Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer durch die "Sea-Watch 3"  | Bildquelle: via REUTERS

Deutsches Rettungsschiff Italien verbietet Auslaufen der "Sea-Watch 3"

Stand: 09.07.2020 11:15 Uhr

Das deutsche Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 3" muss vorerst im Hafen von Porto Empedocle auf Sizilien bleiben. Offizieller Grund sind technische Mängel - die Hilfsorganisation spricht dagegen von "Schikane".

Italienische Behörden haben das deutsche Rettungsschiff "Sea-Watch 3" vor dem sizilianischen Hafen Porto Empedocle festgesetzt. Die Küstenwache habe bei einer Inspektion technische und operative Mängel festgestellt, welche die Sicherheit des Schiffs sowie der Besatzung und geretteter Migranten beeinträchtigten, teilte das italienische Innenministerium mit. Deshalb dürfe das Schiff vorerst nicht auslaufen.

Weiter beanstandeten die Experten einige Verstöße gegen Umweltschutzbestimmungen. Die Überprüfung durch die italienische Küstenwache sei "im Rahmen üblicher Kontrollen" erfolgt und auch von internationalen Konventionen vorgesehen, betonte das Innenministerium.

Seenotretter reagieren entsetzt

Die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch sprach dagegen von einem "neuen Trick", um Rettungsschiffe im Mittelmeer am Auslaufen zu hindern. Die technischen Mängel seien vorgeschoben und "offensichtliche Schikane", sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer. Um welche Mängel es sich handle, sei Sea-Watch noch nicht mitgeteilt worden. Neugebauer zeigte sich überzeugt, dass das Rettungsschiff sicher und einwandfrei sei und korrekte Papiere habe.

Er äußerte die Befürchtung, dass die italienischen Behörden eine andere Klassifizierung des unter deutscher Flagge fahrenden Schiffs nach italienischem Recht verlangen könnten: "Das wäre ein komplexes Prozedere."

Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer durch die Sea-Watch-3 | Bildquelle: via REUTERS
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Erst im Juni hatte das Schiff Hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet.

Gerade erst Flüchtlinge gerettet

Die "Sea-Watch 3" hatte am 21. Juni 211 gerettete Schiffbrüchige nach Porto Empedocle gebracht, die dort anschließend auf einer Passagierfähre in Quarantäne kamen. Das Einsatzschiff der deutschen Organisation ankert derzeit vor dem Hafen. Im vergangenen Jahr wurde die "Sea-Watch 3" bereits mehrere Monate von italienischen Justizbehörden beschlagnahmt, nachdem die damalige Kapitänin Carola Rackete 40 Migranten nach Lampedusa gebracht hatte.

"Sea-Watch 3" darf vorerst nicht auslaufen
Lisa Weiß, ARD Rom
09.07.2020 11:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 09. Juli 2020 um 12:05 Uhr.

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