Frauen mit Mundschutz stehen im Miniaturwunderland Tokio | Bildquelle: ARD-Tokio

"Smallworlds" eröffnet Auch Tokio hat jetzt sein Wunderland

Stand: 11.06.2020 19:43 Uhr

Das Miniatur Wunderland in Hamburg ist seit Jahren ein Erfolg. Nun gibt es einen Nachahmer: "Smallworlds" in Tokio. Mini-Biergarten oder Airport haben beide. Doch Tokio setzt auch auf Lokales und Regionales.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Rot-weiße Sonnenschirmchen, Strandliegen und dahinter die Kathedrale von Dubrovnik, die sich hebt und senkt. Mit großen Augen stehen die Bewohner vor dieser Kulisse und vor den engen Straßen Hongkongs, in denen es glitzert.

"Man kann hier verschiedene Länder sehr nah kommen und Fotos machen. Da fühlt man sich, als sei man dort gewesen, toll", sagt Mahoko, eine der Besucherinnen in den "Smallworlds". Und gerade in Coronazeiten komme man so auf andere Gedanken. Sie ist zusammen mit ihrer Freundin Yoko in die Miniaturwelt gekommen. "Mir gefällt vor allem Hongkong wegen der vielen bunten Reklameschilder", sagt Yoko.

Blick ins Miniaturwunderland Tokio | Bildquelle: ARD-Tokio
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Viele kleine LEDs beleuchten die "Smallworlds" bei Nacht.

Hongkong - ohne Demonstranten

Den Nachbau Hongkongs - hier übrigens ohne Demonstranten - hat Ryo Yamashita mit sechs Kollegen gebaut. Neun Monate haben sie an den Häusern aus Papier und den Figuren aus Harz gefeilt. "Am schwierigsten waren die Reklameschilder", erzählt er. "Es gibt hier 600 solcher Schilder und mehr als 10.000 LED-Lampen.

Yasuhiro ist ebenfalls total begeistert von der Detailarbeit und fragt sich: Wie bloß ist es möglich, dass dauernd Autos und Räder wie von Geisterhand durch die Miniaturlandschaft fahren: "Ich würde gern den Entwickler mal fragen - aber andereseits: Wenn ich das weiß, dann ist vielleicht auch die Faszination weg."

Männer mit Latzhose - Flieger ohne Passagiere

Aber tatsächlich war das eine der größten Herausforderungen der Miniaturlandschaft, verrät Mitarbeiter Ryo Yamashita. "Unter den Fahrbahnen befindet sich ein spezielles Mittel, das auf Magnete reagiert. Die Autos haben unten Magnete und können so fahren, und vorn befindet sich ein Sensor, damit es nicht mit anderen zusammenstößt."

Nachgebaut wurde alles im Maßstab 1:80 - versehen mit liebevollen Details. So heben in einem Biergarten auf Knopfdruck ein paar Männer in Latzhosen einen Bierkrug in die Höhe, an anderer Stelle füttert ein Bauer seine Hühner. Fast traurige Realität sieht man am nachgebauten Flughafen. Scheinbar ohne Passagiere heben die Flieger ab.

In den "Smallworlds" kann Tokio versinken

Neben der Realität wurden auch Fantasiewelten aus bekannten japanischen Anime-Filmen nachgebaut - zum Beispiel "Tokyo III". Mitsuko Murakami von "Smallworlds" erklärt die Szene: "Tokio ist einst untergegangen und wurde dort, wo heute Hakone steht, als eine Art Festungsstadt neu aufgebaut. Sie ist gegen Katastrophen gerüstet. Im Falle einer Invasion fahren die Gebäude in den Schutz der Erde hinunter. Es ist eine Stadt der Zukunft."

Mit lautem Krach fährt Tokio herunter - eine Vision, vielleicht auch ein Wunschdenken. Denn für die japanische Hauptstadt wird in den nächsten Jahrzehnten ein schweres Erdbeben vorausgesagt. Dann wäre es schön, wenn die Stadt schadlos in der Versenkung verschwinden könnte.

Smallworlds - größtes Miniaturwunderland der Welt in Tokio
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
11.06.2020 15:44 Uhr

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