Teilnehmer einer Demonstration in Teheran verbrannten eine Fahne der USA.  | Bildquelle: AFP

Nach Tod Soleimanis Trauer und Hass im Iran

Stand: 03.01.2020 18:18 Uhr

Der Oberste Führer des Iran hat nach der Tötung des Generals Soleimani drei Tage Staatstrauer ausgerufen. Tausende gingen im ganzen Land auf die Straßen. Trauer mischte sich mit Wut und Hass.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Es ist ein Bild, das wir von iranischen Generälen kaum kennen. Der Sprecher der Revolutionsgarden gibt im staatlichen Fernsehen ein Interview und bricht dabei in Tränen aus. Der Moderator muss ihn trösten. Es zeigt, der Iran ist geschockt von der Tötung des Kommandeurs der Al-Kuds-Brigaden, einer Eliteeinheit der Revolutionsgarden.

Hunderttausende sollen heute in mehreren Städten des Iran auf die Straße gegangen sein. Menschen trugen große Fotos von Kassem Soleimani mit sich. Im Rahmen der Freitagsgebete gab es Kundgebungen. Dabei schlug die Trauer auch in Hass um - Hass auf die USA und Israel: "Nieder mit den USA, nieder mit Israel" stand auf Plakaten.

Tausende nahmen an Demonstrationen im Iran teil, nachdem General Soleimani getötet worden war. | Bildquelle: AFP
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Tausende nahmen an Demonstrationen in Teheran teil.

"Mehr Hass denn je"

"Ich glaube, das wird die Menschen im Iran und Irak noch mehr zusammenschweißen. Und Amerika wird mehr gehasst werden denn je. Man wird den USA gegenüber wachsamer sein und ihnen vereint entgegentreten", meint ein Teheraner gegenüber dem ARD-Mitarbeiter vor Ort.

Kaum einer hatte wohl mit so einem massiven Schritt der USA gerechnet. Die Gefahr, dass der Konflikt zwischen Washington und Teheran eskalieren könnte, ist groß, sagen nicht nur Experten. Ein Iraner zeigt sich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters fassungslos: "Wie dumm muss man sein, um so etwas zu machen. Ich glaube, im Nahen Osten ist der Iran ein Stabilitätsfaktor. Und einer, der darauf starken Einfluss hatte, war Soleimani."

Zehntausende demonstrieren in Teheran ihren Hass auf die US-Amerikaner
tagesthemen 21:45 Uhr, 03.01.2020, Marie-Kristin Boese, SWR

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Irans Außenminister spricht von "Staatsterrorismus"

Außenminister Mohammad Javad Zarif war einer der ersten, der am Morgen mit einem Tweet reagierte und von einer dummen Eskalation schrieb. Später lobte er die Verdienste Soleimanis und des getöteten irakischen Milizenführers: "Beide spielten eine wichtige Rolle im Kampf der Menschen im Irak und in Syrien gegen die Terrormiliz IS. Vielleicht spiegelt die Tat der Amerikaner nur ihren Hass wieder."

Auch Zarif warnte vor einer Eskalation. Er sprach von einer feigen Tat. Sie zeige die Verzweiflung der USA in ihrer Nahost-Politik: "Das Vorgehen der USA hat zweifellos das Potential von Staatsterrorismus. Die Souveränität des Irak wird verletzt. Man hat die getötet, die ihr ganzes Leben dem Kampf gegen Unterdrückung und Unglauben gewidmet haben."

Kaum mäßigende Worte

Mäßigende Worte sind heute im Iran so gut wie nicht zu hören. Im Gegenteil. Der iranische schiitische Geistliche Majtaba Zannouri sagte im Staatsfernsehen: "Sie wissen, dass das Feuer, das Trump entfacht hat, auf die Amerikaner in der Region zielen wird." Eine Entscheidung des obersten nationalen Sicherheitsrats über Konsequenzen steht noch aus.

Zannouri legte aber nach: "Wir werden ihre Verbrechen nicht unbeantwortet lassen und sie, wo auch immer wir sie erreichen können, verfolgen. Ob im Persischen Golf, in den Ländern dieser Region, im Golf von Oman, im Indischen Ozean oder auf den Wasserstraßen, die wir kontrollieren. Wir können 36 US-Stützpunkte in der Region erreichen. Wenn die USA es auf unsere Truppen in anderen Ländern abgesehen haben, ist es für uns noch einfacher die Amerikaner in der Region zu treffen."

Die USA reagierten auf entsprechende Warnungen und riefen US-Bürger auf, den Irak zu verlassen. Internationale Politiker mahnten, besonnen zu reagieren. Dieser Teheraner sagt Reuters: "Ich glaube, das wird nicht unbeantwortet bleiben, sondern zu schlimmen Zwischenfällen führen, unter denen die Menschen im Irak und anderen Ländern der Region leiden werden."

Trauer und Hass im Iran nach Tod Soleimanis
Karin Senz, ARD Istanbul
03.01.2020 17:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Januar 2020 um 17:00 Uhr und Inforadio um 18:04 Uhr.

Korrespondentin

Karin Senz, ARD-Studio Istanbul | Bildquelle: Johannes Moths Logo SWR

Karin Senz, SWR

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