Die von der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye herausgegebene Aufnahme zeigt das Seenotrettungsschiff "Alan Kurdi". | Bildquelle: dpa

Rettungsschiff vor Italien Quarantäneschiff für "Alan Kurdi"-Migranten

Stand: 12.04.2020 14:33 Uhr

Wegen Corona darf das Rettungsschiff "Alan Kurdi" nicht in Italien anlegen. Die 150 Geretteten an Bord sollen nun aber mithilfe der Küstenwache auf ein anderes Schiff gebracht werden. Dort werden sie unter Quarantäne gestellt.

Für das private deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" mit knapp 150 Migranten an Bord zeichnet sich eine vorläufige Lösung ab. Die Geretteten sollen "in den nächsten Stunden" auf ein anderes Schiff verlegt und dort unter Quarantäne gestellt werden, wie das italienische Verkehrsministerium mitteilte.

Das Schiff befindet sich derzeit in internationalen Gewässern vor der italienischen Küste.

Bislang keiner an Covid-19 erkrankt

Bei der Verlegung der Geflüchteten soll die italienische Küstenwache technische Unterstützung leisten. Auf dem Schiff würden die Menschen vom italienischen Roten Kreuz und von Gesundheitsbehörden untersucht. Wegen der Corona-Pandemie könnte dies nicht in einem italienischen Hafen erfolgen. Laut der Bordärztin ist bisher kein Crewmitglied und auch keiner der Geretteten an Covid-19 erkrankt.

Die "Alan Kurdi" der Organisation Sea-Eye hatte am vergangenen Montag vor der libyschen Küste insgesamt 150 Menschen aus zwei Holzbooten übernommen. Einen der Migranten hatte die italienische Küstenwache bereits aus gesundheitlichen Gründen abgeholt.

Sea-Eye: "Wir wären für eine solche Lösung sehr dankbar"

Der Sprecher von Sea-Eye, Gorden Isler, begrüßte die Übernahme der Migranten. "Wenn die italienische Küstenwache die geretteten Menschen an Bord der 'Alan Kurdi' übernähme, würde diese Pattsituation endlich ein Ende haben", sagte Isler der Nachrichtenagentur dpa am Telefon. Die großen Schiffe der italienischen Küstenwache seien viel besser geeignet und die Geretteten dort sicher. "Wir wären für eine solche Lösung sehr dankbar", sagte Isler weiter.

Unklar bleibt, wo die Migranten letztlich an Land gehen können. Die Regierung in Rom sieht Deutschland als Flaggenstaat der "Alan Kurdi" in der Pflicht. Italien und Malta hätten schon frühzeitig private Seenotrettungsorganisationen gewarnt, dass ihre Häfen für Flüchtlingsschiffe wegen der Corona-Krise geschlossen seien.

Die Bundesregierung hatte die EU-Kommission um "koordinierende Unterstützung" gebeten bei der Frage, wo die Flüchtlinge an Land gehen könnten, wie ein Sprecher am Freitag sagte. Das Bundesinnenministerium hatte erklärt, die Bundesregierung prüfe alternative Orte, an denen die Menschen eventuell an Land gehen könnten und stehe dazu in Kontakt mit verschiedenen europäischen Partnern.

Unterstützung vom Papst

Unterdessen wandte sich Papst Franziskus in einem Schreiben an italienische Seenotretter und sagte seine Unterstützung zu. "Danke für alles, was ihr tut. Ich möchte euch sagen, dass ich immer bereit bin, euch zu helfen. Zählt auf mich", zitierte Sea-Eye aus dem Schreiben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. April 2020 um 16:00 Uhr.

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