedeutung. Es sei wichtig, so erklärt der stellvertretende Direktor weiter, Industriegebiete ohne einen anderen Zugang zu Strom zu versorgen. Dabei gehe es vor allem darum, die arktischen Regionen zu entwickeln, das sei eine der Hauptstrategien Russlands.

Die "Akademik Lomonossow" soll nach Pewek, einer Siedlung mit etwa 5000 Einwohnern, 350 km nördlich des Polarkreises ganz im kalten Nordosten des Landes, gar nicht weit von Alaska, gebracht werden. Das schwimmende Kraftwerk macht Russland Hoffnung, in abgelegene Regionen an bisher nicht erschließbare Bodenschätze zu kommen. Die Klimaerwärmung macht dies immer leichter.

Atomare Katastrophe sei unmöglich

Für die Sicherheit des ersten schwimmenden Kleinkraftwerks habe man alles getan, versichern die Vertreter des verantwortlichen Staatskonzerns Rosatom. In Russland gäbe es sonst keine derart unsinkbaren Schiffe. Durch eine entsprechende Konstruktion könne kein Wasser ins Innere des schwimmenden Kraftwerks dringen. Alles werde durch die Vorschriften der Seeschifffahrt und der russischen Technikbehörde reguliert.

Ein Mitarbeiter schaut in den Maschinenraum des schwimmenden Kernkraftwerks. | Bildquelle: REUTERS
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Für die Sicherheit des schwimmenden Atomkraftwerks habe man alles getan, versichern die Vertreter des Staatskonzerns Rosatom.

Eine Katastrophe sei so praktisch unmöglich, erklären die Vertreter von Rosatom. Die Akademik Lomonossow habe eine doppelte Hülle und doppelten Boden. Die Crew sei für den Unglücksfall ausgebildet worden. Die benutzten Brennstäbe könnten sicher am Kraftwerk gelagert werden, würden gut alle zehn Jahre abgeholt und am Ural entsorgt.

"Nukleare Titanic" oder "Schwimmendes Tschernobyl"

Umweltaktivist Jurij Ivanov aus der Region Murmansk ist allerdings sehr skeptisch: "Jetzt wollen sie das schwimmende Kraftwerk über das Nordpolarmeer ziehen. Wir machen uns große Sorgen, zum Beispiel wegen der Gefahr durch die vielen Eisberge dort."

Greenpeace spricht daher auch von der "Nuklearen Titanic" oder einem "Schwimmenden Tschernobyl", obwohl die Reaktoren der "Akademik Lomonossow" kleiner sind. Dennoch: Sollte es zu einem Unfall kommen, würde mindestens das Meerwasser über Jahre verstrahlt. Umweltaktivist Ivanov stellt außerdem die Effizienz des schwimmenden Kraftwerks in Frage: "Für das Ganze hat Russland allein nach offiziellen Angaben 46 Milliarden Rubel ausgegeben. Und es kann nicht mal selbst fahren." Die Summe entspricht mehreren Hundert Millionen Euro.

Neue Ära der Energieversorgung?

Schafft es das erste schwimmende Atomkraftwerk bis in den Nordosten Russlands, beginnt eine neue Ära der dezentralen Energieversorgung. Die "Akademik Lomonossow" soll eine Lebensdauer von etwa 40 Jahren haben und ist die größte Konstruktion einer ganzen Serie. Bedarf hierfür gibt es auf dem Weltmarkt genug, glaubt der verantwortliche russische Staatskonzern Rosatom. Offenbar hat der Sudan schon Interesse angemeldet.

Erstes schwimmendes Atomkraftwerk verlässt Hafen von Murmansk
Sabine Stöhr, ARD Moskau
23.08.2019 12:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. August 2019 um 14:00 Uhr.

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